Jahrgang 
1880
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brechen und war dann bis Sommer 1877 in Frankfurt a./M. als Hauslehrer und als proviſ. Lehrer an der Wöhlerſchule(Realſchule I. O.) thätig. Zu ſeiner weiteren beruflichen Ausbildung hielt er ſich bis Herbſt 1878 im Ausland, beſonders in England, auf, wurde nach ſeiner Rückkehr als Hilfslehrer an der Realſchule zu Gießen verwandt und erwarb ſich im Herbſt 1879 die fac. doc. in neuerer Philologie, Ge⸗ ſchichte und Deutſch. Seit dem 2. Februar d. J. iſt er an hieſiger Realſchule thätig.

Mit dem 2. Februar alſo trat der neue Lectionsplan in Kraft, der im weſentlichen den Anforderungen entſpricht, welche der neue Lehrplan an den Lectionsplan ſtellt. Leider aber ſollten die für die einzelnen Lehrer gehofften Erleichterungen nur für wenige derſelben wirklich eintreten. Am 24. Januar erkrankte Herr Dr. Loebell, und nachdem er am 30. und den folgenden Tagen den Verſuch gemacht, ſeine Stunden wieder zu halten, mußte er am 4. Februar abermals aus der Schule wegbleiben und konnte vor Oſtern ſeinen Unterricht nicht wieder übernehmen. Da die nachgeſuchte Vertretung nicht gewährt werden konnte, verſah der Unterzeichnete bis zum 21. Februar den größeren Theil ſeiner Stunden allein, vom 23. an traten die Herren Dr. Rücker, Kunz und Veith in dankenswerther Bereitwilligkeit mit je 2 bis 3 Stunden zur Aushilfe heran.) Herr Ramge fehlte am 23., 24. und 26. Januar und dann, nachdem er inzwiſchen einzelne Stunden hatte ausſetzen müſſen, vom 13. bis 23. Februar wegen Krankheit, Herr Sturmfelsll. vom 12. bis 17. März. Durch die vorerwähnten Uebelſtände ſowohl, wie durch die nach Beſeitigung der⸗ ſelben eingetretenen Unterbrechungen des Unterrichtes durch Krankheiten ſahen wir uns veranlaßt, das Schuljahr über die Oſtern hinaus bis in die letzte Woche des April zu verlängern, zu welchem Zwecke die Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums bezüglich der in dem nächſten Schuljahre in Ausgleich zu bringenden Ferien nachgeſucht und unter dem 27. Februar ertheilt wurde.

Da der Schluß des Sommerhalbjahres mit Rückſicht auf nothwendig gewordene bauliche Veränderungen ſchon am 23. Auguſt erfolgen mußte, ſo fielen ſowohl Namens⸗ und Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, als auch der Sedantag in die Herbſtferien. Dagegen fand am 14. December, als dem Todestage der Höchſtſeligen Großherzogin Alice von Heſſen, durch die Schüler der Realſchule in Verbindung mit den Schülerinnen der höheren Mädchenſchule eine muſikaliſche Aufführung zum Zweck einer Weihnachtsbeſcherung an arme Kinder aus der Volksſchule ſtatt. Der Erlös aus derſelben betrug 68 Mark 50 Pf., aus welcher Summe nach Abzug der entſtandenen Koſten am erſten Weihnachtsfeiertage 6 arme Kinder mit verſchiedenen Bekleidungsgegenſtänden beſchenkt wurden.

Am 20. März feierte unſere Schule im Anſchluß an die in Preußen für dieſen Tag getroffenen An⸗ ordnungen den Geburtstag Seiner Majeſtät des deutſchen Kaiſers durch einen öfefentlichen Act in Ermangelung eines Feſtſaales im Saale des Rheiniſchen Hofes. Die durch einen Klaviervortrag und einen Geſang der Schüler eingeleitete Feſtrede des Unterzeichneten hatte die allgemeine Wehrpflicht und die Erziehung zur Wehrhaftigkeit zum Gegenſtand. Nach abermaligem Klaviervortrag und Geſang wurden ſodann durch eine Anzahl von Schülern einzelne Scenen aus Kleiſts Hermannsſchlacht(Act I. Sc. 9 und 10; Act IV. Sc. 1; Act V. Sc. 8 und 9, 14, 21 und Schluß⸗Scene) vorgetragen und die Feier mit dem Mangoldſchen ChorSeid einig! geſchloſſen.

Die im vorigen Programm angekündigte Sammlung für das Nationaldenkmal auf dem Nie⸗ derwald ergab 53 M. 46 Pf., welche am 11. April 1879 an die deutſche Vereinsbank zu Frankfurt a. M. eingeſandt wurden..

Im verfloſſenen Schuljahre wurden zwei größere Ausflüge gemacht: der erſte mit den 3 oberen Klaſſen unter Führung der Herren Dr. Rücker, Dr. Loebell, Kunz und des Unterzeichneten in die Bergſtraße mit Einkehr auf dem Felsberg und im Hotel Hufnagel zu Seeheim, am 29. Juli; der zweite mit den 4 unteren Klaſſen unter Führung der Herren Sturmfels I. und II., Ramge, Grenz und des Unterzeichneten in das Gerſprenzthal mit Einkehr bei Herrn P. Ruths in Groß⸗Bieberau, am 31. Juli.

Schulfreie Tage waren außer den Ferien: der 1. Auguſt als ortsüblicher Hagelfeiertag und der darauf folgende Tag(Samſtag), der 3. November als Kirchweih⸗Montag und der 10. Februar als Faſtnacht⸗ Dienſtag; außerdem fiel der Nachmittagsunterricht wegen großer Hitze am 4. und 5. Auguſt aus.

Am 16. Auguſt gaben die 4 oberen Klaſſen der Realſchule unter Führung des Directors und der üb⸗ rigen Lehrer dem am 14. verſtorbenen Rechner der Realſchule, Herrn J. Groß, das Geleite, wobei auf dem Friedhofe das Andenken des Verewigten durch Abſingen eines Grabliedes gefeiert wurde. In der längere Zeit andauernden Vacanz der Rechnerſtelle leiſtete Herr Rentner G. H. May der Schule durch ein unverzinsliches Darlehen für die laufenden Ausgaben einen Dienſt, für welchen wir hier unſern Dank aus⸗ zuſprechen nicht verſäumen möchten.

*) Siehe unter 2. Die Lehrer.