12
zimmer, die Wohnung des Pedellen und einen Carcer.— Der andere Bau, der bis dahin ſämmtliche Schulzimmer einſchloß, konnte nun zweckentſprechend in der Weiſe verwendet werden, daß von zwei Nebenzimmern, welche vorher als Klaſſenzimmer gedient hatten, das eine als Cabinet zur Aufbewahrung der Zeichenvorlagen und Zeichenmodelle, das andere als phyſicaliſches Cabinet eingerichtet wurde, während der Verbindungsraum zwiſchen beiden Häuſern, der in dem letzten Jahre als Klaſſenzimmer gedient hatte, nunmehr Conferenzzimmer geworden iſt.
Gleichzeitig mit dieſem Umbau wurde die Errichtung einer(proviſoriſchen) Turnhalle vorgenommen, für welche die hieſige Spar⸗ und Creditkaſſe in bekannter Liberalität die Summe von 2000 Mark als Beitrag zu den ſtädtiſchen Koſten für die Realſchule bewilligt hatte. Bei der Wahl des Platzes für dieſe Turnhalle war der Director vorzugsweiſe durch den Wunſch geleitet worden, die angrenzenden Gemeindeſtallungen und Hirtenwohnungen, deren Abgrenzung er noch vor Eröffnung der Schule betrieben und theilweiſe durchgeſetzt hatte, vollſtändig von dem Territorium der Realſchule abzuſchließen, und der Erfolg hat gezeigt, daß der doppelte Zweck ohne beſondere Anſtrengung erreicht worden iſt, ganz abgeſehen davon, daß dieſer Raum zugleich bei ſchlechtem Wetter als Spielplatz und für die auswärtigen Schüler als Tummelplatz während der Hei zwiſchen dem Vor⸗ und Nachmittagsunterrichte dient.— Auch die Abtritte und Piſſoirs, die früher in einem ſehr primitiven Zuſtande geweſen waren, wurden zweckdienlich hergeſtellt und die Außenwände der beiden Häuſer an der Hofſeite mit neuem Bewurf verſehen; und es gereicht dem Unterzeichneten zu beſonderer Freude berichten zu können, daß die oberen Baubehörden bei einer gelegentlichen Inſpection ſich recht befriedigt über die ſämmtlichen baulichen Veränderungen ausſprachen.
Wenden wir uns von dieſen mehr äußeren, aber für das Gedeihen der Schule hochwichtigen Angelegenheiten zu den inneren Fragen hin, ſo können wir mit großer Befriedigung die Bereitwilligkeit conſtatiren, mit welcher der Stadtvorſtaud die in dem Voranſchlage vorgeſehenen Mittel zur würdigen Ausſtattung der Schule mit Schulgeräthſchaften und Lehrmitteln bewilligte. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß eine im Werden begriffene Anſtalt über ein Budget ver⸗ fügen muß, das gerade nach dieſer Seite hin nicht zu knapp zugeſchnitten ſein darf. Dieſer Einſicht verſchloß man ſich denn auch durchaus nicht, und ſo konnten wir in dieſem Jahre nicht nur einige nothwendige größere Anſchaf⸗ fungen machen, ſondern waren auch im Stande, in dem Voranſchlage für das zweite Jahr einige Minderforderungen eintreten zu laſſen, die es uns möglich machen, eine Vermehrung der Lehrkräfte herbeizuführen, ohne eine weitere Belaſtung des ſtädtiſchen Budgets zu beanſpruchen.
Eine Vermehrung des Lehrerperſonals war nemlich in zwiefacher Hinſicht geboten. Denn erſtens befindet ſich unter den gegenwärtigen Lehrern der Anſtalt kein evangeliſcher Theologe, ſo daß, da auch keiner der hieſigen Herren Geiſtlichen den evangeliſchen Religionsunterricht zu übernehmen geneigt war, für das abgelaufene Schuljahr die Aushilfe getroffen werden mußte, daß der Director ſich zur Ertheilung des betreffenden Unterrichts in den oberen Klaſſen verſtand und Herrn Ramge mit der Ertheilung deſſelben in den unteren Klaſſen betraute. Eine Fortdauer dieſes Zuſtandes liegt natürlich weder in dem Intereſſe des Religionsunterrichtes, noch in dem der Schule überhaupt, und ſo wurde auf Antrag der Direction bereits für das Jahr 1878, alſo noch vor der neuen Finanzperiode, für welche hoffentlich eine dauernde Abhilfe geſchaffen wird, die Anſtellung eines H ilfslehrers für den evangeliſchen Religionsunterricht höheren Ortes proviſoriſch genehmigt, und das neue Schuljahr wird wohl jenem fühlbaren Mangel die gewünſchte Abhilfe bringen.
