III. Zur Chronit der Anſtcalt.
Die Realſchule zu Groß⸗Umſtadt verdankt ihr Entſtehen einem ſchon lange gefühlten Be⸗ dürfniß, demſelben, welches auch an anderen Orten derartige Anſtalten hat aufblühen oder neu entſtehen laſſen.— Die Realſchulen können als Kinder unſerer Zeit betrachtet werden, wenn auch die erſten derartigen Anſtalten ſchon ältern Datums ſind. Der Landwirth hat einſehen gelernt, daß in ſeinem Gewerbe, wenn es ſo betrieben werden ſoll, wie das eben nothwendig iſt, gründliche Kenntniſſe der mannichfaltigſten Art ſehr zu verwerthen ſind. Der⸗ Induſtrielle iſt zur Ueberzeugung gekommen, daß nur eine tüchtige Bildung es möglich macht, die immer mehr ſteigende und immer gefährlicher werdende Concurrenz auszuhalten, daß aber auch dem ſtrebſamen und unterrichteten Manne die verſchiedenſten Wege ſich öffnen zu dem Ziele, ſich einen blühenden Wohlſtand zu begründen.— Es iſt überhaupt die Anſicht immer mehr zum Durchbruch gekommen, daß ein gründlicher Unterricht der heranwachſenden Jugend mit allen Kräften zu erſtreben ſei.
Die Stadt Groß⸗Umſtadt und ihre Umgegend ſind ſehr wohlhabend. Es fehlt den El⸗ tern durchaus nicht an den Mitteln, welche aufgewandt werden müſſen, um den Kindern eine tüchtige Ausbildung zu verſchaffen, aber es fehlte die Anſtalt, welche dieſe Ausbildung“ zu geben im Stande war. Dies war ein Mangel, der tief empfunden werden mußte.
Seit längerer Zeit widmen viele junge Leute aus hieſiger Gegend ſich dem Lehrerſtande; auch für dieſe mußte es von hohem Werth ſein, wenn ſie mit tüchtigen Vorkenntniſſen ausge⸗ rüſtet, das Seminar beziehen konnten. Wer zur Poſt gehen, irgend einem techniſchen Fache ſich widmen, oder ſtudiren wollte, war ganz in derſelben Lage.
Die Volksſchulen konnten das nicht leiſten, was verlangt wurde.— Man half ſich deshalb, um dem dringenden Bedürfniß wenigſtens einigermaßen Rechnung zu tragen, mit
Privatunterricht. 4


