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Auf Grund des Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten trat Herr Oberſtudien⸗ direktor Dr. Auguſt Baur am 16. Februar 1927 in den Ruheſtand. Am 12. Februar veranſtaltete die Schule für ihren Direktor eine Abſchiedsfeier in ihrem Feſtſaale. Zur Einleitung ſpielte ein Quartett von Schülern der Anſtalt das Largo von Händel, dann ſagte der Sextaner Schraub das Gedicht auf„Was iſt die Heimat?“, worauf Abiturient Knaus in beredten Worten dem ſtets wohlwollenden Direktor, der ſeine Primaner in feſſelnder Weiſe in die Welt unſerer Dichter und in die Zuſammenhänge der Geſchichte eingeführt, den Dank der Schüler ausſprach. Nach Geſang des Chores„Du weißt den Weg“, ſprach der Anterzeichnete im Auftrage des Lehrerrates. Er be⸗ leuchtete die Tätigkeit des Direktors als anregenden, erfolgreichen Lehrers und wohlwollenden, entgegenkommenden Direktors, der Schülern und Lehrern in vornehmer Geſinnung, in liebens⸗ würdiger, kameradſchaftlicher Weiſe das Beſte zu geben beſtrebt war. Auch ſeine Verdienſte um unſer Anſtaltsgebäude blieben nicht unerwähnt. Zum Schluſſe gab der Redner dem Schei⸗ denden die herzlichſten Wünſche mit für die Jahre, deren ihm, ſo Gott wolle, noch viele beſchieden ſein möchten. Mit bewegten Worten des Dankes verband der Direktor treue Mahnungen an ſeine Schüler, feſtzuhalten an den Grundſätzen der humaniſtiſchen Bildung in ihrem Auswirken auf Geiſt und Charakter. Mit dem Chorgeſang„Hab Sonne im Herzen“, ſchloß unſere Abſchiedsfeier.
Mit der Führung der direktorialen Geſchäfte wurde vom 16. Februar an der Anter⸗ zeichnete beauftragt.
Laut Arkunde vom 4. März 1927 hat der Staatspräſident den Oberſtudiendirektor an der Auguſtinerſchule(Gymnaſium und Oberrealſchule) in Friedberg Otto Altendorf zum Ober⸗ ſtudiendirektor an dem Landgraf⸗Ludwigs⸗Gymnaſium in Gießen mit Wirkung vom 16. April 1927 ab ernannt.
3. Geſundheitliches.
Abgeſehen von einigen Erkrankungen an Grippe und ihren Folgeerſcheinungen, durch die einzelne Lehrer gezwungen waren, für einige Wochen dem Anterricht fernzubleiben, wodurch die Auf⸗ rechterhaltung des geregelten Schulbetriebs in den letzten Wochen des Schuljahres erſchwert wurde, war der Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülern gut.
Klaſſenſpaziergänge von 3— 4 ſtündiger Dauer wurden am Vormittag des 7. Mai, 21. Mai, 10. September, 8. Dezember 1926 und 28. Januar und 5. März 1927 unternommen.
Der Tagesausflug führte am 1. Auguſt die einzelnen Klaſſen in die nähere und weitere Amgebung Gießens.
Wegen großer Hitze fiel die letzte Vormittagsſtunde und gegebenenfalls der Nachmittags⸗ unterricht am 3., 9., 13., 14., 15., 16. Juli, am 17., 25., 31. Auguſt, am 1., 2., 3., 4., 5. und 11. September aus.
Am Schwimmunterricht nahmen 70 Schüler teil. Faſt alle Schüler der Anſtalt von IV an ſind jetzt des Schwimmens kundig.
Selbſtändige Schülervereine, die Leibesübungen pflegen, beſtehen zur Zeit an unſerer Anſtalt nicht. Indeſſen gehören den Schülerabteilungen von Turn⸗, Sport⸗, Wandervereinen und dergl. 81 Schüler an; Leibesübungen und Wanderſport überhaupt treiben 180 von unſeren Schülern, die ſich auf alle Klaſſen verteilen.
Am 15. September fanden die Reichsjugendwettkämpfe der hieſigen Schulen ſtatt. Trotz fehlender einheitlicher Ausbildung durch einen Fachlehrer konnte die Schule auf der Oberſtufe l, auf der Mittelſtufe 4 und auf der Anterſtufe 3 Siege buchen.
An der Tagung des Vereins für das Deutſchtum im Ausland in Hirſchberg(Schleſien) während der Pfingſtferien beteiligten ſich mehrere Schüler der Anſtalt.


