Jahrgang 
1936
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In vergangenen Jahren waren die Wertmeſſer des lanoͤwirtſchaftlichen Betriebes ausſchließ⸗ lich Rein⸗ und Rohertrag. Der Reinertrag iſt die Verzinſung der im Betriebe arbeitenden Rapitalien, alſo die Verzinſung der im Betriebe arbeitenden Geloͤwerte. Das Roheinkommen entſpricht dem geſamten Jahresertrag eines landw. Betriebes. Die Bewertung erfolgt alſo ausſchließlich nach betriebswirtſchaftlichen Geſichtspunkten. 7

Dieſe der liberaliſtiſchen Wirtſchaftsauffaſſung entſprechenden Maßſtäbe ſind heute nicht mehr berechtigt, im Vordergrund des Intereſſes zu ſtehen. Da im Rahmen der Erzeugungsſchlacht zur Erlangung der Nahrungsfreiheit des deutſchen Volkes die höchſt möglichen landw. Erträge aus allen landwirtſchaftlichen Betriebszweigen gefordert werden, ſo kann nur ein Wertmeſſer an erſter Stelle ſtehen, der die volkswirtſchaftliche der privatwirtſchaftlichen Auffaſſung gegenüber beſonders betont, der das Gemeinwohl dem eigenen Wohle vorgehen läßt. Dies iſt das volkswirtſchaftliche Einkommen. Es ſetzt ſich zuſammen aus dem Anteil der Betriebsgefolgſchaft(Oöhne), die Steuern für den Staat, Zinſen des Gläubigers und dem Anteil des Betriebsinhabers und ſeiner mitarbeitenden Angehörigen. Die Ermittlung kann direkt aus der Summe der Anteile, ſowie aus Rein⸗ und Roh⸗ ertrag errechnet werden. Daraus ergibt ſich das volkswirtſchaftliche Einkommen als Wertmeſſer für volks⸗ und betriebswirtſchaftliche Unterſuchungen Der Rener zeigte dann an Hand von Beiſpielen die Bedeutung des volksw. Einkommens und ſtellte feſt, daß das geſamte volksw. Einkommen der deutſchen Handwirtſchaft nach dem Umbruch 1933 um 750 Millionen RM. emporſchnellte und ſo eine Summe von 7,25 Milliarden RM. erreichte.

Am Nachmittag ſchloß ſich dann eine gemeinſame Feier an. Bauer und Heimat ſtand als ſinntragender Wert über der eindrucksvollen Schulgemeindefeier. Diesmal ſollte die Jugend zu Wort

kommen, und ſie hat ihre Aufgabe mit großer Begeiſterung erfüllt, die Stunden des Zuſammenſeins zu einer wahren Feier umzugeſtalten. Flott geſpielte Märſche, wuchtige Oieder des jungen Deutſch⸗ land und Anackers aufrüttelnder Sprechchor:Bauer wach auf! kündeten den frohen Zukunfts⸗ glauben unſerer Jugend an das deutſche Bauernreich. Auch altes deutſches Kulturerbe durfte dane ben zu Worte kommen, wie etwa Chamiſſos wohlbekanntesMRieſenſpielzeug, oder urecht Volks⸗ mäßiges wie das innige Volkslied:Dort unten in der Mühle, und die von den Mädchen reizend verlebendigten Volkstänze zu mundartlich köſtlichen Weiſen. Koeppens ſieghaft aus den Schollen auf⸗ ſteigender Bauernſpruch erklang ſo überzeugend, wie Griegs Norwegiſcher Bauernmarſch einen groß⸗ artigen Eindruck eines Bauernfeſtzuges vermittelte man ſah ordentlich die bunten Bänder und Sträuße an farbigen Trachten. Eine Erzählung von Bauern, die aus dem Elſaß vertrieben im Reich eine neue Heimat fanden und denen, wie all ihren Schickſalsgefährten, das Wort Schülers galt:Steh feſt, Bauer! leitete gedanklich über zu der Sinngruppe: Der deutſche Bauer in den be⸗ drohten Grenzlanden. Damit ſtellte ſich die Feier wirkungsvoll zugleich unter die Idee des BDA. Wir vernahmen eine Stimme aus Siebenbürgen, und als ein markiger Sprechchor der Südtiroler verklungen war, ging das Südtiroler Bauernſpiel:Georgitag über die Bretter. Alle Mitſpieler gaben in großer, innerer Ergriffenheit ihr Beſtes, ſodaß mit dem Deutſchſüdtiroler Trutzlied die Feier einen erhabenen Eindruck bei allen Gäſten hinterließ. Wir ſparen uns, einzelne Namen zu nennen, da in der gemeinſamen Zuſammenarbeit, wo jeder an ſeinem Platz ſtand, ohne als Einzelperſon her⸗ vortreten zu wollen, am ſchönſten der Sinn und hohe Wert einer Schulgemeindefeier zum Ausdruck kam.

Am Abend war gemütliches Beiſammenſein im Gaſthaus zur Krone. Freude weilte unter den Klaſſenkameraden, die nach langen erlebnisreichen Jahren in Geſelligkeit und Freundſchaft ſich gegenſeitig ausſprechen konnten. Bum Vorſitzenden des Vereins der ehemaligen Schüler wurde an dieſem Abend Herr Wilhelm Schuſter Häuſerhof bei Klein⸗Umſtadt beſtimmt. Herr Oberſtudienrat Profeſſor Dr. Biedenkopf wurde neben einer beſonderen Ehrung zum Ehrenvorſitzenden ernannt.

Am Samstag vormittag wurden die Vorträge fortgeſetzt. Studienaſſeſſor Dr. Rothley ſprach über:Der Beitrag der Induſtrie zur Erzeugung von Textilrohſtoffen. Die weſentliche Aufgabe des Vortrages beſtand darin, durch die Schilderung der Herſtellung und Eigenſchaften der verſchie⸗ denen Erzeugniſſe z. B. Kunſtſeide und Kunſtſpinnfaſer oder Zellwolle das Vertrauen in die Güte dieſer Stoffe zu erhöhen und Verſtänoͤnis für die Zuſammenarbeit von Induſtrie und Handwirtſchaft zur erfolgreichen Durchführung der Textilerzeugungsſchlacht zu ſchaffen. Es wurde gezeigt, daß wir auf dem beſten Wege ſind, uns in dieſer Hinſicht vom Ausland unabhängig zu machen. Es muß hier beſonders hingewieſen werden auf die umfangreichen und belehrenden Ausſtellungen, die Herr Dr. Rothley veranſtaltete(Textilrohſtoffe und Vererbungsbeiſpiele). Herr Dr. Müller hatte die Aus⸗ ſtellung durch Raſſebilder und Stammformen des Weizens ergänzt.

Als zweiter Reoͤner des Samstagvormittags ſprach Stuo.⸗Aſſeſſor Schneider über die Ver⸗ wertung des elektriſchen Stromes in der landwirtſchaftlichen Erzeugungsſchlacht. Einleitend wies er auf den gewaltigen Siegeszug der Elektrotechnik hin In Städten verwende man heute zum Teil noch Gleichſtrom, aber das breite Hand habe der Wechſelſtrom erobert, weil er ſich leicht umſpannen und auf weite Entfernungen ohne große Verluſte ſchicken läßt. Auch der Handwirtſchaft habe der elektriſche Strom große Vorteile gebracht. Neben der hellen und feuerſicheren elektriſchen Beleuchtung kommt er hauptſächlich für den Betrieb von elektriſchen Motoren in Frage, die die verſchiedenen elektriſchen Ma⸗