III. Zur Geſchichte der Rinſtalt.
Schuljahr 1924 /25. Beginn: Montag, 28. 4. 24. Schluß: Samstag, 28. 3. 25.
1) Perſonalangelegenheiten. Nach der Ausweiſung der Herren Colin und Reitz im Auguſt 1923 konnten wir nur für letzteren Erſatz erhalten durch Herrn Schulverwalter Karl Diehl. Eine Lehrkraft konnte erſpart werden durch Zuſammenlegung der beiden Obertertien. Im neuen Schuljahre 1924 ergab ſich zwar nur eine Sexta, aber die Ober⸗ tertien mußten getrennt geführt werden, daher wurde uns als Erſatz für Herrn St.⸗Rat Colin durch Verf. vom 11. 4. 24 Herr St.⸗Aſſ. Werner Schrader zugewieſen.
Als im Herbſte 1924 die Rückkehr der Ausgewieſenen möglich wurde, konnte Herr St.⸗Rat Colin eine Anſtellung in Darmſtadt(RG) erhalten. Herr St.⸗Rat W. Reitz kehrte dagegen zu unſerer Freude am 13. 10. 24 wieder in unſere Anſtalt zurück. Herr Schulverwalter Diehl wurde an die Volksſchule in Gernsheim verſetzt.
Ende Auguſt erkrankte Herr Amtsobergehilfe Miſchlich und mußte vom 1. 9. 30. 9. 24 von ſeiner Tochter Frl. Suſanna Miſchlich vertreten werden. Sein Herzleiden geſtattete ihm auch weiterhin nicht mehr die Bedienung der Heizung. Herr Joh. Chriſtoph Diehl wurde vom 15. 10. 24 an als Heizer eingeſtellt.
Am 31. 12. 24 wurde Herr P. Gerhard zum Studienrat ernannt.
Herr Studienrat Dr. Mannheimer erhielt Urlaub vom 8. 9. bis 19. 10. 24 (einſchl. 14 Tagen Herbſtferien) zu einer Studienreiſe nach England.
Den am 16.—18. 10. 24 in Darmſtadt abgehaltenen Fortbildungskurs beſuchten abwechſelnd die Herren Studienrat Vogel und Aſſeſſor Dr. Pfeiffer.
2. Kriegseinwirkungen. Am 24. 4. 24 war der Unterzeichnete auf die Admini— ſtration beſtellt, wo er über die auf 3 Wochen verlängerte Dauer der Oſterferien vernommen wurde. Am 22. 5. 24 wurden die Amtsvorſtände dem neuen Herrn Oberdelegierten in Mainz, General Denvigne vorgeſtellt.
Zehnmal wurde der Turnſaal der Anſtalt von der Gemeinde zu Einquartierungs⸗ zwecken beſchlagnahmt. Am 8. und 9. 5., am 26. 6., am 18. 8., am 11. und 30. 9., am 18. und 20. 10.,, am 12. 12. 24., und am 2. 3. 25.
Da wir die gemeinſame Benutzung des Schulhofes und der Aborte ſeitens der Schüler und des Militärs vermeiden wollten, ſchloſſen wir zweimal, als die Truppen ſchon vormittags einrückten, vorzeitig den Unterricht.
Bis zum nächſten Unterrichtsbeginn waren die Soldaten regelmäßig wieder abgezogen.
Vom Ausräumen der Turngeräte bis zur völligen Wiederbenutzbarkeit vergingen immerhin jedesmal 5—6 Tage, ſodaß der Turnunterricht im Sommerhalbjahr wenigſtens in 8 Wochen nicht in normaler Weiſe abgehalten werden konnte. Mädchenturnunterricht haben wir daher gar nicht eingerichtet.
Die Rückkehr der deutſchen Verwaltung der Bahnen veranlaßte vom 20. 10. an die Verlegung des Unterrichtsbeginnes auf 7 ˙% und vom 1. 12. an auf 8²⁰0 Uhr.
3. Prüfungen, Beſichtigungen. Zum erſten Male ſeit 20. 11. 22 konnte Herr Miniſterialrat Dr. Dorfeld am 10. 11. 24 wieder der Anſtalt die Ehre ſeines Beſuches zu Teil werden laſſen. Er wohnte vor- und nachmittags in mehreren Klaſſen dem Unterrichte bei.
4. Schulfeſtlichkeiten, Ausflüge. Eine kurze Schulfeier, die des 10jährigen Be⸗ ſtehens der Anſtalt als ſtaatl. Realſchule und der 20 Jahre ſeit Einweihung des Neubaues gedachte, leitete am 29. 4. den Beginn des Schuljahres ein.
Die Verfaſſungsfeier fiel in die Ferien und wurde am 18. 8. nachgeholt. Die Rede hielt Herr St.⸗R. Dr. Mannheimer.


