Jahrgang 
1841
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Jahre nachher wieder etwas beſſerten, hier ein Privatinſtitut, durch welches er ſich bei fort⸗ dauerndem Siechthum eine neue ſegensreiche Wirkſamkeit ſchuf, und deſſen ſchönes Gedeihen, in dem ſich die allgemeine Anerkennung ſeiner Bemühungen bewährte, in die letzten leiden⸗ vollen Jahre einige Erheiterung brachte. War Völcker's Wirkſamkeit am Gymnaſium mehr eine didaktiſche geweſen, ſo zeigte er ſich jetzt vorzugsweiſe als erfahrnen und denkenden Päda⸗ gogen, wie dieß die Einrichtung ſeines Inſtitutes, die guten Erfolge derſelben und die bei mehreren Gelegenheiten von ihm öffentlich dargelegten pädagogiſchen Grundſätze beweiſen. Völcker war von reinem, ächt wiſſenſchaftlichem Eifer für die von ihm erwählten philologiſchen Studien beſeelt, und widmete ſo lange es ſeine Kräfte erlaubten, ſtets ſeine Mußeſtunden den⸗ ſelben in größerer Ausdehnung und mit wärmerer Liebe, als es die bloßen Bedürfniſſe des Amtes erfordert hätten. Es war beſonders die griechiſche Mythologie und Mythengeſchichte, die ſachliche Erklärung der homeriſchen Geſänge, namentlich die homeriſche und überhaupt die mythiſche Geographie, welche er zu Gegenſtänden ſeiner Studien erwählte. Die Reſultate ſeiner Forſchungen hat er auch öffentlich bekannt gemacht. Außer vielen, in Zeitſchriften erſchienenen Aufſätzen und einigen Gelegenheitsſchriften, von welchen letzteren wir nur die Abhandlung über die Bedeutung vonvxſj und lSolo⸗ in der Jlias und Odyſſee. Gießen 1825. erwähnen, erſchienen von ihm folgende größere Schriften:

Die Mythologie des iapetiſchen Geſchlechtes. Gießen 1824.

Ueber homeriſche Geographie und Weltkunde. Hannover 1829.

Ueber mythiſche Geographie. Leipzig 1831..

Die in dieſen Schriften, beſonders in den beiden letztern niedergelegten ſcharfſinnigen Unterſuchungen erregten die Aufmerkſamkeit der Gelehrten und werden Völcker's Andenken in größern Kreiſen erhalten, während er denen, welche ihn näher kannten, auch wegen ſeines edeln Charakter's und ſeiner Wirkſamkeit als Lehrer und Erzieher unvergeßlich bleiben wird.

Die Zahl der Schüler des Gymnaſiums betrug am Schluſſe des Winterſemeſters 1839 60 151, während des Sommerſemeſters 1840 ſtieg ſie auf 161, und am Ende des Winterſeme⸗ ſters 184%¾ beträgt dieſelbe nach mehrfachen im Laufe des Winters erfolgten Zu⸗ und Ab⸗ gängen*) 194. Dieſe 194 Schüler ſind folgendermaaßen in die einzelen Claſſen vertheilt: Vorbereitungsklaſſe 48, Sexta 49, Quinta 29, Quarta 11, Tertia 27, Secunda 18, Prima 12. Wenn hiernach in dieſem Augenblicke die beiden unterſten Claſſen als etwas ſtark beſetzt erſcheinen, ſo wird ſich dieß Verhältniß theils ſchon durch die zu Oſtern Statt findenden

*) Hierunter beſindet ſich leider auch ein uns durch den Tod entriſſener Schüler, Robert Stammler, Sohn des Regierungsraths Stammler dahier, geſtorben am 9. Februar d. J. in einem Alter von

16 Jahren. Die allgemeine Liebe und Achtung, in welcher dieſer Jüngling wegen ſeiner guten Ge⸗ ſinnung und unverdorbnen Sitten bei Lehrern und Mitſchülern ſtand, ſprach ſich bei ſeinem Leichen⸗ begängniſſe aus.