Jahrgang 
1927
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Liedgesang, Körperschule, Laufschule und Spiel bildeten nebst eingefügten Belehrungen über den körper- und persönlichkeitsbildenden Wert der einzelnen Übungen im allgemeinen die Grundlage für den Aufbau der Turnstunden, deren fiauptziel darin bestand, die Schüler mit echtem deutschem Jungturnertum im Sinne Jahns und Neuendorffs vertraut zu machen und sie gegen die in letzter Zeit sich mehrenden Auswüchse einer übertriebenen Körperkultur zu wappnen und vor Verfehlungen zu bewahren(s. Schülerturnverein).

Zur Pflege der Turnspiele standen wöchentlich 8 Unterrichtsstunden zur Verfügung, die sich auf 4 Spielgruppen mit je 2 Wochenstunden verteilten. Geübt wurden vor allem Schlagball nebst den dazugehörigen Vorbereitungsspielen, ferner Schleuderball und die volks- tümlichen Ubungen. Selteneren Ubungsstoff bildeten die übrigen Kampfspiele wie fandball, Fußball, Faustball u. a. m. Das eifrige UÜben der einzelnen Abteilungen wurde durch die Freude über die ehrenvolle Teilnahme an den Preußenspielen und mit dem guten Verlauf der zum erstenmale im Rahmen der Schule veranstalteten Reichsjugendwettkämpfe belohnt.

Mehrere Male fanden Geländespiele statt. Zum Wintersport bot der vergangene Winter in der hiesigen Gegend keine Gelegenheit. So oft es die Witterung während des Sommers erlaubte, wurde ein Teil der Turn- oder Spielstunden zum Schwimmen bezw. Baden im Rhein verwandt. Die Zahl der Freischwimmer stieg um 4%. Zum Rudern ist die Möglich- keit durch den Schülerturnverein gegeben.

9) Freie Arbeitsgemeinschaften.

Zu Beginn des Schuſjahres wurden 6 Arbeitsgemeinschaften gebildet, in denen folgende Stoffe behandelt wurden:

1. Philosophische Arbeitsgemeinschaft: Platon:Von dem Worte und von der Wahrheit; René Descartes:Ober die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis; Kant:Die transcendentale Asthetik: Raum, Zeit; Wundt:Kriterien der Gewißheit.(1 Wochen- stunde während des ganzen Schuljahres).

2. Englische Arbeitsgemeinschaft: Conversation über: Modern English Life; Englands

Stellung im Weltkrieg(1 Wochenstunde während des ganzen Jahres).

Physikalische Arbeitsgemeinschaft: Elektrizität.(1 Wochenst. während des ganzen Jahres). Chemische Arbeitsgemeinschaft: Darstellung organischer Präparate.(1 Wochenstunde während des ganzen Jahres).

5. Biologische Arbeitsgemeinschaft: a) Sommerhalbjahr: Pflanzengemeinschaften, Pilzkunde und Demonstrationen am Bienenstande; b) Winterhalbjahr: Besprechung fertiger Prä- parate u. ä.(2 Unterrichtsstunden 14tägig).

6. Geschichtl. Arbeitsgemeinschaft: Reformationszeit.(1 Wochenst. Nach ¼ Jahr eingestellt).

Die Arbeit in den einzelnen Gruppen wurde außerordentlich erschwert durch den Mangel

an technischen flilfsmitteln und geeigneter Literatur.

h) Wahlfreier Unterricht.

1. Wahlfreies Zeichnen. Malen: Tempera, Zeichnen mit Feder und Holz. Arbeiten: Drucken von Linolschnitten. Bemalen von Kästen nach vorherigem Entwurf; Silhouettenschneiden.

2. Werkunterricht: Im Winterhalbjahr fanden als Einführung in das Buchbinden Übungen in Papparbeit statt. Die zu verarbeitenden Tunkpapiere wurden von den Schülern selbst hergestellt. Gearbeitet wurden Zierkasten, Schreibmappe und Ampel.

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