Mitteilungen des Oberrealſchulvereins„Vegus“.
Allenthalben hat die im Vorjahre eingeführte Neuerung, unſeren Jahresbericht dem Jahresbericht der Oberreal⸗ ſchule anzufügen, großen Anklang gefunden, bleiben doch unſere einheimiſchen und auswärtigen Mitglieder dadurch nicht nur über die Vorgänge in unſerem Verein, ſondern auch über die Entwicklung ihrer ehemaligen Bildungsſtätte auf dem Laufenden.
Die Vereinstätigkeit im Jahre 1930 wurde durch die verhältnismäßig niedrigen Beiträge beeinträchtigt, die wegen der Ungunſt der Zeitverhältniſſe angeſetzt werden mußten. Immerhin kann über folgende erfolgreiche Veran⸗ ſtaltungen und Unternehmungen berichtet werden:
Auf Beſchluß der Hauptverſammlung findet an jedem Samstagabend zur Pflege der Geſelligkeit abwechſelnd ein zwangloſes Treffen bei den Mitgliedern ſtatt, deren Eltern eine Gaſtwirtſchaft beſitzen. Dieſe„Samstag⸗Abend⸗ Stammtiſche“ ſind ſehr beliebt geworden. Die auswärtigen Mitglieder finden ſich, wenn ſie Grünberg beſuchen, gerne dazu ein, um zuſammen mit ihren alten Schulkameraden einen unterhaltenden Abend zu verbringen. Welche Saſt⸗ wirtſchaft an der Veihe iſt, wird jeweils in der Samstag⸗Nummer des Grünberger Anzeigers bekannt gemacht; unſere auswärtigen Mitglieder ſeien hierauf beſonders hingewieſen.
Als Erfolg einer regen Werbetätigkeit des Vorſtandes konnten 18 Neuanmeldungen(Abiturienten und ältere Mitſchüler, die dem Verein bisher noch fern ſtanden) verbucht werden. Andererſeits mußte leider eine Anzahl älterer Mitglieder, die ihrer Beitragspflicht nicht nachgekommen waren, aus unſerer Mitgliederliſte geſtrichen werden. Wir hoffen, daß ſich dieſe Maßnahme, zu der wir uns nur ſchweren Herzens entſchließen konnten, nicht zu wiederholen braucht, und daß alle diejenigen Mitglieder, die uns bisher treu geblieben ſind, auch in Zukunſt„zur Fahne halten“.
Das Frühlingsfeft am 24. Mai 1930 hinterließ in theatraliſcher wie in dekorativer Hinſicht große Befriedigung bei allen Teilnehmern. Der Unterhaltungsteil brachte neben guten muſikaliſchen Darbietungen der Kapelle Horſt zu⸗ nächſt ein von Herrn Juſtizoberſekretär Hans König eingeübtes Singſpiel„Der Reigen des Jahres“, bei dem die Damen Frl. Gertrud Möller, Frau Lilli König, Frau Anna Haas und Frl. Lieſel Böhm jetzt Frau Haack) durch den Wohllaut ihrer Stimme und prächtige Koſtümierung ſtarken Anklang fanden. Die Begrüßungsanſprache hielt der Unterzeichnete, der den Mitgliedern und Gäſten einen fröhlichen Abend wünſchte, bei dem ſie ihre Alltags⸗ ſorgen vergeſſen möchten. Den Höhepunkt des Feſtes bildete ein nettes dreiaktiges Theaterſtück„Fräulein Poſtmeiſter“, das unter Leitung von Herrn Friedel Hofmann ſehr gut herauskam und ſehr beifällig aufgenommen wurde. Die Damen Frl. Hella Kitz, Frl. Leonie Schellhaas und Frl. Irma Eiertänzer und die Herren Werner Limper, Herbert Fiſcher, Erwin Drodt, Hans Deutſch und Hermann Pfeffer verhalfen dem unterhaltſamen Stück durch ihre ausgezeichneten Leiſtungen im Einzel⸗ und Zuſammenſpiel zu einem großen Erfolg. Der beim Einſtudieren ſichtlich aufgewandte Fleiß hatte ſich gelohnt! In froher Stimmung ging man zum Tanz über. In dem, wie immer, feſtlich geſchmückten Saal blieb die Jugend bis in die frühen Morgenſtunden zuſammen. Die Kapelle ſpielte außerordentlich fleißig und lieferte eine hervorragende, moderne Tanzmuſik. Auch ſie trug dadurch zum guten Gelingen des Frühlings- feſtes weſentlich bei.
