Jahrgang 
1892
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die im Jahre 1878 wenige Wochen vor der geliebten Mutter an der Diphtheritis, an welcher die gesamte Groſsherzogliche Familie, mit Ausnahme der Prinzessin Elisabeth, schwer erkrankt war, gestorben ist.

Am 14. Dezember 1878 traf unser geliebtes Herrscher- haus und unseren seligen Groſsherzog der härteste Schlag, die treue sorgende Gattin, die liebende Mutter, die mit rüh- render Aufopferung ihre Lieben bis zu letzt gepflegt hatte, ging ein zur Ruhe in die ewige Heimat.

Groſs war der Schmerz, unersetzlich der Verlust; den richtigen Trost kannten und fanden die betrübten Familien- mitglieder in dem festen Gottvertrauen und dem sicheren Glauben an die dereinstige Wiedervereinigung mit ihren Lieben im Himmel. Aber fester und inniger schlossen die so früh verwaisten Kinder sich nun an den geliebten Vater an, der ihnen mit der ganzen Liebe und Wärme seines Her- zens, die ihn als Gatte und Vater auszeichnete, den Verlust der teueren Mutter zu ersetzen suchte. Wahrlich ein er- habenes Beispiel edelsten Vatersinnes gab unser Hochseliger Groſsherzog seiner nächsten Umgebung, wie dem geringsten seiner Unterthanen. Diese rührende, liebevolle Hingabe an die trauernden Kinder, dies feste innige Zusammenschlieſsen des Familienkreises unseres hohen Herrscherhauses hat etwas tief Ergreifendes und ist ein leuchtendes Vorbild ächten, treuen Familiensinnes.

Nur ungern trennen wir uns von diesem schönen, edlen Bilde. Aber es sind nicht allein die Tugenden des liebenden Familienoberhauptes, die wir uns heute ins Gedächtnis zu- rückrufen wollen, es sind die Tugenden des tapferen Heer- führers und die Verdienste des weisen, gerechten Herrschers, die uns heute vor die Seele treten.

Mit unserem dahingeschiedenen Landesherren ist die Zahl der groſsen fürstlichen Paladine, die, im harten Kampfe für Deutschlands Einigung streitend, den wiederaufgerichteten Kaiserthron umgaben, wiederum um einen vermindert. Doch schon vor dem Jahre 1870 bewährte sich Prinz Ludwig in einer äuſserst wichtigen Stellung als Reorganisator der