Jahrgang 
1880
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die Häuser und Straſsen im Stadtkern, die wegen ihrer Lage in sumpfigem Terrain eine passende hohe Stelle zur Besiede- lung gaben. Anknüpfend an die Ueberschwemmungen des vorigen wie des letzten Winters geben die Schüler aus eigner Erfahrung an, welche Straſsen unter Wasser standen und mit Balken belegt, mit Flöſsen befahren wurden.

Bei dieser Gelegenheit kann ihnen ganz wohl der Ursprung des Namens des Stadt aufgeschlossen werden: zu(ze) den Gysen, Gizin, an den Flüssen; denn bei grofsen Fluten ergiefsen sich in die beiden Ge- wässer Wieseck und Lahn von allen Seiten Büche und Zuflüsse: Klingel- bach, Kropbach u. s. w. Zur Vergleichung dienen andere dativische Bil- dungen, die ja bei Ortsnamen so überaus gewöhnlich sind: zu den groſsen Linden, zu den grofsen Eichen, zu der Gariwartseich(Garbenteich), zum grünen Berg(Grünberg). Wie sind überhaupt die euch bekannten Orts- namen zusammengesetzt bezw. entstanden? Heuchelheim, Hausen, Anne- rod? Man weist darauf hin, wie die Endungrod vorzugsweise An- rodungen im früher sehr grofsen Wiesecker Wald(historisch schon 775) bezeichnen, gleich Rödchen in der Nähe, Diminutiv in dativischer Form der Einzahl; Gleiberg, Launsbach, Lollar, Wetzlar(lar, Niederlassung, Wohn- sitz vgl. Gelarr, Gelärr alter Bau) u. s. w.

Der Geschichte des Orts wird Rechnung getragen bei Ge- legenheit der Besprechung bedeutender Gebäude: Das Zeug- haus(1585), Befestigung von Gieſsen(1530 33), Philipp's des Groſsmüthigen Aufenthalt hier mit seiner Mutter in der Sickinger Fehde 1518. Der groſse Brand bei Gelegenhéeit der Betrachtung des Brandes 1560 den 27. Mai. Groſse Ueber- schwemmungen 1614, 1643. Pest und Sterben 1597, 1635.

II. Die Umgebung.

Indem man ganz von den Landesgrenzen absieht, be- trachtet man die Vmgebung nach den Bergzügen, den Wasser- straſsen, den Bahnwegen u. s. w. Die Gestalt der nächsten Umgebung: Zwei groſse Flächen an der Wieseck und der Lahn. Höhenzüge zwischen der Wieseck und Lumda (Hangelstein), die Bergzüge des Grünberger, Licher, Schiffen- berger Waldes, zugleich Wasserscheide zwischen Lahn und Wetter(bezw. Nidda Main). Die Ausläufer des Taunus am Stoppelberg, die Biegung, die die Lahn nach Westen um diesen Zug machen muſs, die Höhen des Gleibergs, das