Jahrgang 
1931
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V. Zur Geſchichte der Anſtalt.

1. Der Beginn des Schuljahres 1930/31 fiel auf Montag den 28. April 1930, der letzte Schultag auf Samstag den 28. März 1931.

2. Die Schülerzahl betrug am Ende des vorigen Schuljahres 312. Nach beſtandener Reife⸗ prüfung verließen uns aus der Oberprima 26 Abiturienten, außerdem noch 26 Angehörige der übrigen Klaſſen, im ganzen demnach 52 Schüler. Zu den noch zurückgebliebenen 260 traten zu Beginn des Schuljahres 70 und im Laufe desſelben 13 hinzu. Die Geſamtzahl belief ſich demnach auf 352. Während des Schuljahres erfolgten 33 Austritte, ſodaß wir das Schuljahr mit 319 Schülern beenden. Oſtern 1930 kamen 46 Sertaner von dem verhältnismäßig ſtarken Geburtenjahrgang 1919/1920 zu uns, darunter 2 mit dreijährigem Grundſchulbeſuch. In die Oberklaſſen traten andererſeits wieder eine ganze NReihe von Schülern ein, die zum Teil ſchon mehrere Jahre in einem praktiſchen Beruf tätig. waren und der Schwierigkeit des Fortkommens durch Erweiterung ihrer Schulbildung begegnen wollten.

3. Der verbindliche Unterricht wurde nach dem Neuentwurf von 1925 des amtlichen Lehr⸗ plans erteilt. An wahlfreiem Unterricht waren eingerichtet je 1 Stunde Kurzſchrift in IIIb, IIIa und llb; je 3 Stunden Latein in IIb, Ila, Ib und la nach dem Lehrplan für Oberrealſchulen und 3 Stunden in la und Ib nach dem Lehrplan für Realgumnaſien. Der realgumnaſiale Lehrgang der Ib wird im kommenden Schuljahr noch zu Ende geführt.

4. Perſonalangelegenheiten. Bereits vor Schluß des Schuljahres 1929/30 hatte uns Aſſeſſor Karl Roth verlaſſen. Als Erſatz beauftragte der Heſſiſche Miniſter für Rultus und Bil⸗ dungsweſen den Studienaſſeſſor Walter Beck, der ſeither an der Oberrealſchule in Oberſtein⸗ Iar beſchäftigt war, ab Oſtern 1930 mit der Verwaltung einer Lehrerſtelle an unſerer Anſtalt.

Mit Wirkung vom 1. Juli 1930 tauſchten die Studienräte Friedrich Ploch an der Ober⸗ realſchule Alsfeld und Dr. Walter Gerhard an der hieſigen Oberrealſchule ihre Dienſtſtellen. Studienrat Dr. Gerhard kam Oſtern 1928 von der Oberrealſchule und dem Gumnaſium zu Dieburg; mit ihm iſt ein erfolgreicher Lehrer und wahrer Freund der Jugend, ein allſeits beliebter Amtsgenoſſe aus dem Lehrkörper geſchieden.

Der Seſundheitszuſtand der Lehrer war nicht gerade unbefriedigend; doch wurde eine Reihe kürzerer und längerer Vertretungen aus Anlaß von Erkrankungen der Atmungswege und der Gallen⸗ blaße notwendig. Studienrat Junker mußte wegen nervöſer Erſchöpfung ſeinen Unterricht vom 11. Auguſt bis 20. September 1930 ausſetzen. Vertreten wurde er vom 18§. Auguſt bis 20. Sep⸗ tember 1930 durch Studienaſſeſſor Fräulein Helene Döll von der Oberrealſchule Alsfeld, während alle anderen Vertretungen von den Amtsgenoſſen übernommen wurden.

Der Unterzeichnete war am 19. November 1930 zu einer von der Neichszentrale für Heimat⸗ dienſt veranſtalteten ſtaatsbürgerlichen Bildungstagung, an der auch Studienaſſeſſor Beck teilnahm, in Gießen, am 29. November 1930 zur Tagung der Arbeitsgemeinſchaft der Direktoren der höheren Schulen Heſſens in Darmſtadt. Studienrat Segbold nahm am 25. Oktober 1930 an der Vertreter⸗ tagung des Heſſiſchen Philologenvereins in Frankfurt am Main teil. Studienaſſeſſor Schneider war am 16. Auguſt 1930 zur Tagung der deutſchen Auslandslehrer nach Darmſtadt, Veallehrer Kohlbach vom 8. bis 27. September 1930 zu einem Lehrgang für Turnlehrer nach Michelſtadt im Odenwald, Reallehrer Müller⸗Alheim am 18. Oktober 1930 zu einer Tagung zur Förderung des Werkunterrichts nach Darmſtadt beurlaubt.

5. Beſichtigungen und Prüfungen. Herr Staatsrat Block aus Darmſtadt, der Referent der Anſtalt, weilte am 20. Oktober 1930, am 14. Februar und am 6. März 1931 aus dienſtlichen Anläſſen in Grünberg. Am 17. September 1930 fand eine außerordentliche Reifeprüfung für 2 Schüler der Oberprima ſtatt. Zur ordentlichen Reifeprüfung wurden 33 Oberprimaner zugelaſſen. Sie bearbeiteten die ihnen vorgelegten ſchriftlichen Prüfungsaufgaben vom 16. bis 23. Februar 1931. Die mündliche Prüfung fand für die lan am 13. Februar 1931 unter dem Vorſitz des Direktors, für die lag⸗ am 14. Februar 1931 unter dem Vorſitz des Herrn Staatsrats Block ſtatt. Unter Einbeziehung einer am 25. Februar 1931 in einem Sonderfall nachgeholten mündlichen Prüfung konnten alle 33 Prüf⸗ linge für beſtanden erklärt werden. Die näheren Angaben enthält Seite 9 des Berichts.

6. Schulfeierlichkeiten. Volksſchule und Oberralſchule begingen gemeinſam am 1. Juli 1930 die von der Schulbehörde angeordnete Feier aus Anlaß der Rheinlandräumung, bei der Studien⸗ aſſeſſor Schneider in treffenden Worten auf die Bedeutung der Veranſtalung hinwies. Für die Verfaſſungsfeier am 11. Auguſt 1930 hatte Fräulein Studienaſſeſſor Dr. Döll die Feſtanſprache übernommen. Sie ſetzte in anſprechender Weiſe den Schülern auseinander, was man unter einer Verfaſſung verſteht und warum Verfaſſungstag gefeiert wird, würdigte das Verdienſt der Männer, die als Erwählte des deutſchen Volkes dieſem eine Verfaſſung gegeben und damit die Einheit des Reichs gerettet haben; ſie hob hervor, daß der Verfaſſungsfeier in dieſem Jahr eine beſondere Be⸗ deutung zukomme, da ſie unter Beteiligung derjenigen Volksgruppen ſtattfinde, die ſeither noch unter dem Druck der fremden Beſatzung ſtanden. Die Rede ſchloß mit der Mahnung an die Jugend, immer daran zu denken, daß ſie einſt ſtaatsbürgerliche Pflichten zu erfüllen und deshalb die Auf⸗ gabe habe, ſich durch Erwerb der nötigen Kenntniſſe hierauf' vorzubereiten. Vorträge des Schul⸗ orcheſters unter Leitung von Studienrat Dr. Heil und Lieder des Chors und der Geſamtheit unter

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