Jahrgang 
1879
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willigkeit bewilligt, und ſchon am Mittage des nämlichen Tages waren die genannten Herrn im Stande, durch den Telegraphen die Nachricht nach Gießen gelangen zu laſſen, daß Großh. Miniſterium die pro⸗ viſoriſche Errichtung einer Unter⸗Prima genehmige.

Durch Miniſterialverfügung vom 9. April wurde der Direktor der Anſtalt beauftragt, mit der Ein⸗ richtung des Proviſoriums, aus dem übrigens, bevor die Zuſtimmung der beiden Kammern erfolgt ſei, der Staatskaſſe keine Mehrausgabe erwachſen dürfe, ſofort vorzugehen. Durch Miniſterialverfügung vom 10. April ging demſelben die Auflage zu, den Voranſchlag der reorganiſirten Anſtalt zum Zweck der Aufnahme deſſelben in das Staatsbudget für die Finanzperiode 1879/81 auszuarbeiten und einzuſenden. Am 7. Mai, dem Beginn des neuen Schuljahres, wurde die Unterprima mit zunächſt 16 Schülern eröffnet und außerdem eine Reihe von Einrichtungen getroffen, welche nöthig waren, die Reorganiſation ſo raſch als möglich durchzuführen. Dahin gehörte namentlich die Umwandlung des ſeither fakultativen Lateinunterrichts in einen obligatoriſchen. Die entſtehenden Mehrkoſten konnten durch das aus der ſtark beſuchten Unterprima eingehende Schulgeld nicht nur vollſtändig gedeckt werden, ſondern es blieb ſogar noch ein beträchtlicher Ueberſchuß. Hiervon wurde der größte Theil dazu benutzt, um die durch theilweiſe Theilung der ſtark überfüllten 2. Vorſchulklaſſe vom Herbſt 1878 an entſtehenden Ueberſtunden zu hono⸗ riren. Ein klein erer Theil wird hilfsbedürftigen Schülern zu gut kommen.

Die durch Einführung der neuen Organiſation entſtandenen Mehrſtunden wurden z. Th. von Lehrern der Anſtalt, z. Th. von beſonders dafür gewonnenen Hilfslehrern übernommen.

Bei den Landſtänden ſtieß der von der Regierung geſtellte Antrag, die Realſchule in eine ſolche 1. Ordnung umzuwandeln, auf keine Schwierigkeiten. Die dafür geforderte Summe wurde genehmigt. Es wird deshalb die vollſtändige Durchführung des Reorganiſationsplanes, nachdem die noch nothwendig gewordenen weiteren Lehrer berufen ſind, mit Beginn des neuen Schuljahres, alſo nach Oſtern, in An⸗ griff genommen werden.

Die ſeither ſtädtiſche Vorſchule wird, ebenfalls nach Oſtern, mit der Realſchule zu einer zuſam⸗ mengehörenden ſtaatlichen Anſtalt definitiv verbunden werden.

In dem Lehrcollegium haben während des Schuljahres nicht unbedeutende Veränderungen ſtatt⸗ gefunden.

Mit Beginn des Winterhalbjahres trat Reallehrer Dr. Emil Glaſer, welcher ſeit 1864 der Schule angehört hatte, in den Ruheſtand. Zur ſelben Zeit ging Reallehrer Otto Schädel von der Anſtalt ab, um behufs weiterer Ausbildung eine Stelle in New⸗York anzunehmen. An Stelle von Dr. Glaſer trat Heinrich Blaſe aus Bedburg in der preußiſchen Rheinprovinz, zuletzt Mitglied des in Gießen beſtehenden pädagogiſchen Seminars. Zum Nachfolger von Schädel wurde der cand. phil. Dr. Peter Muth aus Brensbach i/O. ernannt. Da er wegen Erkrankung ſein Amt nicht antreten konnte, ſo trat an ſeine Stelle der cand. phil. Karl Friedrich Scholl aus Rüdesheim.

Während des Sommerhalbjahres ertheilte Dr. Muth als Hilfslehrer einige Lateinſtunden an der Realſchule. Für das Winterhalbjahr wurden dieſelben dem cand. phil. Heinrich Veith aus Kirch⸗ brombach übertragen.

Zu Pfingſten 1878 ſah der Turnlehrer Chriſtoph Rübſamen ſich genöthigt, aus Geſuud⸗ heitsrückſichten ſein Amt niederzulegen. An ſeiner Stelle wurde der Maler Ludwig Möſer aus Gießen mit der Ertheilung des Turnunterrichtes proviſoriſch beauftragt.

Während des Sommers 1878 wurden mit allen Klaſſen einige größere und kleinere Ausflüge unter⸗ nommen.