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VI. Cbronil.
1. Das neue Schuljahr begann am 9. April.
2. Vom 17. April an konnte Herr Sturmfels mehrere Wochen lang wegen Krankheit keinen Unterricht geben; die Stunden wurden größtenteils von den Kollegen übernommen.
Am 1. Juni wurde Herr Dr. Heil zu einer achtwöchentlichen Uebung zum Militär eingezogen. Durch Miniſterialverfügung wurde Herr Rudolf Block, Lehramtsacceſſiſt, uns zur Aushülfeleiſtung für die Zeit vom 1. Juni bis 25. Juli überwieſen.
3. Nachdem von Großherzoglicher Staatsregierung die Verbindung einer Landwirtſchaftsſchule mit hieſiger
— Realſchule genehmigt worden war, fanden ſich am 15. Juni Herr Geheimer Staatsrat v. Knorr, Herr Geheimer Rat Jaup und Herr Oberſchulrat Soldan hier ein, um mit Zuziehung des Herrn Kreisrats Heß, Herrn Kreisbaumeiſters v. Riefel und des Unterzeichneten in einer Gemeinderatsſitzung über die nötigen Vorbereitungen Beſchluß faſſen zu laſſen. Es wurde die Wahl des Bauplatzes für den neuen Realſchulbau getroffen und Herrn Kreisbaumeiſter v. Riefel die Aufſtellung des Bauplanes übertragen.
4. Am 18. Juni hielt der Unterzeichnete in Gegenwart ſämtlicher Lehrer und Schüler eine Gedächtnisrede für den hochſeligen Kaiſer Friedrich III. Der Unterricht fiel an dieſem Tage aus.
5. Am 21. Juni fanden unter Führung der Klaſſenführer die größeren eintägigen Ausflüge ſtatt. Die 1. und 4. Klaſſe wählten Heidelberg, die 2. Klaſſe den Niederwald, die 3. Klaſſe den Katzenbuckel und Eberbach, die 5. und 6. Klaſſe Erbach als Ziel. Die Vorſchule machte einen Spaziergang durch den Wald nach dem benachbarten Heubach..
Außer dieſen weiteren Ausflügen wurden jeden Monat Nachmittagsſpaziergänge in die Umgegend unternommen..
6. Am 30. Juni war Herr Oberſchulrat Soldan hier anweſend, um mit Herrn Kreisbaumeiſter von Riefel und dem Unterzeichneten den für den Neubau entworfenen Plan zu beſprechen, und beſuchte an dem⸗ ſelben Tage einige Lehrer in dem Unterrichte.
7. Duilih Dekret vom 5. Juli wurde Herrn Stephan die ſeither von ihm verwaltete Stelle definitiv übertragen.
8. Am 21. Juli ſchied von unſerer Anſtalt Herr Rothermel, der hier ſeit dem 1. Mai 1885 als provi⸗ ſoriſcher Reallehrer gewirkt hatte. Zu ſeinem Nachfolger erhielten wir am 23. Juli Herrn Dr. Ganz; derſelbe wurde jedoch ſchon wieder am 17. September durch Herrn Seidenberger erſetzt.—
Letzterer machte uns über ſeinen Lebensgang folgende Angaben:
Als Sohn des Fuhrunternehmers Heinrich Seidenberger wurde ich, Joh. Bapt. Seidenberger, am 16. Februar 1860 zu Mainz geboren. Ich beſuchte von 1866—71 die Volksſchule, von 1871—79 das Gymnaſium meiner Vaterſtadt, ſtudierte ſodann auf den Univerſitäten Straßburg, Heidelberg und Gießen klaſſiſche und neuere Philologie. Herbſt 1881 genügte ich durch eine 10 wöchentliche Ubung als Erſatzreſerviſt meiner Militärpflicht. Nachdem ich die für das Jahr 1883 von der philoſoph. Fakultät zu Gießen ausgeſchriebene Preisaufgabe gelöſt hatte, beſtand ich am 1. März 1884 die Staatsprüfung und erhielt die Lehrbefähigung für Geſchichte, Deutſch, Franzöſiſch und Engliſch. Von da ab war ich an folgenden Schulen thätig: Oſtern 1884— 85 am Gymnaſium zu Gießen als ordentliches Mitglied des dortigen pädagogiſchen Seminars, Oſtern— 22. Juni 1885 am Realgymnaſium und der Realſchule zu Mainz als Volontär, 22. Juni- 15. Auguſt zur Vertretung eines erkrankten Lehrers am Real⸗ gymnaſium und der Realſchule zu Offenbach, dann bis Oſtern 1886 wieder zur freiwilligen Fortſetzung des Acceſſes an der Realſchule in Mainz. Oſtern 1886 wurde ich mit der proviſoriſchen Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Wimpfen betraut und Herbſt 1887 als Dirigent und erſter Lehrer an die höhere Bürgerſchule nach Beerfelden berufen. Durch Krankheit wurde ich verhindert, dieſe Stelle weiter zu bekleiden, auf mein Nachſuchen derſelben am 22. Oktober enthoben und beurlaubt. Oſtern bis Herbſt 1888 wirkte ich an der Realſchule zu Bingen als Vertreter eines erkrankten Lehrers und erhielt ſodann die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt
9. Die mit der Realſchule verbundene Landwirtſchaftsſchule trat am 8. Oktober ins Leben. Die he nungsfeierlichkeit wurde durch Geſang der Schüler eingeleitet, worauf Herr Oberſchulrat Soldan die neue Anſtalt eröffnete. Der Unterzeichnete hielt dann eine Anſprache und ſtellte darauf Herrn Dr. Knapp der durch Allerhöchſtes Dekret zum 1. Landwirtſchaftslehrer mit Wirkung vom 1. Oktober ernannt, worden war, vor. Nachdem darnach noch von Herrn Bürgermeiſter Eidmann eine Anſprache gehalten worden war, bildete ein von den Schülern geſungenes Lied den Schluß der Schulfeier.


