verband ſich ein tiefes menſchliches Verſtehen aller Sorgen und Nöte des Einzelnen. Er war ein bis zur Selbſtloſigkeit entgegenkommender Menſch. Daher war es auch für ſeine Mitarbeiter eine Freude, mit ihm zuſammen tätig zu ſein. Jedem war er ein wohlwollender Vorgeſetzter und wußte dabei ſich gerade durch ſeine untadelhafte Perſönlichkeit Achtung und Geltung zu verſchaffen und ſich durchzuſetzen. Seinen Schülern und Schülerinnen vermittelte Herr Dr. Lettermann ein reiches Wiſſen und eine tiefgründige Bildung. Er verabſcheute alle Zwangsmaßnahmen, und trotzdem wußte er ſich unbedingten Gehorſam zu verſchaffen. Er verſtand es, den dargebotenen Stoff intereſſant zu geſtalten und ſeine Schü⸗ ler zu eifriger Mitarbeit anzuregen. Allen war er ein gerechter Lehrer, ja, mehr noch ein gütiger, ver⸗ ſtändnisvoller und verzeihender väterlicher Freund.
Daß Herr Direktor Dr. Lettermann die ihm ans Herz gewachſene Schule, mit der ihn eine ſegensreiche drei— unddreißigjährige Tätigkeit verband, verlaſſen mußte, war nicht allein für ihn ſehr ſchmerzlich, es war auch ein ſchwerer Verluſt für die Realſchule, die den Weggang dieſes edlen Menſchen, dieſes vortrefflichen Lehrers und tüchtigen Direktors ſehr bedauert und ihn gerne noch recht lange an ihr hätte wirken ſehen. Möge ihm baldige Geneſung beſchieden ſein, und möge er verſichert ſein, daß ſein unaufhörliches Wirken und ſein unermüdliches Schaffen zum Wohle der Schule unvergeſſen bleibt!
Infolge Erkrankung mußten Herr Oberreallehrer Winter vom 10. Juli bis zum 17. Juli, vom 18. Auauſt bis zum 20. Auguſt und vom 24. September bis zum 27. September 1930, Herr Studienrat Gerhard vom 14. Oktober bis zum 16. Oktober 1930 und Herr Studienrat Dr. Düringer vom 16. Okt. bis zum 25. Okt. 1930 dem Unterricht fernbleiben.
Herr Oberreallehrer Schaffnit war beurlaubt vom 3. November bis zum 8. November 1930, um an der kunſtpädagogiſchen Lehrerwoche in Darmſtadt teilzunehmen.
Frl. Anna Haas, die Handarbeitslehrerin unſerer Schule, die infolge einer ſchweren Krankheit während des ganzen Schuljahrs beurlaubt war, erlag am 28. November 1930 ihrem langen, qualvollen Leiden. Seit Herbſt 1923 war die Verſtorbene an unſerer Anſtalt tätig, und wir lernten in ihr eine beſcheidene, allzeit gefällige und pflichteifrige Lehrerin kennen, die voll Eifer und mit Hingebung ihren Unterricht verſah. Lehrerkollegium und Schülerinnen bedauerten ſehr den Heimgang von Frl. Haas, an deren Grab der Unterzeichnete namens der Schule und Martha Schmitt(IIb) im Namen der Schülerinnen einen Kranz niederlegten.
Die Vertretung von Frl. Haas während ihrer Krankheit war der techniſchen Hilfslehrerin Frl. Hildegard Kuhlmann aus Gießen anvertraut, die auch nach dem Ableben von Frl. Haas bis zum Ende des Schul— jahres den Handarbeitsunterricht erteilte.
Der Unterzeichnete nahm am 29. November 1930 in Darmſtadt als Vertreter des Direktors der Real⸗ ſchule an einer Tagung der Arbeitsgemeinſchaft der Direktoren der höheren Schulen Heſſens teil.
Herr Studienrat Vogel war krank vom 7. Januar bis zum 17. Januar 1931 und Herr Studienrat Reitz vom 28. Januar bis zum 9. Februar 1931; beide konnten daher ihren Unterricht nicht verſehen. Nach⸗ dem Herr Studienrat Reitz ſeinen Dienſt wieder angetreten hatte, wurde ihm der erbetene Urlaub bis zum 21. Februar 1931 bewilligt. Auf ein ärztliches Atteſt hin ſah er ſich genötigt, die von ihm erteilten Turnſtunden ausfallen zu laſſen.
Am 5. März 1931 nahmen Mitglieder des Lehrerkollegiums an einer ſtaatsbürgerlichen Bildungstagung teil, die von der Reichszentrale für Heimatdienſt fürden Kreis Groß⸗Gerau veranſtaltet wurde.
2. Prüfungen, Beſichtigungen. Am 24. Mai 1930 und am 12. September 1930 beehrte Herr Miniſte⸗ rialrat Glückert die Schule mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei. In Anweſenheit des Herrn Miniſterialrat Glückert unterzog ſich am 13. September 1930 an unſerer An⸗ ſtalt Herr Studienreferendar Flohr der praktiſchen Staatsprüfung für das höhere Lehramt.
Am 26. November 1930 fand im Auftrage des Finanzminiſteriums durch einen Beamten der ſtaatlichen Brennſtoff⸗Beſchaffungsſtelle eine Prüfung des gelieferten Brennſtoffs ſtatt.
Am 10. Februar 1931 wurde die Anmeldung der Sextaner für das Schujahr 1931/32 vorgenommen.
3. Schulfeſtlichkeiten und Ausflüge. Das Schuljahr wurde mit einer kurzen Schulfeier begonnen.
Am 24. Juni 1930 fand der Tagesausflug bei gutem Wetter ſtatt. Ziele: IIb(2 Tage) Achern, Hornis⸗ grinde, Mummelſee, Raumünzach.— IIla(2 Tage) Aſchaffenburg, Schloß Meſpelbrunn, Rohrbrunn, Wertheim a. M.— IIIb Kreuznach, Münſter a. St.— IV Saalburg, Bad Homburg.— V und VI Fran⸗ kenſtein, Seeheim, Jugenheim.
Die Monatsausflüge wurden bei günſtiger Witterung unternommen.
Der Jugendtag wurde am 1. Juli 1930 mit der Befreiungsfeier des Heimatgebietes verbunden. Gemein⸗ ſam mit der Volksſchule zogen wir bei herrlichem Wetter durch die Stadt hinaus in den Wald. Nach einer zündenden Anſprache des Herrn Bürgermeiſter Dr. Lüdecke wechſelten Geſänge, Theaterſpiel, Reigen und turneriſche Uebungen einander ab. Schüler der Ib unſerer Schule führten den Schwank„Kälberbrü—
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