fange des vorigen Jahrhunderts waren zwei öffentliche Schulen vorhanden. In der einen wurden die Knaben von einem Geiſtlichen“), welcher das Amt eines Mitpredigers bekleidete, in der anderen die Mädchen von einem Lehrer, der ſeine pädagogiſchen Kenntniſſe durch Privatunterricht ſich an⸗ geeignet hatte, unterrichtet.
Obgleich zu dieſer Zeit die Zahl der Beamten und„notablen Bürger“ bedeutend hinter der Zahl der aus Landwirten, Gewerbsleuten und Tag— löhnern beſtehenden Bevölkerung zurücktrat, ſo machte ſich doch das Be— dürfnis nach einem höheren Unterricht, als ihn damals die Volksſchule bieten konnte, fühlbar. Diejenigen Einwohner, welche ihren Kindern alſo „eine allgemeinere und tiefergehende Menſchen- und Berufsbildung, als ſolche gewöhnlich in der Volksſchule erreicht werden kann,“ geben laſſen wollten, hatten damals keine Gelegenheit,„insbeſondere Knaben zu dem Eintritt einerſeits in Gewerbs- und Handelsgeſchäfte, andererſeits in die oberen Klaſſen der Realſchulen und in die mittleren der Gymnaſien durch erziehlichen Unterricht möglichſt vorbereiten zu laſſen“. Sie waren daher auf Privatunterricht angewieſen, welchen hauptſächlich die beiden ſtädtiſchen Lehrer in ihrer freien Zeit erteilten. Zeitweiſe übernahm auch er Diaconus, welcher als Pfarrer in Büttelborn wirkte, aber ſeinen Wohnſitz in Groß⸗Gerau hatte, einzelne Unterrichtsſtunden. Außer ihnen unterwieſen auch noch zwei hieſige Bürger(Klink und Actuar Lochmann) Knaben in einzelnen Unterrichtsgegenſtänden.
Dieſe Art des Unterrichts konnte dem ſich immer mehr ſteigernden Bedürfnis nicht mehr genügen. Infolgedeſſen gründete gegen das Ende der zwanziger Jahre Lehrer Ganzert der Altere eine von 20—30 Knaben beſuchte Privatabendſchule, welche deſſen Sohn, Ganzert der Jüngere, bis zum Winter 1829/30 fortführte, während Klink einer ungefähr ebenſo großen Anzahl von Schülern gemeinſchaftlichen Unterricht in den mathematiſchen Unterrichtsfächern erteilte.
Nachdem dieſe Schulgründung ſich für die Dauer nicht als lebens— fähig erwieſen hatte, traten zu Oſtern 1832 verſchiedene bieſige Familien“*) zur Begründung und Unterhaltung einer Priv atſchule zuſammen, welche von zwölf Kindern(ſechs Knaben und ſechs Mädchen) beſucht war. Als Lehrer derſelben war ein Zögling des Friedberger Schullehrerſeminars
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*) Dieſe Stelle bekleideten bis zum Jahre 1832 der Reihe nach: Vulpius Haberkorn, Vogel, Foerſter, Textor und Kraus.
**) Die Begründer dieſer Anſtalt waren: 1) Phyſikatsarzt Dr. Rheininger; 2) Landgerichtsaſſeſſor Eigenbrodt; 3) Waſſerbauinſpektor Amelung; 4),Steuerperäquator“ Heumann, 5) Tierarzt Schaffner; 6) Steuererheber Greifenſtein; 7) Bürgermeiſter Pfeifer; 8) Gemeinderat und Schulvorſtand Gerſchlauer; 9) Gemeinderat und Handelsmann Chelius; 10) Gaſthalter Fr. W. Rheinheimer.
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