Jahrgang 
1871
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Zunahme der Schwingungszahl und aus dieſer durch ziemlich einfache Rechnung die Geſchwindigkeit, mit welcher der Körper im Raume forſſchreitet.

Lockyer wandte die Verſchiebung der Spectrallinien an, um die Bewegungen der glühenden Gasmaſſen, welche die Sonnenoberfläche umhüllen, zu erforſchen. Da eine Verſchiebung der Linien blos dann ſich zeigen kann, wenn der leuchtende Körper dem Auge des Beobachters näher kommt oder ſich entfernt, nicht aber, wenn die Bewegung ſeitwärts gerichtet iſt, ſo können die Ge⸗ ſchwindigkeiten auf⸗ und abſteigender Gasſtröme nur dann ermittelt werden, wenn ſie im oder ſehr nahe am Mittelpunkte der uns zugekehrten Sonnenſcheibe vor ſich gehen, ſeitliche Bewegungen da⸗ gegen, wenn ſie am Nande ſtattfinden, weil ſie nur dann auf uns zu gerichtet, oder von uns abgekehrt erſcheinen. Die Bewegungen der erſteren Art haben, da die Gasmaſſen, um die es ſich handelt, aus Waſſerſtoff beſtehen, eine ſeitliche Ausbiegung der jenen characteriſtiſchen Fraunhofer'ſchen Linien zur Folge, welche ſehr oft beobachtet wird, und können am beſten bei F wahrgenommen werden. Ein Ausbiegen nach Roth hin rührt her von abſteigender Bewegung und zeigt ſich gewöhnlich im Spec⸗ trum der Flecken. Die auf die Beobachtung gegründete Rechnung ergab für dieſe Strömungen zu⸗ weilen Geſchwindigkeiten von 8 Meilen in der Secunde.

Für die Meſſung der Geſchwindigkeit am Rand beobachteter ſeitlicher Strömungen gab das eigenthümliche Verhalten derſelben Waſſerſtofflinien im Protuberanzſpectrum den nöthigen Anhalt. Es wurde hier die coincidirende Linie als Beobachtungsobject auserſehen, weil ſie die Er⸗ ſcheinungen beſonders deutlich zeigt. Man bemerkt oft ein Biegen derſelben nach der einen oder andern Seite, welches einem ſich nahenden oder entfernenden Gasſtrome entſpricht; faſt häufiger aber noch erſcheint die Linie getheilt und ihre Theile ſehr unregelmäßig nach beiden Seiten ausge⸗ bogen, was von zwei Strömen zugleich, die in entgegengeſetzter Richtung ſich bewegen, herrühren dürfte. Da dieſe Ströme mit der furchtbarſten Geſchwindigkeit ſich bewegen Lockyer beobachtete ſolche von 26 Meilen in der Secunde ſo müſſen ſie beim Zuſammentreffen die allerheftigſten Wirbelſtürme erzeugen.

Für in dieſer Richtung angeſtellte Unterſuchungen erwies ſich ſeither der Mangel geeigneter Apparate noch als ſehr ſtörend. Von der Verbeſſerung derſelben dürfte hier noch Manches zu erwarten ſein. Wie die Sache ſich eben verhält, iſt gerade dieſes Gebiet noch ſehr wenig bearbeitet.

Bezüglich der Sonne iſt nun nur noch die Corona, jener ſilberweiße Strahlenkranz, zu betrachten.

Da es bis jetzt nicht gelungen iſt, dieſelbe bei hellem Sonnenſchein zu beobachten, ſo können hier nur totale Sonnenfinſterniſſe Reſultate liefern. Die am 18. Auguſt 1868 gab kein beſtimmtes Reſultat, doch ſchien die Corona ein continuirliches, alſo von ſchwarzen Linien freies Spectrum zu liefern. Die am 7. Auguſt 1869 in Amerika beobachtete totale Sonnenfinſterniß beſtätigte dies; ſie zeigte ein continuirliches, noch von 3 hellen Linien durchbrochenes Spectrum. Merkwürdigerweiſe ſtimmen dieſe letzteren mit denen im Nordlichtſpectrum beobachteten überein. Die im December 1870 beobachtete Sonnenfinſterniß ſcheint zu gleichen Reſultaten geführt zu haben, wie die vom vorher⸗ gehenden Jahre. Eine beſtimmte Theorie über das Weſen der Corona läßt ſich bis jetzt noch nicht aufſtellen.

Die Sonne iſt indeß nicht der einzige Himmelskörper, welcher einer ſpectroſcopiſchen Unter⸗ ſuchung unterworſen wurde. Man hat die Spectralanalyſe ſo ziemlich auf alle Lichtquellen, welche