Jahrgang 
1880
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Der proviſoriſche Reallehrer Karl Friedrich Scholl wurde zu Oſtern 1879 an das Gymnaſium zu Worms verſetzt. An ſeine Stelle trat Dr. Johann Peter Muth aus Brensbach im Odenwald, der ſchon im Herbſte des vorhergehenden Jahres zum Lehrer an der Anſtalt ernannt, aber durch Er⸗ krankung daran verhindert worden war, ſeine Stelle anzutreten. In die drei neu errichteten Stellen traten ein:.

1. der 1. Lehrer an der ſtädtiſchen Knabenſchule zu Gießen Adolf Mitzenius;

2. der Pfarrvicar Franz Schwabe zu Butzbach;

3. der Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Wimpfen Emanuel Schmuck.

Kollege Mitzenius trat als definitiv ernannter Lehrer ſeine Stelle an. Bei Dr. Muth erfolgte die definitive Anſtellung durch allerhöchſtes Dekret vom 31. Januar 1880. Beide Kollegen haben über ihren Bildungsgang und ihre ſeitherige Wirkſamkeit die nachſtehenden Mittheilungen gemacht:

Adolf Mitzenius, geb. den 23. November 1831, Sohn des Hofbibliothekdirectors Mitzenius zu Darmſtadt, beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt und bezog 1849 die Univerſität Gießen, wo⸗ ſelbſt er Theologie ſtudirte. Nach Abſolvirung der Staatsprüfung im Februar 1855 wirkte er an ver⸗ ſchiedenen Inſtituten des In⸗ und Auslandes, in der franzöſiſchen Schweiz und am Rhein, bis er 1862 als Vikar und Aſſiſtent bei Oberkonſiſtorialrath Dr. Rink in Darmſtadt verwendet wurde. Darauf kam er an die höhere Töchterſchule zu Darmſtadt. Im Jahre 1873 wurde er an die Stadtknabenſchule zu Gießen verſetzt, von wo er Oſtern 1879 an die Realſchule überging.

Dr. Johann Peter Muth wurde am 24. Juli 1843 zu Brensbach im Odenwald geboren. Er beſuchte von 1860 1862 das Lehrerſeminar zu Friedberg und wirkte hierauf 2 Jahre an dem Thudichum'ſchen Knabeninſtitute zu Rödelheim. Nachdem er dann den Sommer 1864 hindurch die L Mädchenlehrerſtelle zu Lauterbach verwaltet hatte, unterrichtete er während weiterer 2 Jahre an der Kirchhoffer'ſchen Erziehungs⸗ und Unterrichtsanſtalt in Frankfurt a. M. Im Herbſt 1865 beſtand er die Definitorialprüfung zu Darmſtadt. Von 186670 war er Hauslehrer in Palermo. Bei dieſer Gelegenheit hörte er Vorleſungen an der dortigen Univerſikät und machte mit ſeinen Zöglingen größere Reiſen; unter anderem war er über ½ Jahre in Frankreich und der franzöſiſchen Schweiz. Von Herbſt 1870 bis Oſtern 1871 privatiſirte er in Frankfurt und übernahm dann eine Stelle als Lehrer für neuere Sprachen an der Großherzoglichen Realſchule zu Offenbach. Dieſes Amt legte er jedoch ſchon nach zehn Monaten nieder, um ſich dem akademiſchen Studium auf der Landesuniverſität zu widmen. Er beſtand das Maturitätsexamen am Gymnaſium zu Darmſtadt im Herbſt 1873 und promovirte den 11. Auguſt 1874 in Gießen. Nachdem er hierauf abermals Hauslehrer in den Familien der Herren Dr. W. v. Erlanger und Guſt. Metzler in Frankfurt a. M. geweſen war, begab er ſich um Oſtern 1877 zum zweiten Male auf die Univerſität Gießen und erlangte daſelbſt am 2. Auguſt 1878 fac. doc. in modernen Sprachen, Deutſch und Geſchichte. Seit Oſtern 1879 proviſoriſch an der Gießener Realſchule verwendet, wurde er am 31. Januar 1880 durch allerhöchſtes Decret zum definitiven Lehrer an derſelben ernannt.

Im Herbſt ging Kollege Dr. Scheuermann für ein Jahr von der Schule weg, um ſeiner Militärpflicht Genüge zu leiſten. An ſeine Stelle kam der Gymnaſial⸗ und Reallehramtsacceſſiſt Karl Nagel aus Oſſenheim. Zur ſelben Zeit trat der Gymnaſial⸗ und Reallehramtsacceſſiſt Chriſtoph Vogel aus Kleeſtadt ein, um an der Anſtalt ſeinen Acceß zu beſtehen. Er wurde mit der Verwaltung einer vollen Lehrſtelle betraut.

Mit Beginn des Schuljahres wurden für die katholiſchen und israelitiſchen Schüler der Anſtalt be⸗ ſondere Religionsſtunden eingerichtet. Die Herren Stadtpfarrer Rady und Religionslehrer Mayer haben die Ertheilung dieſes Religionsunterrichts übernommen.