Jahrgang 
1927
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Beſichtigungen und Prüfungen.

Am 16. und 17. September beſuchte Herr Miniſterialrat Glückert unſere Anſtalt, wobei er die Staatsprüfungen der Studienreferendare Dr. Hilmar Bindewald, Friedrich Franke und Dr. Eliſabeth Kredel leitete. Bei einem zweiten Beſuche am 1. und 2. Dezember wohnte er einer Seminarſitzung und dem Anterricht in mehreren Klaſſen bei und führte den Vorſitz bei der Staatsprüfung des Studienreferendars Dr. Hugo Stot. Am 7. und 8. Januar fand die Staatsprüfung des Studienreferendars Dr. Karl Steitz unter der Leitung des Anterzeichneten ſtatt.

Die mündliche Reifeprüfung für die beiden Oberprimen wurde am 3. März für die Klaſſe Ia(Regierungsvertreter Herr Miniſterialrat Glückert) und am 4. März für Klaſſe Ias(Regierungsvertreter der Anterzeichnete) abgehalten.

Am 24. und 25. März waren die Staatsprüfungen der Studienreferendare Dr. Auguſt Bläßer, Wilhelm Müßig, Dr. Konrad Reidt, Wilhelm Schuchmann und Dr. Werner Kayſer(Vorſitz Herr Miniſterialrat Glückert).

Körperliche Ausbildung.

In der geſamten körperlichen Ausbildung unſerer Schüler wurde den neuzeitlichen Forderungen Rechnung getragen. Beſonders rege geſtaltete ſich in dieſem Jahre der Spiel⸗ betrieb an unſerer Anſtalt nicht zuletzt durch den Spieleifer und die Spielfreudigkeit unſerer Schüler ſelbſt. Es wurden in erſter Linie Schlag⸗, Hand⸗ und Fauſtball planmäßig gepflegt. Während der pflichtmäßigen Spielnachmittage, die jeden Mittwoch unter Leitung von 5 Herren ſtattfanden, wurden dieſe Spiele vertieft. Sehr oft kamen die Spielmann⸗ ſchaften der einzelnen Klaſſen zu freiwilligen Spielſtunden zuſammen, um hierbei Wett⸗ ſpiele Klaſſe gegen Klaſſe auszutragen. Auch dieſen freiwilligen Spielen brachten die Turnlehrer Intereſſe entgegen, indem ſie ihnen als Zuſchauer beiwohnten oder das Amt der Schiedsrichter verſahen.

Des öftern wurden auch Wettſpiele mit anderen höheren Schulen ausgetragen, indem wir ſie zu Gaſte hatten oder ſie beſuchten. So wurden Spiele durchgeführt mit dem hieſigen Gymnaſium und dem Realgymnaſium, der Auguſtiner⸗Schule Friedberg, der Landwirtſchafts⸗Schule Weilburg, dem Goethegymnaſium Wetzlar und der Weidig⸗ Oberrealſchule Butzbach. Betont muß werden, daß alle Spiele von den Schülern in echt kameradſchaftlicher Weiſe durchgeführt wurden.

Zu den Schlagball⸗Wettſpielen zwiſchen den höheren Knabenſchulen Heſſen um den von dem Heſſiſchen Philologenverein geſtifteten Wanderpreis meldete auch unſere Anſtalt eine Mannſchaft. Für Oberheſſen ging unſre Anſtalt im Entſcheidungs⸗ kampf als Provinzmeiſter hervor, doch mußten wir im Endkampf um die Meiſterſchaft von Heſſen der Aufbauſchule Bensheim den Sieg überlaſſen.

Am 15. Sept. fanden die Reichsjugendwettkämpfe ſämtlicher Schulen Gießens ſtatt. 101 Oberrealſchüler beteiligten ſich bei einer Geſamtteilnehmerzahl von 183 an den Knaben⸗ wettkämpfen. In allen 3 Stufen errangen Schüler unſerer Anſtalt den 1. Sieg und zwar: Oberſtufe Reitz lar(113 Punkte), Mittelſtufe Bockſtahler IIb(128 Punkte), Anterſtufe Bier IIIb⸗(124 Punkte). Außer dieſen wurden noch 87 unſerer Schüler mit Preiſen bedacht.

Der allgemein verbindliche Schwimmunterricht beſteht an unſerer Anſtalt ſeit 3 Jahren. Hatten im vorigen Jahre von 129 Schülern 113 das Schwimmen erlernt, ſo ſind in dieſem Jahre von 3 Quarten mit 123 Schülern nur 4 des Schwimmens unkundig. Im Verlauf einiger Jahre hoffen wir zu erreichen, daß kein Schüler von Quarta an auf⸗ wärts unſerer Anſtalt angehört, der nicht ſchwimmen könnte. Was das, abgeſehen von den geſundheitlichen Vorteilen, für unſere heranwachſende Jugend bedeutet, läßt ſich erſt ermeſſen, wenn man bedenkt, daß jährlich in unſerem deutſchen Vaterland nach Angabe des ſtatiſtiſchen Amtes durchſchnittlich 1200 Kinder in dem naſſen Element ihren Tod finden, weil ſie nicht ſchwimmen können. Außer den Quarten wurden noch andere Klaſſen zum Schwimmen geführt. Wir konnten auch die Erfahrung machen, daß die Schüler der Schwimmklaſſen viel weniger an Erkältungskrankheiten litten, wie die übrigen.