Jahrgang 
1917
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III. Zur Geschichte der Anstalt.

setzung des Herrn Direktors Prof. Dr. Seidenberger an die Realschule und das Progymnasium nach

urn Bingen mitgeteilt. Trotzdem sei heuer nochmals auf diese Versetzung eingegangen, um den innigsten Dank des Lehrerkollegiums gegenüber Herrn Direktor Seidenberger zum Ausdrucke zu bringen, dass er es allzeit verstand sein Amt in liebenswürdigem Entgegenkommen gegenüber den Lehrern unserer Anstalt auszuüben und Eintracht und Har- monie im Kollegium hochzuhalten und zu fördern.

Wie die Lehrer der Anstalt so sahen auch die Schüler den lieben Freund der Jugend nur ungern scheiden und werden ihm allezeit ein treues Andenken bewahren. Im gesellschaftlichen Leben Gernsheims riss sein Fortgang eine empfindliche Lücke.

Wie man aber sein amtliches Wirken in der Bürgerschaft schätzte, dafür möge das folgende Schreiben der Bürger- meisterei Gernshneim an Herrn Direktor Seidenberger einen treffenden Beleg bieten:

Hochverehrter Herr Direktor!

Die Stadt Gernsheim, in der Sie als Direktor der Grossh. Realschule gewirkt haben, sieht Sie ungern scheiden.

Ihr einfacher Sinn und das Gebot der schweren Zeit schliesst eine Abschiedsfeier aus, und so ist es dieser Weg, auf dem wir Ihnen, verehrter Herr Direktor, ein dankbares Lebewohl zurufen wollen.

Ihr Scheiden von hier ist für die Stadt Gernsheim in vielerlei Beziehung ein schwerer Verlust. Sie waren uns allezeit ein hochgeschätzter Mitbürger und ein treuer Freund unserer Stadt.

Oft und dankbar werden wir uns Ihres Amtes als Archivar der Stadt Gernsheim erinnern, einer Arbeit, die nur der leisten kann, der nicht bloss der Vergangenheit gern seine Studien widmet, sondern der auch der jetzigen Generation und den heutigen Verhältnissen Interesse und Liebe entgegenbringt. Und dies war es, was wir bei Ihnen so hoch geschätzt haben.

Sie kannten und würdigten die Opfer, die Gernsheim für die Realschule zu bringen hat; dementsprechend waren Ihre Wünsche und Ansprüche für die Schule stets be- scheiden und von diesem Bewusstsein getragen.

So herrschte zwischen der Direktion der Realschule und der Stadtverwaltung das schönste Einvernehmen, an das wir gern zurückdenken werden.

Der Name Direktor Dr. Seidenberger wird hier allezeit in dankbarster Erinnerung bleiben.

Mögen Sie, hochverehrter Herr Direktor, in Ihrem neuen Wirkungskreise sich recht wohl fühlen und noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische Ihres Amtes walten zum Segen der deutschen Jugend.

Mit hochachtungsvoller Begrüssung! Der Grossh. Beigeordnete: Der Grossh. Bürgermeister: Herbert. Hoffmann. Der Vertreter der Domanial-Verwaltung: Petith, Grossh. Forstmeister. Der Stadtrat:

Mergler. Bopp. Fischer. Staab. Müller. Wittmann. Medicus. Dr. Ehrmann. CGerlach.

Zunächst verwaltete nun Herr Prof. Dörr die Stelle des Direktors, da der neu ernannte Direktor Dr. Denig sein Amt noch nicht antrat. Er musste, wie die nachfolgenden Darlegungen zeigen, die Vertretung unter recht schwierigen Verhältnissen führen, um so grösser ist dann auch der Dank für diese Wirksamkeit.

Da Frl. Gerbig am Schlusse des vorigen Schuljahres in den Privatdienst übertrat, mussten die gesamten Unterrichts- stunden auf nur sieben Lehrkräfte verteilt werden. Es wur- den daher vielfach Klassen combiniert, auch fiel eine An- zahlLehrstunden aus. Erst als am 13. Mai 1916 die Schul- amtsaspirantin Frl. Grete Bundschuh an unsre Anstalt kam, konnte hier Abhilfe geschaffen werden.

Immerhin war die Stundenverteilung noch vielfach recht ungünstig.

Vom 16. Mai ab musste Herr Prof. Uhl wegen Er- krankung Urlaub nehmen; seine Vertretung übernahm Herr Lehramtsreferendar Dr. Kröning, der bis zu Beginn der Sommerferien hier tätig war.

Am 15. Juni wurde das Pensionierungsgesuch des Herrn

Direktors Dr. Denig genehmigt.

Nach den Sommerferien trat an Stelle des Herrn Dr. Krö- ning der bereits hier früher tätig gewesene Herr Lehramts- assessor Gundermann. Dieser war am 26. Juni 1915 zum Heere einberufen worden und nach seiner militärischen Aus- bildung beim Inf.-Reg. 168 nach Russland gekommen.

Den serbischen Feldzug machte er bis zur Einnahme von Semendria am 9. Oktober 1915 mit. Infolge eines Sturzes kam er am 15. Oktober ins Lazarett nach Deutschland und wurde nach seiner Heilung vom Militärdienste entlassen.

Herrn Prof. Wollweber hatten die Sommerferien für seine geschwächte Gesundheit nicht Erholung genug geboten, so dass er auf längere Zeit beurlaubt werden musste. An seine Stelle trat Herr Lehramtsreferendar Leib.

Gleichzeitig trat der am 15. Juni zum Direktor der An- stalt ernannte Prof. Dr. Ledroit seinen Dienst an. Es konnte dies nicht früher geschehen, weil er noch im mili- tärischen Dienstverhältnisse stand, aus dem er dann wegen Krankheit bis 31. März 1917 beurlaubt wurde.

Nun waren wieder so viel Lehrkräfte an der Anstalt, dass ein geordneter Dienstbetrieb eher möglich wurde. Im- merhin mussten noch einige Lehrstunden ausfallen und die Herren mit Stunden recht belastet werden.

Dass sie alle diese Belastung in anbetracht des Kriegs gerne und willig übernanmen, muss hier dankbar aner- kannt werden. Wesentliche Aenderungen im Stundenplane gab es nun nicht mehr. Zwar wurde klerr Assessor Leib vierzehn Tage vor Beginn der Weihnachtsferien nach Nau- heim versetzt, aber zu seiner Vertretung kam zunächst Herr Lehramtsassessor Zerbes und nach den Weihnachts- ferien übernahm der wieder genesene Fierr Prof. Uhl seine Unterrichtsstunden.

Auch im Religionsunterrichte gab es mancherlei Wechsel. Herr Benefiziat Belz verliess am 30. November nach kurzer aber erfolgreicher Tätigkeit unsre Anstalt und Hierr Bene- fiziat Braun trat am 1. Dezember an seine Stelle.

Für den Ende des Jahres erkrankten Herrn Pfarrer Vogel übernahm Herr Pfarrer Wagner aus Stockstadt die Ertei- lung des evangelischen Religionsunterrichtes. Auch an dieser Stelle sei dem hochw. Herrn Pfarrer nochmals für diese Liebenswürdigkeit gedankt.