Jahrgang 
1908
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Herr Gymnasialdirektor Sakari A. Westerlund aus Uleaborg beehrte vom 27. Juni bis zum 6. Juli das Gymnasium und das pädagogische Seminar mit seinem Besuche und wohnte dem lateinischen und deutschen Unterrichte bei.

Am 30. September unterzog Herr Bischof Dr. Kirstein von Mainz den katholischen Religionsunterricht einer Prüfung..

3. Reifeprüfung. Am 20. jJuli wurde eine ausserordentliche Reifeprüfung mit den unter IVb aufgeführten 2 Oberprimanern unter dem Vorsitze des Unterzeichneten abgehalten. Die mündliche Osterreifeprüfung fand am 26. Februar unter dem Vorsitze des Herrn Ceh. Oberschulrats Nodnagelstatt. Es unterzogen sich ihr die unterlVb genannten 20 Oberprimaner.

4. Schulfeiern.Das Leben der Universität wurde im abgelaufenen Jahre beherrscht durch die dritte Jahrhundertfeier. So beginnt der von dem damaligen Rektor, Herrn Geh. Hofrat Professor Dr. Behaghel, über die dritte Jahrhundertfeier der Universität erstattete Bericht*). Es ist begreiflich, dass auch in das stille Leben unseres Gymnasiums diese alle Kreise unserer Stadt berührende Feier eingriff. Nicht nur dass es während des Jubelfestes seine Pforten schloss, es erinnerte sich in diesen Tagen mit ganz besonderem Stolze daran, dass es zusammen mit der feiernden Hochschule an dem gleichen Tage von demselben Fürsten als Pädagogium trilingue gegründet wurde, um eine Vorbereitungsstätte zu sein für das Gymnasium illustre, die spätere Universität. Und wie das Gymnasium war auch die Ludoviciana des gemeinsamen Ursprungs eingedenk und hatte zu ihrem Feste als einen ihrer Ehrengäste den Direktor und als Festgäste ausser Herrn Prof. D. Stamm, der als Präsident der Landessynode Ehrengast war, die dienstältesten Oberlehrer Professor Kutsch und Professor Dr. Clemm, sowie je drei Schüler der beiden Primen eingeladen. Die Oberprima entsandte als ihre Vertreter Wilhelm Klein, Otto Lindenstruth und Heinrich Roese, die Unterprima Stephan Kann, Friedrich Malzan und Heinrich Ritting. Bei dem Festakte in der Neuen Aula am 1. August beglückwünschte der Unter- zeichnete die Ludoviciana im Namen des Gymnasiums und zugleich im Auftrage der hiesigen Plöheren Mädchenschule, des Realgymnasiums und der Oberrealschule.

So glänzend die Feier der Landesuniversität verlief, in um so bescheideneren Grenzen bewegte sich die Dreihundertjahrfeier unseres Gymnasiums. Es ist am 10. Oktober 1605 gegründet worden; demnach hätte die Gedenkfeier bereits 19005 statt- finden sollen. Die ersten Vorbereitungen hierzu wurden denn auch schon 1903 und 1904 getroffen und die Aufführung des Hippolytos von Euripides zuerst in der Ursprache, später 2. T. in der Ubersetzung**) des Oberlehrers Otto Altendorf ins Auge gefasst. Indes wurde am 27. Juni 1905 infolge von Ereignissen, die eine weitergehende Festlichkeit in diesem Jahre untunlich erscheinen liessen, von einer solchen abgesehen und diese in das Jahr 1907 verlegt. Der im Herbste 1906 eintretende Wechsel in der Anstaltsleitung, der zeitraubende umfangreiche Vorbereitungen ausschloss, und die vorhergehende glanzvolle Universitätsfeier drängten von selbst zu einer mehr internen Feier in bescheidenen Grenzen, und das um so mehr, weil die ganze Arbeitslast auf den Schultern der Mitglieder des Lehrerkollegiums ruhte. Ein Festausschuss früherer Schüler, der nach altem Brauche die Hauptfestlichkeiten hätte in die Hand nehmen können, bildete sich trotz mancherlei An- regungen leider in Giessen nicht. Von einer schriftlichen Einladung der ehemaligen Schüler

*) Zur Erinnerung an die dritte Jahrhundertfeier der Grossherzoglich Hessischen Landesuniversität in den Tagen vom 31. Juli bis zum 3. August 1907. Giessen, Hof- und Universitätsdruckerei Otto Kindt.

**) Die Übersetzung ist 1000 bei B. G. Teubner in Leipzig erschienen.