Jahrgang 
1932
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Zur Geſchichte der Anſtalt.

1. Der Beginn des Schuljahres fiel auf Montag, den 20. April 1930; es ſchließt Sams⸗ tag, den 19. März 1932.

2. Die Schülerzahl betrug am Ende des vorigen Schuljahres 446. Nach beſtandener Reifeprüfung verließen uns 29 Oberprimaner; aus den übrigen Klaſſen traten während der Oſterferien im ganzen 32 Schüler aus. Dagegen nahmen wir zu Beginn des Schuljahres 118 und in ſeinem Verlaufe 8 Schüler neu auf, ſo daß die Geſamtzahl 511 betrug, die Höchſtzahl ſeit Be⸗ ſtehen der Anſtalt. Das ſtetige Anwachſen während der letzten Jahre(1905: 250; 1910: 292; 1920: 349; 1926: 346; 1928: 375; 1930: 457) können wir wohl anſprechen als Beweis für die zunehmende Beliebtheit, deren ſich das Realgymnaſium wegen ſeines Lehrplanes in den Eltern⸗ kreiſen erfreuen darf.

Leider verloren wir zwei brave Schüler durch einen allzufrühen Tod. Am 30.8. ſtarb der Quin⸗ taner Georg Agel aus Atzbach nach ſechswöchiger ſchwerer Krankheit. Seine Mitſchüler

unter ihrem Klaſſenführer, Herrn Studienrat Krämer, gaben ihm in ſeiner Heimat das letzte Geleit. An den Folgen eines äußerſt bedauerlichen Unfalls verſchied am 16. 9. der Sextaner Hans Karl Klein aus Gießen. Seine Beiſetzung fand in aller Stille ſtatt.

Die Sextaner und Quintaner wurden in je 3, die übrigen Altersſtufen in je 2 Parallel⸗ klaſſen unterrichtet; die Geſamtklaſſenzahl betrug 20.

3. Das Schulgebäude. Für die neugegründete Klaſſe ſtellte das ſtädtiſche Hochbauamt noch während der Oſterferien ein Unterrichtszimmer her in dem geräumigen, neben dem Zeichen⸗ ſaal gelegenen Gange. Die erforderlichen Bänke überließ uns die Studienanſtalt.

Wir ſind der Stadt Gießen für die raſche Erfüllung unſerer Wünſche, Herrn Stadtbaurat Gravert und Herrn Bautechniker Henkel für ihre energiſche Hilfe zu großem Dank verpflichtet.

4. Perſonalangelegenheiten. Wegen der neuen Klaſſe wurde Herr Studienrat Wilh. Schuchmann, ſeither Aſſiſtent am engliſchen Seminar der Landesuniverſität, unſerer Anſtalt über⸗ wieſen; Herr Studienrat Dr. Henß(ſeither zugleich an der Oberrealſchule) erhielt bei uns eine ganze Verwendung.

Vom 7. 10. April 1931 nahm Herr Prof. Dr. Schmoll teil an der in Braunſchweig ſtattfindenden Konferenz evangeliſcher Akademiker; Herr Dr. Heußel beſuchte vom 7.11. April in Dortmund die Hauptverſammlung des Vereins zur Förderung des math.⸗naturw. Unterrichts.

Zur Erledigung des 2. Vorbereitungsjahres wurden uns neu überwieſen bei Beginn des Schuljahres die Herren Referendare Erich Bender, Dr. Rudolf Diehl und Heinrich Schmelz, nach den Herbſtferien die Herren Paul Ahrberg, Fritz Jung, Heinrich Mann, Dr. Rudolf Mulch, Ernſt Rink, Hans Walther und Werner Zöller. Die ſeit Herbſt 1930 bei uns tätigen Refe⸗ rendare Th. Sattler(ab Januar 1932 an der Ludw.⸗Oberrealſchule Darmſtadt), Wilh. Reuſchling, Dr. Erich Menges(ab Januar an der Oberrealſchule Grünberg) blieben auch nach der im Auguſt beſtandenen Aſſeſſorenprüfung vorerſt noch weiter an unſrer Anſtalt. Als Volontäre treten bei uns ein die Herren Aſſeſſoren Dr. Heinz Fuchs(Oſtern 1931), Arthur Muth(Herbſt 1931) und Arnold Trapp(Herbſt 1931; ſeit Januar an der Oberrealſchule Butzbach).

Nach den Herbſtferien verließ uns infolge der ſtaatlichen Abbaumaßnahmen Herr Schulverw. Wilh. Mohr, um eine Lehrerſtelle an der Volksſchule in Gießen zu übernehmen. Für die erfolgreiche Tätigkeit, die er als Turnlehrer ſeit Oſtern 1928 am Realgymnaſium ausgeübt hat, wollen wir auch an dieſer Stelle herzlichen Dank ſagen. Der Nachfolger wurde Herr Turnlehrer Rudolf Paul, ſeither an der Oberrealſchule zu Gießen.

Der Geſundheitszuſtand der Lehrer war im allgemeinen nicht ungünſtig.

Die herzlichſten Glückwünſche konnten wir ausſprechen unſerem iſraelitiſchen Religionslehrer, Herrn Kantor Marx, anläßlich ſeiner 40 jährigen Dienſtzeit in Gießen am 19. April, ferner am 18. September, bzw. am 8. Oktober zwei ehemaligen Mitgliedern unſeres Kollegiums, Herrn Ober⸗ ſtudienrat i. R. Dr. Weimar und Herrn Oberſtudiendirektor i. R. Dr. Baur zum 70. Geburtstag.

5. Der Unterricht. Der Oſtern 1930 eingeführte ſechsſtündige Vormittagsunterricht (7⁵⁵ 13⁰³⁸),, der alle Nachmittage(außer den wahlfreien hebräiſchen und den Spiel⸗Stunden in Oberklaſſen), unterrichtsfrei macht, hat ſich wiederum bewährt. Wahlfreien Unterricht und Übungen in Phyſik, Chemie und Biologie mußten wir wegen voller Inanſpruchnahme aller Lehr⸗ kräfte auch dieſes Jahr wieder unterlaſſen. An dem hebräiſchen Unterricht, der von Herrn Studienrat Prof. D. Dr. Frhr. von Gall am Gymnaſium gehalten wurde, nahmen 8 Schüler der Oberklaſſen unſerer Anſtalt teil.

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