Ein zweiter Uebelſtand lag darin, daß die ſeit Oſtern 1876 beſtehende und auch für die neuen Verhältniſſe proviſoriſch genehmigte Vorſchule noch keinen beſonderen Lehrer hatte, ſondern die Stunden an derſelben theils durch Combination, theils durch Mehrbelaſtung der vorhandenen Lehrkräfte gegen beſondere Remuneration verſehen werden mußten, theils allerdings auch dadurch, daß der Director 4 Stunden über das Maximum der von ihm geforderten wöchentlichen Stundenzahl hinaus ertheilte. Auch in dieſer Beziehung wird das neue Schuljahr Abhilfe ſchaffen, indem auf Antrag der Direction durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums vom 17. Januar 1878 die proviſoriſche Errichtung einer beſonderen Lehrerſtelle für die Vorſchule genehmigt wurde und eine defini⸗ tive Einfügung der Vorſchule in den Organismus der Realſchule für die Finanzperiode 1879/81 in Ausſicht geſtellt iſt. Mit dem Vicariat dieſer Stelle wurde durch Decret vom 23. März Herr Ludwig Grenz dahier mit Wirkung vom 1. Mai betraut. 3
Neben dieſer in Erwartung ſtehenden Vermehrung des Lehrerperſonals ſind für das abgelaufene Schuljahr bereits einige ſtattgehabte Veränderungen in demſelben zu verzeichnen. Mit dem Ende des Sommerſemeſters verließen die Herren Schöntag nnd Dr. Müller die Realſchule, erſterer, um eine Lehrerſtelle an einer Privat⸗ lehranſtalt in St. Goarshauſen zu übernehmen, letzterer, um ſeiner Militärdienſtpflicht zu genügen. An ihre Stelle traten die Herren Dr. Rücker und Landmeſſer, erſterer vorzugsweiſe für Chemie uud beſchreibende Naturwiſſenſchaften, letzterer vorzugsweiſe für Mathematik. Dieſelben wurden am 1. October in ihren Dienſt eingewieſen.
Von den vier zu Anfang des Schuljahres in ihren Dienſtſtellen beſtätigten Lehrern wurden am 11. Juli 1877 die Herren Laſerre, Sturmfels und Ramge definitiv an unſerer Schule angeſtellt. Herr Laſerre gibt über Leben und Bildungsgang folgende Nachrichten:...
Konrad Laſerre, geb. am 9. März 1849 zu Meiningen, beſuchte das Gymnaſium Bernhardinum in ſeiner Vaterſtadt, das er Oſtern 1869 mit dem Zeugniß der Reife verließ, um ſich dem Studium der Philologie zu widmen. Er bezog die Univerſität Jena, trat aber bei Ausbruch des deutſch⸗franzöſiſchen Krieges als Freiwilliger in das Erſatzbataillon des 94. Regiments, kam im November mit nach Frankreich und blieb daſelbſt auch nach dem Friedens⸗ ſchluß bis kurz vor Ablauf ſeines Dienſtjahres, ſo daß alſo ſein Studium für die Dauer eines Jahres unterbrochen war. Im Winter 1871/72 bezog er die Univerſität Leipzig, welche er zu Pfingſten 1874 nach beſtandener Prüfung verließ. Von da bis Herbſt 1874 wurde er während einer Erkrankung des Directors der Realſchule I. Ordnung zu Meiningen einige Monate als Hilfslehrer verwandt, worauf er von Herbſt 1874 bis Ende März 1877 als Lehrer der deutſchen und lateiniſchen Sprache und der Geſchichte an der ſtädtiſchen Realſchule zu Groß⸗Umſtadt wirkte. Nach Uebernahme dieſer Schule durch den Staat wurde er zunächſt proviſoriſch in ſeiner Stelle beſtätigt und ſodann durch Decret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 11. Juli definitiv an der Schule angeſtellt.


