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Am 1. Mai 1910 schied ferr Professor Dr. August Messer aus dem Lehrkörper der Anstalt aus, um eine ordentliche Professur für Philosophie und Pädagogik an der Landesuniversität zu übernehmen. Nachdem er vom 16. September 1896 an zunächst als provisorischer Lehrer an dem Gymnasium gewirkt hatte, wurde er am 11. Mai 1898 als Oberlehrer an ihm angestellt. Am 9. März 1904 erfolgte seine Ernennung zum außer- ordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversität. Die Anstalt bedauert seinen Fortgang auf das lebhafteste. Sein umfassendes, tiefes Wissen, von dem auch seine zahlreichen Arbeiten Zeugnis ablegen, seine methodische Durchbildung, sein feines Verständnis für die Schülerpsyche sowie sein mildes und, wo es galt, festes Wesen machten ihn zu einem hervorragenden Lehrer und Erzieher. Die Anstalt, deren Geschicht- schreiber er war, und seine zahlreichen Schüler werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.
Auf seine Stelle wurde mit Beginn des neuen Schuljahres Herr Professor Hermann OBwald vom hiesigen Realgymnasium berufen.
Herr Lehramtsassessor Otto Köhler, der vom 1. Oktober 1908 an Herrn Professor Messer in seinem Dienste entlastet hatte, verließ mit dem Schlusse des vorigen Schuljahres unsere Anstalt und folgte dem Beispiele zahlreicher provisorischer wie nichtprovisorischer Oberlehrer, die unter dem Drucke der augenblicklichen Verhältnisse zum Schaden für unser eigenes Schulwesen in nichthessische Schuldienste übertraten. Er übernahm eine Ober- lehrerstelle an dem städtischen Gymnasium in Bonn.
Vom 17. bis 25. Mai beteiligte sich Herr Dr. Gundel an dem bayerisch-hessischen Ferienkursus und vom 19. bis 24. September Herr Professor Dr. Fink an dem natur-— wissenschaftlichen Fortbildungskursus zu Darmstadt.
Herr Lehramtsreferendar Otto Hahn übernahm während seines zweiten Vorbe- reitungsjahres vom 19. September an freiwillig einige Unterrichtsstunden, bis er am 16. März zur Stellvertretung an die hiesige Höhere Mädchenschule berufen wurde.
Die Verwaltung der Schülerbibliothek und Handbibliothek im Lehrerzimmer lag wie bisher in den Händen des Herrn Professors Fuchs. Seine Arbeit wurde ihm in den fünf oberen Klassen dadurch erleichtert, daß von ihren Kameraden gewählte Schüler dieser Klassen den Austausch der Bücher besorgten. Es ist das derjenige Teil der s. g. Schüler- selbstverwaltung, mit dem wir bisher die besten Erfahrungen gemacht haben.— Der Lehrer- und Seminarbibliothek stand Freiherr von Gall vor.
2. Der Unterricht. Das Schuljahr begann den 4. April 1910 und schließt den 8. April 1911. Es umfaßt 44 Schulwochen und ist um vier Wochen länger als das kommende Schuljahr 1911/12. Die ungleiche Dauer der Schuljahre hat eine Reihe schwerer Mißstände für den Unterricht im Gefolge. Es wäre deshalb auch von seiten der Schule mit Freude zu begrüßen, wenn die neuerdings wieder stärker einsetzenden Bestrebungen, die Lage des Osterfestes anderweitig zu regeln, zu einem befriedigenden Ergebnis führten.
An einem Kursus zur Ausbildung freiwilliger Krankenträger beteiligten sich 27 Schüler der Unter- und Oberprima. Für die mühevolle Leitung des Kursus möge Herrn Dr. Schäffer hier nochmals der wärmste Dank ausgesprochen sein.
Derselbe Dank gebührt Herrn Medizinalrat Dr. Haberkorn dafür, daß er auch in diesem Jahre unsere Abiturienten im Verein mit denen des Realgymnasiums und der Ober- realschule eindringlich und taktvoll belehrte über die sittlichen und gesundheitlichen Gefahren, die jungen Leuten nach dem Verlassen des Elternhauses drohen. Wir stellen mit Genug- tuung fest, daß dieses Mal auch einige Väter von Abiturienten der Einladung zur Teilnahme an der behördlich angeordneten Veranstaltung Folge leisteten.


