Geſchichte der Anſtalt.
1. Beginn des Schuljahres war Montag, der 29. April 1935. Nach einem Lehrerrat fand die Aufnahmeprüfung der Neueingetretenen ſtatt. Der letzte Schultag des Jahres 1935/36 iſt der 28. März 1936. 1935/36 brachte uns eine von früher abweichende Ferienordnung. Der Gedanke, lange Sommer⸗ ferien zu ſchaffen, verurſachte auch hier eine Verlängerung, wenn auch die ſtädtiſche Regelung der 6⸗Wochen⸗ Sommerferien mit Rückſicht auf die Landbevölkerung und die Volksſchule nicht in Frage kam.
Ferienordnung: Pfingſtferien: 9. 6.— 16. 6. 1935 Sommerferien: 14. 7.— 18. 8. 35 Herbſtferien: 6. 10.— 20. 10. 35 Weihnachtsferien: 23. 12. 35— 6. 1. 36.
2. Perſonalnachrichten: Nach dem ſtärkeren Wechſel des Lehrkörpers und ſeiner deutlichen Verjüngung im vorausgegangenen Jahre zeigte das neue Schuljahr nur wenige Veränderungen. Mit Wirkung vom 29. 4. 35 war Studienrat Dr. Rudolf Neumann an die Liebig⸗Oberrealſchule nach Darm⸗ ſtadt verſetzt worden. An ſeine Stelle trat mit dem gleichen Tage mit%⅛ Verwendung Studienaſſeſſor Dr. Konrad Neumann, der von der Realſchule in Langen kam.— Studienaſſeſſer Pitthan trat am 9. 12. 35 hier aus, um in das Heeresfachſchulweſen des Reichsheeres überzutreten. Am 15. 11. 35 war für ihn, der bei einem militäriſchen Kurs weilte, Studienrat Dr. Metzger von Danzig⸗Neuteich ge⸗ kommen.— Nur vorübergehend war Studienaſſeſſor Fritz Schütz hier tätig. Er kam am 1. 11. 35, ſchied am 31. 1. 36 hier aus und ging zur Polizeiſchule nach Darmſtadt.— Als Lehrkraft für die ore Turnſtunde wurde uns für eine 8-ſtündige Tätigkeit in der Woche Studienaſſeſſor Breitwieſer am 6. 11. 35 überwieſen.— Der Lehrerwechſel hielt ſich in engen Grenzen, doch die Beteiligung der Lehrer an Kurſen und ſomit der Arbeitsanteil der Zurückgebliebenen blieb wie im Vorjahre groß. An den Schulungskurſen des NSLB in der Rhein⸗Mainiſchen Stätte für Erziehung in Mainz nahmen teil die Herren Völzing, Bach, Bauer, Eimer, Knauß, Wolff, Müller, Gils, Stephan von der Realſchule. Bei ⸗wöchigen Ubungen beim Reichsheer waren die Herren Pitthan und Wolff. Bei einem Fliegerkurs übte Herr Knauß, bei einem Ferienkurs in Göttingen bei der Phywe weilte Herr Schneider, bei einem Kurs„Deutſche Volkskunde“ in Mainz Herr Neumann, bei r-tägigen Luftſchutzlehrgängen in Dieburg der Direktor und die Herren Lamby und v. Muralt. Dieſe weitere Förderung unſeres ſtaatspolitiſchen Aus⸗ blicks, unſerer wehrſportlichen und wehrhaften Ausbildung nahm die Geſamtheit des Kollegiums ſo ſtark in Anſpuch, daß im Durchſchnitt gerechnet jede Lehrperſon zwei Wochen zu vertreten war. Dazu kommt noch die Vertretung für die erkrankten Herren. Durch Erkrankung waren Herren rund 90 Tage ver⸗ hindert, nicht eingerechnet die längere Krankheit von Herrn Bach, der in der Zeit vom 28. 10. 35 bis 2. 2. 36 ernſtlich erkrankt war. Am 2. 2. 36 konnte er auch nur teilweiſe ſeinen Dienſt wieder auf⸗ nehmen. Leider muß er ſeit dem 6. Z. 36 der Schule durch Scharlacherkrankung in der Familie wieder fernbleiben.— Trotz dieſer ſtarken dienſtlichen Inanſpruchnahme wurde von den Herren des Kollegiums noch reichlich und eifrig an den Sitzungen der Fachſchaft ll des NSLB mitgearbeitet. Es ſprachen dort: Der Direktor über die Ziele des neuſprachlichen Unterrichts nach Urteilen des Führers, führender Politiker und von Fachleuten; Herr Völzing über Ausgrabungen im Ziegelwald bei Groß⸗Umſtadt (auch gehalten in der Kreisverſammlung des NSLB in Dieburg), ferner über Ahnen und Sippentafeln, dann über Kriegsgeologie; Herr Bauer über Raſſiſche Betrachtung des engliſchen Volkes; Herr Rothley über die Verſorgung Deutſchlands mit Textilrohſtoffen, Die Verdeutſchung biologiſcher Fachausdrücke, Neue Beiſpiele zur Vererbungslehre; Herr Knauß über HJ. und Schule; Herr Neumann über„Welche Mög⸗ lichkeiten bietet ein engliſches Lehrbuch für eine raſſenkundliche Betrachtung engliſcher Verhältniſſe“; Herr Müller über die Erzeugungsſchlacht; Herr Stephan von der Realſchule über praktiſches Zahlenrechnen und die Bedeutung der Elektronenröhre für Fernſehen und Fernhören; Frl. Reiſchel von der Realſchule über die biologiſche Bedeutung der Sippentafeln; Herr Schneider im Arbeitsdienſt in Reinheim über Grenz⸗ und Auslandsdeutſchtum und vor der Bezirkslehrerſchaft über die Behandlung der Fluglehre im Unter— richt.— In der Gemeeinſchaftsarbeit der Gemeinde ſtanden durch den Sommer hindurch die Herren jede Woche einmal mit Hacke und Spaten im Schwimmbad⸗Neubau und bekundeten ſo ihre Verbundenheit mit den großzügigen Plänen der Stadtverwaltung und den gemeinſamen Aufgaben der Bewohner.— Nach ſeinem ſchweren Sturz 1934 konnte Herr Amtsgehilfe Walther mit dem neuen Schuljahr 1935 ſeinen Dienſt teilweiſe wieder aufnehmen. Infolge der Nachwirkungen mußte er noch durch das ganze Schuljahr hindurch in Einzelſtunden vertreten werden.—
Wir gedenken noch zweier früherer Mitglieder des Kollegiums, zu denen immer noch Be⸗ ziehungen beſtanden hatten. Es ſtarben am 13. 9. 35 Oberſtudiendirektor Göckel und am 17. 9. 35 Profeſſor Michel. Beiden Herren wurde vom Kollegium und den früheren Nitggliedern die letzte Ehre erwieſen. An ihrem Grabe ſprach der Direktor.
3. Schulfeiern: Will eine Schule eine lebenserfüllte Gemeinſchaft ſein, die Kräfte für die Arbeit und wieder für den Willen zur Gemeinſchaft freimacht, die ſich im Dienſte des Volkstums fühlt, muß


