Jahrgang 
1882
Einzelbild herunterladen

13

die Klage eines einzigen Mannes hin vor das Forum der Kammer bringt und durch dieſes Vorgehen eine Anſtalt, die ſich bewußt iſt, treu und redlich an der Erfüllung ihrer Pflichten zu arbeiten, in den Augen der Nichteingeweihten durch das ganze Land hin aufs empfindlichſte compromittiert.

Möge die zugeſagte Unterſuchung recht bald die Wahrheit ans Licht ſtellen! Wie dieſelbe aber auch ausfalle, der Fall Oſann contra Realſchule Groß⸗Umſtadt dürfte wohl ſchwerlich jemaks als Beitrag zur Codification des Rechtes Verwendung finden.

9) Auch die Erweiterung der Vorſchule durch Aufnahme der Kinder vom 6. Lebensjahre an hat der Schule viel Anfeindung zugezogen. Niemand kann aufrichtiger als der Unterzeichnete die Hebung des allgemeinen Volkswohlſtandes und der allgemeinen Bildung wünſchen. Aber ſo lange die Volksſchule noch von einer großen Anzahl von Schülern beſucht wird, bei denen auch jede Vorbedingung eines gedeihlichen Fortſchreitens fehlt, und ſo lange dieſe ein Hemmſchuh für die beſſeren Elemente ſein werden, ſo lange wird er die Vorſchule feſthaltenmit allen Wurzeln ſeiner Kraft, und er kann nur bedauern, daß die jahrelang fortgeſetzte öffentliche und geheime Agitation gegen dieſelbe, trotzdem ſie bereits ſeit 1879 als or⸗ ganiſch mit der Realſchule verbunden in das Staatsbudget aufgenommen iſt, ſo er⸗ folgreich ſein konnte, wie dies das vorjährige und das diesjährige Programm darthun.

Um die Frequenz der Vorſchule im Verhältnis zu der an andern, mit Umſtadt ziemlich in gleichen Verhältniſſen ſtehenden Realſchulen zu vergleichen, geben wir die nachfolgende Tabelle:

Im Jahre 1881 hatten die nachverzeichneten Städte(eine aus jeder Provinz mit Umſtadt verglichen):

. Schülerzahl Lebensalter der Einwohnerzahl. der Realſchube u5 Vorſchule. Vorſchüler.

a) Michelſtadt 3282 181 32 7. 10. J.

b) Alsfeld 3730 159 55 6. 10.

c) Oppenheim 3228 103 28 8. 10. d) Gr.⸗Umſtadt 2679 169 13 8.10.

Da aber der Beſtand von 13 Schülern jedenfalls einen Mehraufwand fordert, der dem Realſchulbudget zur Laſt fällt, ſtellten wir zu Anfang des Jahres 1881 den Antrag auf jene Erweiterung, der denn auch von der Regierung genehmigt wurde. Und nun beträgt die Anzahl der Vorſchüler, wie zu Oſtern 1881, 13! Möge man ſich doch endlich einmal darüber klar werden, daß die Direction in all dergleichen orga⸗ niſatoriſchen Fragen nicht ohne die Regierung vorgehen kann, daß aber jenes fortdauernde Ankämpfen gegen die Maßnahmen der Regierung den ferneren Beſtand einer Anſtalt, deren Uebernahme durch den Staat man noch vor 5 Jahren als eine der Stadt erwieſene Wohlthat anerkannte und feierte, allmählich wieder in Frage zu ſtellen geeignet iſt! 1

10) Wenn endlich die Nichtüberlaſſung der Turnhalle und des Turnplatzes der Realſchule an die Schüler der Volksſchulen einen Sturm des Unwillens gegen uns hervorgerufen hat, ſo können wir auch hierbei wieder einem Hohen Miniſterium nur dankbar ſein, daß es gegen das mehrmals wiederholte dringende Anſuchen des Gemeinderats um Ueberlaſſung dieſer Räume in einem die Intereſſen der Realſchule wahrenden Sinne entſchieden hat, würden aber ebenſo ſehr dem Stadtvorſtande dankbar ſein, wenn er uns durch Er⸗ bauung eines zweckentſprechenden Realſchulgebäudes in die Lage verſetzen wollte, die Mitbenutzung des Turn⸗ platzes und der Turnhalle ſeitens der ſtädtiſchen Schulen zu ermöglichen.

Dr. Landmann.

Eine Schenkung ſeitens der Sparkaſſe iſt in dem diesjährigen Programme leider nicht zu verzeichnen. Da eine Generalverſammlung der Mitglieder im Jahr 1881 nicht ſtattgefunden hat, wandte ſich der Unterzeichnete wiederholt mündlich und zuletzt, am 9. Januar l. J., ſchriftlich an den Vorſtand mit dem Erſuchen, die 1880 bewilligten 3 Freiſtellen auch für das Schuljahr 1881/82 genehmigen und die Auszahlung des Schulgeldes für dieſelben anweiſen zu wollen. Nachdem unſere Bemühungen bis heute erfolglos geweſen ſind, müſſen wir nunmehr die betr. Eltern auf den Weg der perſönlichen Bittſtellung verweiſen.

Fiür die Bibliothek erhielten wir von der Großherzoglichen Centralſtelle für die Landesſtatiſtik den 22. Band der Beiträge, H. 1, ſowie die Fortſetzungen der Mitteilungen und des Notizblattes für Erdkunde; von einer Anzahl auswärtiger Buchhandlungen(Weidmann, Nicolai, G. V. F. Müller in Berlin, Velhagen u. Klaſing in Bielefeld, F. Hirt u. J.