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ſchwereren Gasmaſſen ſtattfinde. Es läßt ſich darum auch annehmen, daß Flecken und Protuberanzen geradezu entgegengeſetzte Erſcheinungen ſind, indem beim Fleck eine abwärts gerichtete Bewegung der kühler und damit ſchwerer gewordenen Maſſe ſtattfindet, während in der Protuberanz das heißere und ſpecifiſch leichtere Gas, vielleicht in Folge einer Eruption, in die Höhe ſteigt. Die ebenfalls helle Waſſerſtofflinien zeigenden Fackeln ſind vielleicht mit den Protuberanzen identiſch.
Daß die heftigſten Bewegungen auf der Sonnenoberfläche vor ſich gehen, dafür ſpricht die enorm hohe Temperatur, welche dort herrſchen muß. Die Betrachtung der Protuberanzen läßt jene Bewegungen gradezu ſehen.
Kurze Zeit ſpäter, als Lockyer und Janſſen ihre Methode erfunden hatten, die Protuberanzen⸗ ſpectren bei hellem Sonnenſchein zu beobachten, gelang es dem Engländer Huggins und dem Pro⸗ feſſor Zöllner in Leipzig, Mittel zu erſinnen, die Protuberanzen in ihrer wahren Geſtalt ſichtbar zu machen. Huggins öffnete zu dieſem Zweck den Spalt ſeines Spectroſcops ſo weit, daß von der gan⸗ zen Protuberanz ausgeſtrahltes Licht durch die Prismen dringend ſo viel vollſtändige Bilder jenes Ge⸗ bildes erzeugen konnte, als es Farben beſitzt, und brachte dann eines dieſer durch Abſorption des Sonnenlichtes vermittelſt farbiger Gläſer zum Hervortreten.
Zöllner ließ die farbigen Gläſer weg und zerſtreute nun das Sonnenlicht durch Anwendung vieler Prismen ſehr ſtark. Sein Verfahren erwies ſich, weil es lichtſtärkere Bilder liefert, als das geeignetere und wurde auch in der Folge für derartige Beobachtungen allgemein adoptirt. Die auf dieſe Weiſe beobachteten Protuberanzen ſind Gebilde, welche die merkwürdigſten Formen zeigen; man ſieht ihnen deutlich an, daß man es hier mit ungeheuren Flammen, mit großartigen Eruptionen glühender Gasmaſſen zu thun hat. Die Geſchwindigkeit, mit welcher ſie entſtehen und ihre Form ändern, iſt ganz enorm; ſo beobachtete Lockyer eine ſolche, welche bei einer Höhe von mehr als 6000 Meilen binnen zehn Minuten vollſtändig verſchwand.
Dieſe ungeheuere Geſchwindigkeit, mit welcher die Gaſe auf der Sonnenoberfläche ſich bewegen, zeigt, welche gewaltigen Stürme dort toben müſſen. Daß ſehr heftige Vorgänge in der Atmoſphäre ſtattfinden, beweiſt auch das eigenthümliche Verhalten der Waſſerſtofflinie H, welche oft knotig an⸗ geſchwollen und eigenthümlich verdreht geſehen wird. Die Erſcheinung bedarf noch der ſicheren Er⸗ klärung, allein ſie ſpricht doch ſehr dafür, daß heftige Störungen ſich geltend machen. Das knotige Anſchwellen weiſt auf einen ſtärkeren Druck hin, welchem der grade jenen angeſchwollenen Theil der Linie liefernde Waſſerſtoff etwa durch irgend eine Bewegung der Gasmaſſen ausgeſetzt iſt.
Während die beſchriebenen Erſcheinungen das Vorhandenſein heftiger Bewegungen auf der Sonnenoberfläche nachgewieſen haben, iſt zugleich durch eine neue, allerdings gerade ihrer Neuheit halber bis jetzt noch ſehr wenig ausgebeutete Entdeckung ein Mittel geliefert worden, die Geſchwin⸗ digkeit dieſer Bewegungen zu meſſen. Es iſt dies die Entdeckung, daß eine ſehr raſche Bewegung der Lichtquelle bemerkbare Verſchiebungen der Linien eines Spectrums hervorrufen kann.
Das, was wir als Lichteindruck empfinden, iſt nach der zuerſt von Huyghens aufgeſtellten, eben allgemein adoptirten Theorie die Folge ungeheuer raſch aufeinander folgender Schwingungen eines gewichtsloſen Stoffes von unendlicher Feinheit, welcher den ganzen Weltraum erfüllt. Von der Anzahl der Schwingungen, welche in der Secunde gemacht werden, iſt der Grad der Brechbarkeit und ſomit auch die Farbe des Lichtes abhängig. Beim äußerſten Roth beträgt nach der von Fresnel


