— 13—
Viktoria und des Prinzgemahls Albert kennen und lieben. Bei einem zweiten Besuche des 23 jährigen Prinzen fand die Verlobung am 30. November 1860 in Windsor statt.
„Es war ein auf freier Neigung jugendlich frischer un- schuldiger Herzen ruhender Bund, der so geschlossen worden und das Brautpaar zu den glücklichsten Menschen unter der Sonne machte.“
Infolge des traurigen Hinscheidens des wortrefiohen, ge- liebten Vaters der Braut fand die Vermählung auf dem prächtigen Landsitze der Königin zu Osborne auf der Insel Wight am 1. Juli 1862 in aller Stille statt. Eingesegnet wurde das hohe Paar von dem Erzbischof von York in Gegenwart der Königin Viktoria, der späteren Kaiserin Friedrich, der ältesten Schwester der Braut, und der nächsten Verwandten. Am 12. Juli hielten die Neuvermählten ihren Einzug in Darmstadt, jubelnd begrüſst von der gesamten Bevölkerung.
Es war ein einfaches Heim, welches das glückliche Paar aufnahm, aber das stille Glück, welches dies einfache Haus erfüllte, war rein und beseligend und lieſs die an gröſsere Verhältnisse gewöhnte junge Fürstin die Pracht und Bequem- lichkeit der englischen Königsschlösser leicht vergessen. Die vortreffliche Erziehung, die der edle Prinz Albert seiner ge- liebten Tochter gegeben, trug hier ihre goldenen Früchte. Wie innig die jugendliche Fürstin ihren Gemahl liebte, davon zeugen folgende Worte, die sie in einem Brief an ihre Mutter am 24. Juli 1862 richtete, wo sie schreibt:
„Wenn ich sage, daſs ich meinen Mann liebe, ist das kaum genug, es ist eine Liebe und Achtung, welche täglich, stündlich zunimmt, welche auch er mir durch alle möglichen Rücksichten und eine so zärtlich liebende Art erweist. Was war das Leben früher gegen das, was es jetzt geworden ist? Es ist ein so geheiligter Friede, an seiner Seite, seine Frau zu sein; es ist ein solches Gefühl der Sicherheit, und wir beide haben, wenn wir zusammen sind, unsere Welt unter uns, welche, nichts anrühren oder stören kann. Mein Loos ist wirklich ein begnadetes— doch was habe ich gethan, um


