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4. Schulgebäude. Die für den Unterricht und die Lehrmittelsammlungen vor- handenen Räumlichkeiten sind bei der in den letzten Jahren stetig gestiegenen Schülerzahl allmählich recht beschränkt geworden und zum Teil nicht mehr ausreichend. Um der augen- blicklich grössten Not abzuhelfen, wurde der Realschule ein bislang von der Volksschule benutztes geräumiges Zimmer im Rathause als Klassenzimmer der Sexta zur Verfügung ge- stellt. Ausserdem ist die Mitbenutzung der grossen Turnhalle der neuen Volksschule für die Realschule beschlossen worden. Wenn auf diese Weise nun auch etwas mehr Raum geschaffen ist, so ist leider damit der Uebelstand verbunden, dass die Schule ihre Arbeit an drei verschiedenen Stellen der Stadt zu verrichten hat.
5. Schulfeiern. Der Geburts- und Todestage der Hochseligen beiden Hohen- zollernkaiser wurde in den einzelnen Klassen in der üblichen Weise gedacht. Vor den Sommer- und Weihnachtsferien, sowie am Schlusse des Schuljahres wurde dem Herkommen gemäss eine aus Gesang, Deklamation und Ansprache bestehende kleine Schulfeier veran- staltet.— Am 1. Oktober fand im Saale des„Deutschen Hauses“ unter Mitwirkung der Kapelle des 2. Nass. Infanterie-Regiments Nr. 88 aus Mainz ein feierlicher Festakt statt zur Erinnerung an die Schlachten im Teutoburger Walde und bei Sedan. Eine grössere Anzahl von Mitgliedern der hiesigen Turngemeinde hatte sich in liebenswürdiger Weise zur Mitwirkung bereit eingefunden und stellte unter Leitung des Herrn Kunstmalers Franken- bach aus Wiesbaden eine Reihe auf das Fest bezüglicher lebender Bilder(Römische Krieger auf dem Marsche in Germanien; Germanen den Heldenliedern lauschend; Kampfesszene zwischen Germanen und Römern; Die deutsche Jugend huldigt Germania). Die Festreden hielten die Herren Oberlehrer Harsy(Hermannsschlacht) und Schreiner(Schlacht bei Sedan). Der Festakt, zu dem sich eine überaus zahlreiche Menge von Freunden der Anstalt aus dem Rheingau eingefunden hatte, verlief in schönster Weise.— Den Allerhöchsten Geburtstag beging die Schule durch einen grossen Festakt im Saale des„Deutschen Hauses“. Zahl- reiche geschätzte Gäste aus Geisenheim und den benachbarten Rheingauorten beehrten uns mit ihrer Anwesenheit. Die Festrede, welche Herr Prof. Dr. Rauch übernommen hatte, behandelte die Entwickelung des deutschen Städtewesens in früherer Zeit und die Stein'sche Städteordnung.— Die Turnfahrt der Realschule wurde am 10. September in 4 Abteilungen unternommen. Die obere Abteilung(I und II) fuhr über Frankfurt und Homburg und wan- derte, nach eingehender Besichtigung der Saalburg längs des Limes nach dem Feldberg und nach Königstein; III und IV hatten als Zielpunkte Stromberg, Rheinböllen und Bacharach gewählt; die Quinta durchwanderte das Morgenbachtal; die Sexta machte einen ausgedehnten Waldspaziergang und kehrte über Stephanshausen zurück.
6. Prüfungen. Der schriftliche Teil der Schlussprüfung fand in den Tagen vom 11. bis 15. Februar statt. Die mündliche Prüfung wurde unter dem Vorsitz des Unter- zeichneten, dem hierfür die Geschäfte des Königlichen Kommissars übertragen waren, am Montag, den 7. März, abgehalten. Es waren in dieselbe alle 15 Primaner eingetreten, die sämtlich für reif erklärt werden konnten.
7. Ferien. Die Ferien dauerten zu Pfingsten vom 28. Mai bis 6. Juni, im Sommer vom 16. Juli bis 16. August, im Herbst vom 2. bis 13. Oktober, zu Weihnachten vom 23. Dezember bis 6. Januar einschliesslich.— Wegen der grossen Hite musste der Nach- mittagsunterricht einigemale ausgesetzt werden.


