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III. Zur Geſchichte der Rnſtalt.
Schuljahr 1926/27. Beginn: Montag, 4. 4. 26. Schluß: Samstag, 2. 4. 27.
1. Perſonalnachrichten. Herr Kaufmann Ludwig Raiß erteilte den Kurzſchriftunterricht in IIIb, IIla und IIb bis zum 25. 10. 26. Vom 1. 12. 26 an bis zum Schluſſe des Schuljahres übernahm in IIb Herr Fortbildungslehrer Ahl, in IIla und IIIb Frau Lehrer Ahl die Stunden.
Die Mädchenturnſtunden wurden wieder eingeführt unter Leitung von Schulamts⸗ anwärterin Frl. Marie Gerlach.
Der Unterzeichnete war in den Pfingſt- und Sommerferien beurlaubt. Herr Studienrat Vogel konnte vom 11. 10. bis 17. 10. 26 an der Reichsſchulmuſikwoche in Darmſtadt teilnehmen.
Am 10. 7. 26 ſtarb nach langem Leiden Lehrerin i. R. Frl. Anna Stumpf, die 35 Jahre an unſerer Anſtalt gewirkt hatte. Der Unterzeichnete legte namens des Lehrerkollegiums mit Worten der Anerkennung und des Dankes für die Entſchlafene einen Kranz am Grabe nieder.
Am 9. 7. 26 lehnte der Gemeinderat den Voranſchlag der Realſchule für 1927 des hohen Zuſchuſſes wegen einſtimmig ohne jede vorherige Prüfung ab. Noch am 13. 1. 27 wurde die Uebernahme der Bürgſchaft zum Bezuge der für den Winter 1927/28 nötigen Koksmenge im einheitlichen Kohlenbezug verweigert.
Auch heute, 10. 3. 27, iſt die Schule noch ohne Voranſchlag für das kommende Schuljahr.
Am 18. 2. 27 wurde die Autoverbindung Groß⸗Gerau— Büttelborn in Betrieb genommen. Herr St.⸗Rat Gerhard konnte die Schule auf Einladung der Bürgermeiſterei bei der Probefahrt vertreten. Da der Fahrplan auf unſeren Stundenplan Rückſicht nimmt, iſt dieſe neue Ein— richtung für unſere Schüler und die Realſchule von größter Bedeutung. Hoffentlich folgen ähnliche Verbindungen bald mit anderen Nachbarorten.
2. Kriegseinwirkungen. Wie im vorigen Jahre mußte der Turnſaal wieder fünfmal zu Einquartierungszwecken geräumt werden. Am 11. 12. 26 fiel das Einrücken der franzöſiſchen Truppen mit dem Feſtakte zur Feier des 100 jährigen Beſtehens der Bezirksſparkaſſe Groß⸗ Gerau zuſammen, der in unſerem Singſaale ſtattfand. Das Feldlager im Schulhofe war für die Feſtteilnehmer aus dem unbeſetzten Gebiet ein eindrucksvolles Schauſpiel.
Die Einquartierung am 18. 2. 27 erſchien ſo plötzlich, daß die Räumung des Turnſaales unter Mithilfe der Schüler geſchehen mußte. Der Schulhof diente zur Aufnahme einer großen Anzahl von Feldküchen und deren Vorratswagen.
Abgeſehen vom Turnunterricht wurde der Schulbetrieb dadurch nicht weiter geſtört, da die Truppen nach Schluß des Vormittagsunterrichtes einrückten und bei Beginn des Unter— richtes am folgenden Tage wieder verſchwunden waren. Zu beklagen iſt freilich die Durch— furchung des Schulhofes mit Wagengleiſen und ſeine Verſchmutzung mit Pferdejauche.
3. Schulfeſtlichkeiten, Kusflüge. Das Schuljahr wurde mit einer kurzen Schulfeier begonnen.
Am 17. 6. 26 machten wir zur Feier des Jugendfeſtes als Tagesausflug eine Rheinfahrt zum Loreleyfelſen, die bei beſtem Wetter und trotz aller Unfallsmöglichkeiten einen ſehr be— friedigenden Verlauf nahm.
Am 21. 8. 26 ſprach bei der Verfaſſungsfeier der U. über Freiheit und Verfaſſung.
Am 30. 10. 26 fand für die ev. Schüler der ſämtlichen Schulen Groß-Geraus eine Reformationsfeier in der Kirche ſtatt.
Am Totengedenktage hielt Herr St.⸗Rat Schüler die Feſtrede. Ein Gang zum Fried⸗ hofe ſchloß ſich an, wobei die Gräber der verſtorbenen früheren Lehrer geſchmückt wurden.


