Jahrgang 
1939
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6. Conſtige Veranſtaltungen.-Landheimaufenthalt

Auch in dieſem Schuljahre ſuchten wir durch Belehrungen und Anregungen außerhalb des planmäßigen Un⸗ terrichts die Arbeit der Schule zu unterſtützen, lebendig zu geſtalten und zu vertiefen. Wiederholt führte Ober⸗ reallehrer Hebermehl die Oberklaſſen in die Ausſtellungen des oberheſſiſchen Kunſtvereins. Verſchiedene Klaſſen beſuchten den Botaniſchen Garten ſowie die Sammlungen des Muſeums für Völkerkunde am Brand und einige induſtrielle Unternehmungen. Der franzöſiſche Austauſchlehrer Cheval veranſtaltete freiwillige Ubungen in Wort⸗ ſchatz und Ausſprache, ſowie Vorträge über franzöſiſche Literatur. Verſchiedentlich waren die Schüler auch zu Vortragsabenden der Univerſität eingeladen. Folgende Filme wurden beſucht:Unternehmen Michael,Olympia 1. und 2. Teil.

Am 3. 9. unterrichtete ein Lichtbildervortrag des Majors a. D. v. Genſchow die in zwei Gruppen eingeteilte Schülerſchaft über Deutſch⸗Südweſtafrika. Es war ein ſehr wertvoller Beitrag zur Förderung des kolonialen Verſtändniſſes. Am 13. 12. folgten die Klaſſen 7a4 c im Gymnaſium einem Vortrag über die Berufs⸗ laufbahn des Offiziers, den Major Rouillet vom Standort Gießen vor den höheren Klaſſen der Oberſchulen hielt.

Neben der Pflege der Gemeinſchaft diente unſere Rheinfahrt am 14. Juni, die nach jeder Richtung befrie⸗ digend verlief, der geiſtigen Anregung und Belehrung. Dank des großzügigen Entgegenkommens der Reichsbahn⸗ verwaltung, vor allem des Herren Reichsbahnoberinſpektors Kliffmüller, konnten wir einen Sonderzug laufen laſſen, der außer 600 Lehrern und Schülern auch das ſonſtige Perſonal der Schule und, ein ſchönes Zeichen der Verbundenheit zwiſchen Schule und Elternhaus, über 200 Angehörige der Schüler beförderte. Als Gäſte der Langemarckſchule waren vier in der Nachbarſchaft Gießens weilende öſterreichiſche SA.⸗Kameraden eingeladen. Insgeſamt nahmen 836 Perſonen teil. In Mainz⸗Kaſtell beſtieg die froh geſtimmte Menge den Sonderdampfer Kronprinzeſſin Cäcilie, der uns bis Koblenz bringen ſollte. Am Niederwalddenkmal verſammelte ſich die Schülerſchaft und eine große Anzahl der Gäſte zur deutſchen Feier. Der Direktor umriß die Bedeutung des Rhein⸗ ſtroms als Klammer deutſcher Einheit, als Symbol deutſcher Reichsgeſchichte und als kraftvolle Ader deutſcher Kultur. Er führte dann hinüber zum Oſten des Reiches, wo ſich die Donau gleicher ſchickſalhafter Bedeutung für den deutſchen Oſtkampf rühmen darf. Ergriffen ſtimmten alle Teilnehmer in den jubelnden Gruß an den Führer ein, deſſen Lebenswerk die unauflösliche Vereinigung von Weſt und Oſt deutſchen Volkstums brachte.An erha⸗ bener Stätte eine erhebende Feierſtunde von zwingender Eindringlichkeit. Auch die kurze Gedenkſtunde am Deut⸗ ſchen Eck in Koblenz wird allen Teilnehmern der Fahrt unvergeßlich bleiben, wie überhaupt der ſchöne Reiſetag die ungeteilte Anerkennung aller Beteiligten fand.

Gewichtige Gründe führten dazu, die behörlich angeordneten Landheimaufenthalte in dieſem Jahre etwas zu kürzen. Anſchließend an die Rheinfahrt gingen die 8a4(Buß) nach Boppard, 8b(Poepperling) nach Trier, 8c(Backes) nach Limburg. Vom 21. bis 25. 6. weilte die 5 b(Dr. Müller) in Bad Homburg. Wegen der Kürze der Fahrten konnten wir uns am Wettbewerb über Landheimaufenthalte nicht beteiligen.

Am 4. 7. fand eine polizeiliche Belehrung der Schüler über Unfallverhütung im Rahmen der im Reich veranſtalteten Unfallverhütungswoche ſtatt. Die Einbringung der Ernte, die durch die Mißgunſt der Witterung verzögert wurde, erforderte auch den Einſatz der Schüler. Wir konnten in der Zeit vom 23. 29. 8. in 386 Ar⸗ beitstagen 85 Schüler als Erntehelfer zur Verfügung ſtellen. Sie weilten im Albacher Hof, Heibertshäuſer Hof und in etlichen Dörfern des Weſterwaldes. Der geſchloſſene Einſatz der Klaſſen 7 a c hat ſich dabei beſonders bewährt. Zu erneutem Ernteeinſatz kamen unſere Schüler in den Herbſtferien, die wegen dringlicher Arbeiten in der Landwirtſchaft und wegen der Ereigniſſe im Sudetenland am 25. 9. begannen und dreieinhalb Wochen dauer⸗ ten. Ausnahmslos haben die Arbeitgeber ihrer Zufriedenheit und ihrer Freude über Leiſtung und Verhalten der Schüler Ausdruck gegeben.

Der Schüler Hans Schuchardt, Klaſſe éc, erhielt durch den NSB. und die Kreisgruppe des RB. einen Buchpreis für gute Leiſtung bei Bearbeitung des ThemasIſt Luftſchutz heute noch nötig?. Das Thema war durch Verfügung der Landesregierung zum Gegenſtand mündlicher Behandlung und ſchriftlicher Arbeiten, auf der Oberſtufe in Aufſatzform, gemacht worden.

7. Leibeserziehung a) Richtlinien.

Die Grundlage für die Geſtaltung der Leibeserziehung ging im vergangenen Schuljahr auf die vom Reichs⸗ und Preußiſchen Miniſterium für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung herausgegebenenRichtlinien für die Leibeserziehung in Jungenſchulen zurück. Richtunggebend für unſere Arbeit waren ferner die von der Landes⸗ regierung Heſſen veranlaßten Verfügungen über dieGeſtaltung der Leibeserziehung im erſten bzw. zweiten Halb⸗ jahr des Schuljahres 1938/39. Wenn auch für das freie Schaffen und Wirken des Turnlehrers kaum noch Zeit blieb, zumal ſich auch noch dieRaumnot hemmend und erſchwerend einſchaltete, ſo muß man doch anerkennen,

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