Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

417

11. März bis 5. Mai 1914 zur Ableiſtung der militäriſchen libung A einberufen, Herr Cull⸗ mann von Pfingſten bis zu den Sommerferien(8. Juni bis 1. Auguſt) mit der Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Oberrealſchule betraut worden. Herr Lehramtsaſſeſſor Friedrich Ploch wurde für das Schuljahr 1914/15 beurlaubt, um eine Lehrerſtelle an dem Erziehungsinſtitut Garnier in Friedrichsdorf i. T. zu übernehmen.

Durch Allerhöchſtes Dekret Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs wurden Herr Ober⸗ lehrer Dr. Knauß am 1. April 1914, Herr Oberlehrer Dr. Schmoll am 1. Mai 1914 zu Profeſſoren ernannt.

Am 7. Mai beehrten die Herren Staatsrat Süffert und Geh. Oberſchulrat Nodnagel unſere Anſtalt mit ihrem Beſuche und wohnten dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei.

Mit Wirkung vom 1. Juni 1914 wurde Herrn Lehramtsaſſeſſor Dr. Malzan die Verwaltung einer Lehrerſtelle an dem Ludwig⸗-Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt übertragen, Herr Profeſſor Joſeph Geyer von der Oberrealſchule Gießen an das Realgymnaſium verſetzt.

Als am Morgen des 1. Auguſt der Unterricht für das Sommerhalbjahr geſchloſſen wurde, verſammelten ſich Lehrer und Schüler der Anſtalt zu einer kurzen, eindrucksvollen Feier, in der der Direktor darauf hinwies, wie heute ſtatt der ſonſtigen fröhlichen Ferienſtimmung ein ungeheurer Ernſt auf allen Gemütern lagere. Nach allem, was die letzten Wochen und Tage gebracht, konnte es ja keinem Zweifel mehr unterliegen, daß unſer Vaterland gegen Rach⸗ ſucht und Krämerneid im Weſten, gegen aſiatiſches Barbarentum im Oſten den ſchwerſten Kampf, den es je gekämpft, würde durchfechten müſſen, um ſeinen Willen und ſeine Macht zur Welt⸗ geltung zu erweiſen. Und als am Nachmittag desſelben Tages der Befehl zur allgemeinen Mobilmachung bekannt wurde, da waren in flammender Begeiſterung unſere ſämtlichen Ober⸗ primaner und zahlreiche andere Schüler der oberſten Klaſſen ſofort bereit, im aktiven Heere oder in der freiwilligen Krankenpflege dem Vaterlande zu dienen. Sämtliche Oberprimaner unter⸗ zogen ſich in der erſten Hälfte des Auguſt der Notreifeprüfung, eine große Anzahl von Unter⸗ primanern und Oberſekundanern der Prüfung zur Erlangung der Ober⸗, bezw. der Unterprimareife.

Von den Mitgliedern des Kollegiums traten folgende Herren in den Heeresdienſt: Prof. Dr. Erb, Hauptmann der Landwehr und Kompagnieführer im Landſturmerſatzbataillon Gießen; Prof. Dr. Weimar, Oberleutnant der Landwehr und Adjutant bei der Bahnhofskomman⸗ dantur Gießen, am 24. Dezember 1914 zum Hauptmann befördert; Prof. Geyer, Hauptmann der Landwehr und Kompagnieführer im Erſatzbataillon der 49. Infanteriebrigade, verwundet am 25. Auguſt 1914 bei Serres öſtlich von Nancy, Ritter des Eiſernen Kreuzes und Inhaber der Heſſiſchen Tapferkeitsmedaille; Prof. Dr. Schmoll, Leutnant der Reſerve im Infanterie⸗ Regiment 118, ſchwer verwundet am 22. Auguſt 1914 bei Maiſſin in Südbelgien, Ritter des Eiſernen Kreuzes und Inhaber der Heſſiſchen Tapferkeitsmedaille; Oberlehrer Dr. Emmel, Leutnant der Reſerve im Fußartillerie⸗Regiment Nr. 3(Mainz), erkrankt, Ritter des Eiſernen Kreuzes; Oberlehrer Dr. Horn, Landwehrmann im Landſturmbataillon Gießen; Lehramts⸗ aſſeſſor Dr. Knoellinger, Vizefeldwebel der Reſerve im Infanterie⸗Regiment 116, Ritter des Eiſernen Kreuzes, gefallen am 31. Oktober 1914 beim Sturm auf Le Quesnoy; Lehramts⸗ referendar Cullmann, Vizefeldwebel der Reſerve im Infanterie⸗Regiment 116, vermißt ſeit 17. September 1914 in den Kämpfen bei Reims; Lehramtsreferendar Dr. Schütz, Vizefeldwebel der Reſerve im Infanterie⸗Regiment 136, verwundet am 26. Auguſt 1914 bei Etival und erkrankt.

Durch den Tod unſeres lieben Amtsgenoſſen, des Lehramtsaſſeſſors Dr. Hermann Knoellinger, hat die Anſtalt einen ſchweren und ſchmerzlichen Verluſt erlitten. Seine hervor⸗ ragende wiſſenſchaftliche Bildung, ſein lauterer, zuverläſſiger Charakter und ſeine ſtarke Willens⸗