II. Jahresbericht über das Schuljahr 191213
m 15. April 1912 eröſfnete der Unterfertigte die Einjährigen⸗ und ein paar
Tage ſpäter die Abiturientenabteilung ſeines Privatunterrichts unter dem Ramen„Brackemanns private Vorbereitungskurſe“. Anlaß hlerzu gab die Uberlegung, daß in Gieen mit 1406 höheren Schülern(Gymnaſium, Realgymnaſium und Oberrealſchule) und der genügend bekannien Uberfüllung der höheren Schulen unbedingt ein Bedürfnis vorhanden ſein müßte für eine Privatſchule, in der bei nleinen Abteilungen und möglichſt individuellem Unterricht die ſchwächeren und zu⸗ rückgebliebenen Schüler ſo gefördert werden, daß ſie mit Erfolg die Schulprüfungen machen können und das Verſäumte nachholen und, wo junge Leute mit Volksſchul. bildung ſich zur Einſährigen⸗Prlfung vorbereiten können. Die Richtigkeit dieſer Uberlegungermies ſich demn auh ducch diexaſache dahdiegurſe die mitb Schülern eröffnet wurden, heute 38 Teilnehmer zählen.
Den geſamten Unterricht lin der Einjährigenabteilung: Deuich Franzöſiſch, Engliſch, Mathemathit, Phyſik, Geſchichte, Geographie: in der Abiturientenab⸗ teilung: dieſelben Fächer und Chemie) gab der Untzrferügte zunächſt allein, bis vom Rovember ab Herr cand. phil. Weiß den Unterricht in Geſchichte, Geographie und teilweiſe im Franzoͤſchen übernahm. In der Meihode des Unterrichts ſelbſt bewährte ſich in der Einjährigenabteilung die Einrichtung des allwöchentlichen, vierſtündigen Klaſſenauſſatzes aufs beſte, ſo daß alle Schüler die Fähigeit er⸗ langten, ſich über ein mittelſchweres Thema ohne jede Vorbeſprechung durch den Lehrer hinreichend erſchöpfend und in leidlich gutem Ausdruck zu äußern. Be⸗ handelt wurden folgende Themata(von dreien ſtand immer eins zur Wahl):
Warum ſind Gebirgsgegenden ſo reich an Sagen?— Warum will ich das Einlährigen⸗ Examen machen?— Nichtswürdig iſt die Nation, die nicht ihr alles freudig ſetzt an ihre Ehre. — Welche große Bedeutung für Deutſchland und die Weltgeſchichte hat die Schlacht im Teuto⸗ burger Walde?— Warum braucht Deutſchland Kolonien?— Schaffen und Streben iſt Gottes Gebot; Arbeit iſt Leben, Richtstun iſt Tod.— Durch welche Mittel ſucht Soliman den Zriny zur Uebergabe der Feſtung zu bringen?— Ein guter Freund drei ſtarke Brücken: In Freud, in Leid und hinterm Rücken.— Mancher iſt arm bei großem Gut und reich bei großer Armut. — Der deutſche Wald.— Was erſahren wir im erſten Geſange von Hermann und Dorothea von Perſonen, Zeit und Ort der Handlung.— Strom und Fleiß, Sumpf und Trägheit!— Das Beſitztum des Wirtes zum goldnen Löwen in Hermann und Dorothea.— Der ſchönſte Tag in meinem bisherigen Leben.— Der Krieg 1870,71, ein Zeugnis deutſcher Tüchtigkeit und eine Quelle deutſcher Herrlichkeit.— Die Schilderung der Vertriebenen durch Hermann und durch den Apotheker.— Die Rütliſzene.— Die Zunge, das wohltätigſte und verderblichſte Glied des
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