Jahrgang 
1914
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ſlehen läßt, ſo ſehe ſuche ich auch dem Gemüt meiner Schüler Knregung zu geben. Reine Drillanſtalt, keinePreſſe ſollen die Schüler bei mir finden, ſondern ein Heim, in dem ſie zwar tüchtig arbeiten müſſen, das ihnen aber auch reiche Nahrung für Herz und Gemüt gibt. Reine Crziehungsgrund⸗ ſätze erſtreben eine gleichmäbige Kusbildung an Körper, Geiſt und Charakter. die Jungen neben ihrer wiſſenſchaftlichen Kusbildung zu einem möglichſt tiefgehenden Verſtändnis für alles Schöne und Hohe in Natur und Kunſt zu erziehen, iſt eine Hauptaufgabe meines Lebens. Ich ſuche dies Uberall und in jedem Fuſammenhange zu erreichen. Die Schönheit der Umgegend ſuche ich den jungen Herzen zu erſhliehen; in die Schönheit der bildenden Künſte weihe ich ſie durch regelmäßige Vorträge an langen Winterabenden ein. Die gewallige Kunſt der Renaiſſance im engſten zuſammenhange mit der geſamten Kulturgeſchichte dieſer Zeit bildet hier neben der Behandlung mittelalterlicher Baukunſt in Deutſchland den hauptſächlihſten Gegenſtand meiner dem Ver⸗ ſtändnis der Jugend angepaßten und durch Lichtbilder reich unterſtutten Dor⸗ träge. Kuf einer einmal im Jahre ſtattfindenden größeren Wanderfahrt werden dann die haupiſächliäſten Stäüten deutſcher Kunſt und Kultur, einmal im Ror⸗ den ein andermal im Süden unſeres Daterlandes, beſucht. Daßz auch der Muſi eine beſondere Pflege zuteil wird, braucht kaum erwühnt zu werden. Die Jugend, die ein offenes Kuge und ſicheres Derſtndnis für Schön und häßlich, Gut und Schlecht erlangt hat, wird ganz aus ſich ſelbſt heraus im Benehmen und Kuftreten, in Geſinnung und handlung allen Knforderungen genügen, die an einen wahrhaft gebildeten Menſchen geſtellt werden. Die ethiſchen Werte des künſtleriſchen Nomentes in der Erziehung ſind durch nichts zu erſeten.

hand in Hand mit der Entmicklung des Charakiers geht die harmoniſche durchbildung des Körpers. Um alle Muszeln des Körpers gleichmäßig zu ltählen, werden der Jahreszeit und der Witterung entſprechend die verſchie⸗ denſten körperlichen Betäligungen ausgeflhrt, Geturnt und, geſchwommen wird immer, und vor allem werden Fußtouren unternommen. Sauſtball, Suß⸗ ball, Schlagball, Schleuderball, Cennis und das beliebte Barlaufſpiel werden eifrig gepflegt.

Die geſamte Arbeit im Pädagogium und im Schülerheim hat mithin zum Fiel, aus unſeren Jungen ſteißige, wahrhaft gebildete Menſchen zu machen, ihnen Grundlagen zu geben, auf denen ſie ihr Leben jeſt und ſicher aufbauen fönnen.

III. Aufnahme⸗Bedingungen. 1. Die Aufnahme in das Pädagogium erfalgt mit und ohne Penſion. Schl⸗ ler, die nicht bei den Eltern wohnen, müſſen im allgemeinen im Schüler⸗ heim wohnen, fusnahmen ſind nur mit Genehmigung des Direktors