Jahrgang 
1880
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Die Welt ist so leer, wenn man nur Berge, Flüsse und Städte darin denkt. Goethe.

Wenn der Anschauungsunterricht seine Schuldigkeit ge- than und die Kinder so weit angeregt hat, daſs sie die Dinge in ihrem Gesichtskreis mit eigenen Augen sehen, ver- gleichen und unterscheiden können, so dals sie nicht papa- geienartig die Worte des Lehrers oder des Lesebuchs nach- sprechen, sondern nach ihrem geistigen Vermögen zu be- greifen und sich auszudrücken im Stande sind, dann tritt als Vorübung für den geographischen Unterricht die Heimats- kunde ein. Ziel ist Bekanntschaft mit den natürlichen, räum- lichen und bürgerlichen Verhältnissen der Heimat auf Grund der Anschauung. Hierbei ist aber manches zu berücksich- tigen: Zuerst sind die Kinder nur zu sehr geneigt, die Gegenstände nur gedächtniſsmäſsig festzuhalten; aus diesem Grunde ist die zu frühe Vorzeigung der Karte mehr schäd- lich als nützlich. Der Unterbau der geographischen Er- kenntniſs darf und kann nur auf dem Wege der Anschauung der Dinge selbst, also hier der Ortsgegenstände, aufgeführt werden. Auch ist der voreilige Gebrauch eines Leitfadens vom Uebel; denn eine groſse Zahl der Schüler gibt sich mit den Definitionen und sonstigen Bestimmungen leicht zufrieden; sie brauchen da nicht weiter zu denken, holen nach Bedürfniſs die Definition als etwas Angelerntes hervor und brauchen sie zur Zeit und zur Unzeit. Es kann also eine Defnition, z. B. was ist ein Bach, Berg u. s. w. erst gegeben oder ge- fordert, besser noch gefunden werden, wenn das Bild des Gegenstandes ganz deutlich vor der Seele steht und zur vollen Anschauung gebracht worden ist. Die Kinder müssen

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