E. Leibesübungen, Flugmodellbau, Schulorcheſter.
ay Leibeserziehung:
Der Reichs⸗ und Preußiſche Miniſter für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung hat mit Wirkung vom 1. Oktober 1937 neue Richtlinien für die Leibeserziehung in Jungenſchulen herausgegeben, in denen gemäß der nationalſozialiſtiſchen Grundauffaſſung, daß Körper und Seele eine Einheit bilden, die Leibeser⸗ ziehung der männlichen Jugend auf eine neue Baſis geſtellt wird. Nach dieſen Richtlinien wird die„alte“ Forderung nach der„täglichen“ Turnſtunde nahezu erfüllt, denn der Körperertüchtigung werden nun fünf Wochenſtunden ſtatt bisher deren drei und ehedem nur zwei zugeſprochen. Durch dieſe Maßnahme ſoll keineswegs ein Rückgang der geiſtigen Leiſtungen eintreten, vielmehr ſoll die neue Leibeserziehung die gei⸗ ſtigen Leiſtungen ſteigern, da ſie einen geſunden Teil der Geſamterziehung bildet. Die neue Leibeserzieh⸗ ung ſoll durch artgemäße und im Volkstum wurzelnde Leibesübungen Leib und Seele als Träger des Raſſen⸗ erbes entwickeln und formen und durch Gewöhnung an ſportliche Lebensformen geſunde Anſchauungen über körperliche Schönheit und Leiſtungsfähigkeit ſchaffen. Der Ausgleich zwiſchen Leibeserziehung und geiſtiger Ausbildung will einen harmoniſchen deutſchen Menſchen und Volksgenoſſen erziehen. Daß dieſe Aufgabe in unſerer Zeit nicht nur ein Verſuch bleiben wird, dafür bürgt der nationalſozialiſtiſche Führerwille, der hinter dieſer neuen Erziehungspolitik ſteht.
Die„Richtlinien“ ſtellen uns vor große Aufgaben. Rein organiſatoriſch geſehen iſt die Eingliederung der fünf Turnſtunden für jede unſerer 20 Klaſſen in den Geſamtſtundenplan eine Leiſtung, die nur durch Aus⸗ wertung aller erdenklichen Mittel zu bewerkſtelligen war. Denn erſchwerend iſt der Umſtand, daß nur eine Turnhalle und nur ein Spielplatz, dieſer aber nur für ganz beſtimmte Tage und Stunden in der Woche, zur Verfügung ſteht. Vordringlich wäre die Herrichtung eines Borraumes, damit die Benutzung der Turnhalle eine kleine Erleichterung erfahren könnte. In dieſem Schuljahre war die Turnhalle an allen Wochenſtunden beſetzt, ſehr oft ſogar durch zwei Klaſſen gleichzeitig. Eine Maßnahme, die zwar wenig begrüßenswert, aber nicht zu umgehen war. Eine weitere Forderung bleibt die Einrichtung einer Brauſeanlage. In dieſem Jahre konnte unſer guter Beſtand an Geräten eine weſentliche Bereicherung dadurch erfahren, daß es möglich war, zwei Sprungkaſten und ein Federſprungbrett neu zu beſchaffen. Von Vorteil war es auch, daß die Sprunggrube im Schulhof eine Verlegung an eine beſſere Stelle finden konnte.— Durch Zuwendung einer geldlichen Unterſtützung aus Reichsmitteln konnten die Borgeräte, ſowie der Beſtand an Bällen ergänzt und vermehrt werden. Hierfür ſei der Miniſterialabteilung für das Bildungsweſen, vor allem Herrn Schulrat Klenk, dem Referenten für Turn⸗ und Sportweſen, herzlicher Dank geſagt.
Die neuen Richtlinien ſchreiben vor, daß alljährlich das Können der Schüler auf dem Gebiete der Körperertüchtigung durch Schulfeſte, Schulfeiern, Elternabende und dergleichen mehr unter Be⸗ weis geſtellt werden ſoll. Die Langemarckſchule hat in dieſem Schuljahr vor breiteſter Offent⸗ lichkeit Zeugnis abgelegt von der Arbeit in Turnen, Spiel und Sport. Gelegentlich der 100⸗Jahrfeier der Gießener Realanſtalten(Realgymaſium und Oberrealſchule) war im Rahmen der großen und denkwürdigen Geſamtfeier ein Turn⸗ und Sporttag eingebaut. Die Darbietungsfolge, die von beiden Schulen gemeinſam beſtritten wurde, wies Arbeitsausſchnitte aus faſt allen Gebieten der Leibesübungen auf. Die Schulen zeigten gemeinſam Körperſchule der Unterſtufe(Aſſ. Dr. Fay), dann Körperſchule der Mittelſtufe(Stud.⸗Rat Dr. Duſeberg und hierauf eine Körperſchule der Oberſtufe(Turnl. Paul). Es folgten Staffelläufe der Ober⸗ und Mittelſtufe und ein Hindernislauf der Unterſtufe. Sieger wurde in Ober⸗ und Unterſtufe die Oberreal⸗ ſchule, in der Mittelſtufe das Realgymnaſium. Auch im Mannſchaftstauziehen ſtellte jede Schule eine ſie⸗ gende Mannſchaft. Als reine Wettkämpfe folgten noch Spiele in Hand ⸗und Fußball. Wir von der Lange⸗ marckſchule hatten die große Freude, in beiden Spielarten unſere Mannſchaften gewinnen zu ſehen. Zwi⸗ ſchen den einzelnen Wettkämpfen waren„Ausſchnitte aus dem Alltagsbetrieb“ eingelegt, die ſicher ebenſo wertvoll waren wie die rein wettkampfmäßig aufgezogenen Punkte der Darbietungsfolge. Hier zeigte die Langemarckſchule: Turnen am Barren, Springen am Kaſten, Bodenturnen der Oberſtufe— ferner eine Körperſchule in Spielform und eine Spielſtunde der Unterſtufe, ſowie eine Wettkampfverbindung: Bock⸗ u. Bodenturnen der Mittelſtufe. Der Verlauf der Turn⸗ und Sportveranſtaltung wurde in einem Schmalfilm feſtgehalten. Die Vorführung des Filmes fand freudvolle Aufnahme.
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