Jahrgang 
1912
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V. Zur SGeschichte der Anstalt.

1. Personalangelegenheiten. Der Unterzeichnete hat in seiner langjährigen Tätigkeit kein Schuljahr erlebt, das eine so langdauernde und eingreifende Störung des Unterrichtsbetriebes mit sich gebracht hätte wie das verflossene. Abgesehen von leichteren und kürzeren Un- päßlichkeiten der Oberlehrer und Lehrer, von denen wohl kaum ein Schuljahr verschont bleibt, waren es dieses Mal leider schwerere Erkrankungen, die die beiden dienstältesten Oberlehrer für längere Zeit an der Ausübung ihres Berufes hinderten. Herr Prof. Dr. Clemm erkrankte bereits am 1. Juli und sah sich genõtigt, bis Ostern 1912 Urlaub zu nehmen; Herr Prof. Kutsch mußte infolge eines unglücklichen Falles, bei dem er den linken Arm brach, vom I. Februar ab dem Dienste fern bleiben.

Zwar übernahm am 24. September Herr Lehramtsreferendar Siegfried Kann, der am 26. September zum Lehramtsassessor befördert wurde, den Dienst des Herrn Professor Dr. Clemm und err Lehramtsassessor Heinrich Ullmann am 10. Februar den des Herrn Prof. Kutsch, aber es war damit die Störung des Unterrichtsbetriebes nur zum Teil beseitigt; denn die Wahl des Stadtverordneten Herrn Prof. Urstadt zum Mitgliede der zweiten Kammer der Stände machte dessen Teilnahme an den Landtagsverhandlungen vom 22. Februar an nötig. Der für ihn als Vertreter bestellte Herr Lehramtsreferendar Karl Hainer konnte aber leider nur bis zum 19. März seines Dienstes walten, da er von diesem Tage an zu einer militärischen Dienstübung einberufen wurde. So mußten denn für ihn teils die Oberlehrer der Anstalt, teils die Mitglieder des pädagogischen Seminars wieder eintreten.

Beide hatten mit dankenswerter Bereitwilligkeit auch die Stellvertretungen der Herren Prof. Altendorf und Dr. Gundel auf sich genommen, als jener vom 13. November an bis Weihnachten sich an einem archäologischen Kursus in Rom beteiligte und dieser einen Turnkursus für Oberlehrer mitmachte, der vom 23. Oktober bis zum 18. November unter Leitung des Herrn Schulrates Schmuck in Darmstadt stattfand.

In eine verhältnismäßig ruhige Zeit fiel der altphilologisch-archäologische Ferienkursus, der zum ersten Male an der Landesuniversität am 5., 6. und 7. Oktober unter starker Be- teiligung der hessischen Oberlehrer mit außerordentlichem Erfolge abgehalten wurde. Es ließ sich ermöglichen, sämtliche Altphilologen unserer Anstalt an allen oder wenigstens der Mehrzahl der Vorlesungen teilnehmen zu lassen, die die Hlerren Universitäts-Professoren Dr. Immisch, Dr. Körte, Dr. Strack und Dr. Watzinger, sowie err Oberlehrer Prof. Dr. Körber aus Mainz bei dieser Oelegenheit hielten.

. Wir schließen diesen Abschnitt mit dem wohlberechtigten Wunsche, daß das verflossene Schuljahr mit seiner starken Betriebsstörung Nachfolger nicht finden mõöge.

2. Der Unterricht. Das Schuljahr begann den 24. April 1911 und schließt den 30. März 1912.

Die Gabelsbergersche und Stolze-Schreysche Stenographie wurde wie bisher in zwei Schülervereinen eifrig und erfolgreich betrieben.

Herrn Medizinalrat Dr. Haberkorn sind wir auch dieses Jahr wieder zu großem Danke dafür verpflichtet, daß er unsere Abiturienten über die sittlichen und gesundheitlichen Gefahren aufklärte, die den jungen Leuten nach dem Verlassen des Elternhauses drohen.

Von ausländischen Schulmännern konnten wir im Juni Herrn Oberlehrer Ad. Meyer aus Stockholm und im August die Herren W. E. Llewellyn(Roan School) aus Greenwich und J. Powell(Northern Polytechnic Institute) aus London begrüßen. Sie nahmen von dem Betriebe des mathematischen, physikalischen und fremdsprachlichen Unterrichtes Einsicht.