Ueberlieferungsgemäß feierten wir am 13. September 1930 unſer 11. Stiftungsfeſt im Hotel„Hirſch“. Nach einem flotten Eröffnungsmarſch der Kapelle Rau begrüßte der Unterzeichnete die zahlreichen Feſtteilnehmer. In kurzen Zügen umriß er den Werdegang des Vereins durch gute und ſchlechte Zeiten und wünſchte allen Anweſenden einen recht ver⸗ gnügten Abend. Frl. Leonie Schellhaas, die ſchon des öſteren dazu beigetragen hatte, unſere Veranſtaltungen durch Geſangsvorträge zu verſchönern, hat ſich auch diesmal wieder in gütiger Weiſe dazu bereit erklärt, und brachte mit „Tom der Reimer“ ein gut gelungenes Geſangſtück zum Vortrag. Nach einem gemeinſamen Lied und dem„Alten Kameraden⸗Marſch“ der Hauskapelle errangen ſich Herr Willi Rau(Violine) und Frau Erna Trinkaus(Klavier) durch einen Muſikvortrag wohlverdienten Beifall. Den Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung des Luſtſpieles „Der Nachtwächter“ von Theod. Körner. Herr Willi Rau hatte dazu eigenhändig ein wirklich prachtvolles Bühnenbild gemalt. Die Aufführung gewann dadurch ſehr an Wirkung. Der von Herrn Günther Reuſe ausgezeichnet geſpielte Nachtwächter, mußte ſich den Beweis ſeiner Dummheit, die er hartnäckig leugnete, durch die ausgekochten Studenten Wachtel(Herr H. Scheinberger) und Zeiſig(Herr K. Nöſch) gefallen laſſen. Sie entführten ihm mit Liſt in ſeinem Beiſein das treu bewachte Nöschen(Erl Hella Kitz). Alle Spieler leiſteten ihr Beſtes und ein ſtarker Beifall zeugte von dem Anklang, den ihre Darbietung bei den Zuſchauern gefunden hatte. Ein Vortrag der Kapelle und ein gemein⸗ ſames Lied beſchloſſen frühzeitig den offiziellen Teil. Faſt alle Feſtteilnehmer blieben bis in die frühen Morgenſtunden bei Tanz in allerbeſter Stimmung zuſammen.
Am 30. November 1930 verſammelte ſich eine große Anzahl Mitglieder im Vereinslokal zu einem Lichtbilder⸗ Vortrag, betitelt„Entriſſenes deutſches Heimatgebiet in Tirol“. Die durch den vorzüglich arbeitenden Apparat des ſtets bereitwilligen Mitgliedes Herin Karl Schott vorgeführten herrlichen Landſchaſten löſten ſtarken Beifall und anderer⸗ ſeits Bedauern über den Verluſt dieſes herrlichen deutſchen Gebietes aus. Nicht minder trugen die muſikaliſch hoch⸗ ſtehenden Vorträge unſerer Hauskapelle zur Belebung und Verſchönerung des Abends bei. Die beifällige Aufnahme des Lichtbilder⸗Vortrages veranlaßte den Vorſtand, auch die übliche Weihnachtsfeier mit einem ſolchen auszuſchmücken. Im überfüllten Saale des Hotels zum„Wilden Mann“ verlief der Abend neben Verloſung und friſchem Konzert der Hauskapelle ſehr ſtimmungsvoll.
Im Laufe des vergangenen Jahres wurden drei Mitgliederverſammlungen und ſechs Vorſtandsſitzungen abgehalten.
Am 17. Januar 1931 fand im Vereinslokal die ordentliche Hauptverſammlung ſtatt. Dem Jahresbericht des erſten Vorſitzenden folgte die Rechnungsablage durch den Kaſſenwart Fritz Chriſt. Das Barvermögen einſchließlich des Guthabens beim Bankgeſchäft Jöckel betrug 147,08 RM. Die anſchließende Vorſtandswahl ergab keine Veränderung. Einſtimmig wurde der Geſamtvorſtand wiedergewählt. Der Ehrenrat blieb ebenfalls faſt unverändert. Nur wurde als Erſatzmann für den durch Wegzug ausgeſchiedenen Herrn Karl Middendorf, Herr Landwirtſchaſtsaſſeſſor Dr. Böcher gewählt. Der Vergnügungsausſchuß wurde neu gewählt. Dieſe einſtimmige Wahl führte zu folgendem Ergebnis: Herr Refer. Heinz König, Herr Architekt Heinz Balſer, Frl. Mariechen Haas, Frl. Hella Kitz, Frl. Leonie Schellhaas. Der Jahresbeitrag der in Grünberg anſäſſigen Mitglieder wurde wie im vergangenen Jahr auf 3.— RM., Schüler auf 2.— RM. und für auswärtigen Mitglieder auf 1 RM. feſtgeſetzt. Maßnahmen zwecks Einziehung der aus⸗ ſtehenden reſtlichen Jahresbeiträge werden dem Vorſtand überlaſſen.
Die künftigen Veranſtaltungen ſollen im Rahmen der verfügbaren Mittel abgehalten werden. Die wöchentlichen Guſammenkünſte bleiben wie im Vorjahre beſtehen.
Mit„Vegus“⸗Gruß!
Grünberg, Oſtern 1931. Für den Vorſtand:
Hermann Magel, 1. Vorſitzender.
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