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Zur Chronik der Anſtalt.
. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 3. Mai 1884 wurde der Direktor unſerer Anſtalt, Herr Wilhelm
Soldan, zum Direktor des Realgymnaſiums und der Realſchule in Mainz ernannt. Das Scheiden des verdienten Mannes aus ſeinem hieſigen Wirkungskreiſe, in dem er ſieben Jahre lang mit allgemein anerkanntem Erfolge thätig geweſen, erregte in den weiteſten Kreiſen lebhaftes Bedauern. Sein Andenken wird in Gießen ſtets lebendig bleiben, zumal in unſerer Schule, die unter ſeiner Leitung zur Realſchule I. O. ausgebaut worden iſt.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 24. Mai 1884 wurde der Unterzeichnete, bis dahin Direktor der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt, zu ſeinem Nachfolger ernannt. Die Einführung des neu ernannten Direktors vollzog Herr Geh. Oberſchulrat Becker am 16. Juni v. J.
Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 10. Dezember 1884 wurde den vorher als„Realſchulen I. O.“ bezeichneten Lehranſtalten der Name„Realgymnaſien“ beigelegt. Die früheren Realſchulen II. O. heißen in Folge deſſen einfach„Realſchulen“.
3. Am 10. Dezember 1884 erging eine Allerhöchſte Verfügung, durch welche die Reifeprüfungen an den
Realgymnaſien einheitlich geregelt werden lvergl. Regierungsblatt Nr. 37 vom 24. Dezember 1884]. Derſelben liegt der vom Großh. Miniſterium, Abteilung für Schulangelegenheiten, unter Zuziehung der beteiligten Realſchuldirektoren im November v. J. feſtgeſtellte Lehrplan für Realgymnaſien zu Grunde.
. Im Laufe des Schuljahres wurden die Lehramtscandidaten: Karl Wehſarg, Dr. KarlEckſtein,
Dr. Heinrich Pitz und Wilhelm Schmid durch Verfügungen vom 18. April, bezw. 26. Juni, 15. Auguſt und 9. September zum Acceß an unſerer Anſtalt zugelaſſen. Ausgeſchieden ſind die Acceſſiſten Dr. Auguſt Röschen und Konrad Grein.
5. Der Geſundheitszuſtand der Schüler war durchſchnittlich günſtig, doch hatten wir den Tod eines hoff⸗
nungsvollen Schülers, des Unterprimaners Max Barthel zu beklagen. Die Lehrer und Schüler der oberen Klaſſen geleiteten ihn am 24. Juni 1884 zu Grabe.
Acceſſiſt Rudolf Dieckmann war während mehrerer Wintermonate durch Krankheit verhindert
ſeinen Unterricht zu erteilen. Der Ausfall wurde durch Vertretung gedeckt. Im übrigen blieb das Lehrercollegium von ernſteren Erkrankungen verſchont.
.Am 17. und 18. November nahm der Unterzeichnete an der Direktorenconferenz in Darmſtadt teil.
(vergl. oben Nr. 3). Am 14. desſelben Monats wurde er zum Mitglied der Kreis⸗Schulcommiſſion gewählt und durch Miniſterialverfügung vom 9. Februar 1885 in das Curatorium der hieſigen höheren Töchterſchule berufen..
Auf Grund miniſterieller Verfügung vom 18. November v. J. unterzog ſich der stud. cam. Adolf Abrie aus Bad⸗Nauheim am Realgymnaſium der Reifeprüfung. Er konnte für beſtanden erklärt werden. Bei der am 10. März unter Leitung des Herrn Geh. Oberſchulrat Becker abgehaltenen Abi⸗ turientenprüfung erhielten ſämtliche 8 Abiturienten das Zeugnis der Reife.
.Am 14. April 1884 ſtarb der Pedell unſerer Anſtalt Johann Georg Link nach langjähriger
treuer Dienſtführung. In ſeine Stelle trat im November v. J. der Gardeunteroffizier Jakob Karl Schmidt von Nieder⸗Florſtadt, nachdem in den Sommermonaten der Dienſt von der Wittwe des vorigen Pedellen verſehen worden war.
Im Laufe des Schuljahres fanden öftere Klaſſenausflüge unter Führung der Lehrer ſtatt. An dem ſtädtiſchen Jugendfeſte am 14. Auguſt beteiligten ſich alle Klaſſen von OIII abwärts. Während


