Jahrgang 
1871
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auf Grundlage des Experimentes ausgeführten Berechnung die Schwingungszahl 461 Billionen, beim äußerſten Violett dagegen 764 Billionen.“ Sobald nun ein leuchtender Körper mit einer Geſchwindigkeit ſich bewegt, welche mit der 42000 Meilen in der Secunde betragenden Fortpflanzungsgeſchwindigkeit des Lichtes verglichen, nicht verſchwindend klein iſt, ſo müſſen beim Annähern deſſelben mehr Lichtwellen in der Secunde das Auge treffen, als beim Stillſtande, beim Entfernen dagegen weniger. Es muß deßhalb im erſten Falle eine Vergrößerung, im zweiten dagegen eine Verkleinerung aller Schwing⸗ ungszahlen ſtattfinden. Da aber die Schwingungszahlen die Farben des Lichtes beſtimmen, ſo müſ⸗ ſen auch dieſe durch ſolche raſche Bewegungen der Lichtquellen beeinflußt werden. Eine Verringerung der Schwingungsgeſchwindigkeit, von einem ſich Entfernen der Lichtquelle herrührend, wird deßhalb alle Farben nach dem Rothen, eine Vergrößerung derſelben beim Nähern des leuchtenden Körpers dagegen nach dem violetten Ende zuſchieben.

Schon im Jahr 1841 glaubte Doppler hierdurch gewiſſe aſtronomiſche Räthſel, vor Allem den Farbenwechſel vieler Fixſterne zu erklären, indem er dieſelben einem durch Annähern oder Ent⸗ fernen der Sterne bedingten Verſchieben ihrer Spectren nach Roth oder Violett zuſchrieb. Allein die Fixſterne ſenden, wie die Sonne, Strahlen von allen möglichen Graden der Brechbarkeit aus, alſo auch ſolche, welche nur chemiſche Action oder Wärmewirkung zeigen, aber auch durch Vermeh⸗ rung ihrer Schwingungszahl oder durch Verminderung derſelben ſichtbar*) gemacht werden können. Wird nun durch ein Entfernen des Sternes ſein ganzes Spectrum nach Roth hin verſchoben, ſo verwandeln die äußerſten rothen ſich in unſichtbare allein Wärme liefernde Strahlen, die erſten ultra⸗ violetten dagegen in leuchtende violette Lichtſtrahlen. Eine Veränderung der Geſammtfarbe durch Verſchwinden eines Theils von Roth oder Violett kann demnach nicht eintreten, und der von Dopp⸗ ler gemachte Schluß iſt unrichtig.

Etwas Richtiges lag indeß doch in ſeiner Annahme; es war eben die durch Veränderung der Schwingungszahlen hervorgerufene Verrückung des Spectrums.— Mit dem Spectrum verſchieben ſich auch alle dunklen Linien, wenn ſolche darin vorkommen; dieſe Verſchiebung kann beobachtet werden und über Richtung und Geſchwindigkeit, mit welcher der leuchtende Körper ſich bewegt, Auskunft geben.

Auch die Fixſterne geben Spectren mit dunkeln, den Fraunhofer'ſchen ähnlichen Linien, wie bereits Fraunhofer ſelbſt nachgewieſen hat. Der glänzendſte derſelben, der Sirius, zeigt in ſeinem Spectrum die dem Waſſerſtoff characteriſtiſche Abſorptionslinie, welche im Sonnenſpectrum mit F bezeichnet wird, und dieſe Linie war es, welche zuerſt von Secchi auf eine etwaige Verſchiebung unterſucht wurde. Seine Unterſuchungen führten indeß, des hierzu nicht ausreichenden Inſtruments halber, zu keinem beſtimmten Reſultate. Später beobachtete Huggins mit ſeinem vorzüglichen Apparate jene Linie und fand ſie wirklich etwas nach Roth hin verſchoben, was darauf hin zu deuten ſcheint, daß gegenwärtig Erde und Sirius ſich von einander entfernen. Die Geſchwindigkeit, mit welcher eine ſolche Bewegung vor ſich geht, läßt ſich aus dem Grad der Verſchiebung beſtimmen; denn hieraus ergibt ſich die

* Strahlen, deren Schwingungszahl kleiner als 461 Billionen iſt, ſind nicht mehr ſichtbar, ſondern äußern nur Wärmewirkungen, ſolche, deren Schwingungszahl größer iſt als 764 Billionen, ſind ebenfalls unſichtbar und zeichnen ſich durch chemiſche Wirkung aus.

** Das Sichtbarwerden des ultravioletten Lichtes durch fluorescirende Stoffe hat ſeinen Grund in einer ſol⸗ chen Verminderung der mehr als 764 Billionen betragenden Schwingungszahlen.