Jahrgang 
1859
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Feinſchmeckers Catius(II, 4) iſt in analoger Weiſe durchgeführt. Horaz unterhält ſich mit ſeinem Pedanten, und läßt ihn ſeine Weisheit ſelbſt vortragen mit aller Weitſchweifigkeit, Wichtigthuerei und Kunſtloſigkeit, wie ſie ihm eigen war. Er traveſtiert mithin die Rede ſeines Gaſtronomen, was namentlich in dem iro⸗ niſchen Schluß des Ganzen aufs deutlichſte hervortritt. Ebenſo wird imDavus(II, 7) der After⸗ ſatiriker perſifliert, gleichfalls traveſtierend. Obgleich die Scene am Saturnalienfeſt ſtatt findet, ſo will doch Davus ſeine Geiſelung des Horaz ernſtlich verſtanden wißen. Dadurch daß der Dichter uns dieſelbe naturgetreu referiert mit Hervorhebung des Abgeſchmackten, wird ſie erſt komiſch. ³*) Auch die 9. Sat. des 1. Buchs iſt hierher zu ziehen, eine Karrikierung eines zudringlichenFlachkopfs ⁴⁰) mit der After⸗ bildung eines Petitmaitre und Salonmenſchen, der Tanzen, Singen, die Fertigkeit, über alles mit zu reden, auch Verſe zu machen, für die einzig wahre Bildung hält, ſich dem Horaz ebenbürtig glaubt, dabei von einer naiven Gemeinheit der Geſinnung iſt, welcher keine Ahnung hat, daß in Mäcens Hauſe ein anderer Geiſt herſchen könne, und den die Gerichts⸗Scene(am Schluß) zugleich als einen Lump darſtellen ſoll, als welcher er wenigſtens von ſeinen Gegnern behandelt wird. Schließlich will ich noch einmal auf die 5. Sat. des 2. Buchs zurückkommen. Hier hat Wieland nemlich Traveſtierung finden wollen, wo nach meiner Anſicht dieſelbe nicht am Platze wäre, da weder die Perſonen des Odyſſeus und Tireſias an ſich, noch auch die von Homer erwähnte Unterredung der beiden Helden ins Lächerliche gezogen werden ſoll. Und wäre wirklich dies der Fall, ſo könnten wir dem Geſchmack und Sittlichkeitsgefühl unſers Dich⸗ ters kein günſtigeres Zeugnis ausſtellen, als einem Blumauer bezüglich ſeiner traveſtierten Aeneide, der das Würdige lächerlich gemacht. Von derartigen Traveſtien findet ſich bei Horaz nirgends eine Spur. /4¹) Tireſias erſcheint in dieſer Fabel durchaus als Ironiker; mithin iſt der Unterricht, den er dem Odyſſeus in der Kunſt ertheilt, hauptſächlich durch Erbſchleicherei ein ruiniertes Vermögen wieder zu reſtaurieren, als Satire auf eine der abſcheulichſten Zeitrichtungen zu faßen.

f) Die ſatiriſche Parodie iſt der Traveſtierung nahe verwandt. Wenn ſich Horaz dieſer Form bedient, ſo hat ſie gewöhnlich den Zweck der humoriſtiſchen Selbſtgeiſelung. Ich führe als Beiſpiel an: A. P., 419 421. Hier warnt er die angehenden Poeten vor elenden Schmeichlern, indem dieſe, in der Hoffnung, etwas zu erhaſchen, durch ſchalkhafte Lobhudeleien einem reichen Dichter leicht den Kopf ver⸗ drehen könnten. Um nun den Schein zu vermeiden, als gerathe er in den ernſten Lehrton hinein, wendet er auf den Reichthum des Dichters ganz dieſelben Worte an, die er an einer andern Stelle(Sat. I, 2, 13) von einem reichen Wucherer prädiciert. So verſteht er es, durch dieſes Mittel angenehmer Unter⸗ haltung den Uebertreibungen des Erhabenen entgegen zu wirken. Auf gleicher Linie ſteht die Stelle Sat. I, 1, 114, wo der Dichter durch das Parodieren einiger Verſe aus Virg. Georg. zu erkennen gibt, daß er nicht im Moraliſieren feſt gefahren, ſondern daß er frei über ſeinem Gegenſtande ſchwebt. ¹²) So vermuthlich auch I, 1, 68 und I, 2, 37 und 38.

Zuweilen weiß er auch drollige Scenen durch den Contraſt des Parodierens in ihr rechtes Licht zu ſtellen, wie Sat. I, 5, 51 58, wo der poſſierliche Wettſtreit zwiſchen Meſſius Cicirrus, dem Hof⸗ narren des Coccejus, und dem Poſſenreißer Sarmentus mit epiſcher Gravität unter Anrufung der Muſe eingeführt wird. Jene Parodie des epiſchen Tons, welche in dieſer Stelle auch in der genealogiſchen

*0) Die Herausgeber ſind hier ſämmtlich anderer Anſicht. ¹0) wie Döderlein denſelben gut characteriſiert. *¹) Eben ſo wenig paſst die von Weber gewählte BezeichnungParodie..

⁴2²) Weber findet hier eine Parodie unſtatthaft, und meint, Horaz wolle nur durch dieſe Reminiscenz ſeinem Freunde Virgil ein Compliment machen.