Jahrgang 
1897
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2. Kuratorium.(S. S. 3.) Im Bestande desselben ist eine doppelte Veränderung erfolgt. Der Rheingaukreis wählte zu seinem Vertreter für den verstorbenen Herrn Dr. med. Caster(s. vor. Jahresbericht S. 17) Herrn Fabrikbesitzer Joseph Krayer in Johannisberg. Leider verloren wir auch in diesem Jahre ein eifriges Mitglied, Herrn Kaufmann Karl Söhnlein sen., der nach kurzem Krankenlager am 23. Januar d. J. verstarb; dem teuren Verblichenen werden wir stets ein chrenvolles Angedenken bewahren! An seine Stelle trat durch Wahl des Magistrats Herr Weinhändler Konrad Gundlach in Geisenheim.

3. Lehrerkollegium. Am Schlusse des Schuljahres 1895/96 verliessen uns die Herren Oberlehrer Hülskötter und Hülfslehrer Uelentrup, von denen der erste eine Lehrer- stelle an der Landwirtschaftsschule zu Lüdinghausen, der zweite eine Hülfslehrerstelle an der Oberrealschule zu Bochum übernahm. Berufen wurden in die erledigten Stellen Herr Hülfslehrer Gustav Nägler vom Königlichen Realprogymnasium zu Biedenkopf und Herr Hülfslehrer Ludwig Schneider vom Progymnasium zu Höchst a. M. Mit lebhafter Befriedi- gung sei hier darauf hingewiesen, dass während des abgelaufenen Schuljahres keinerlei Unterbrechungen des Unterrichts durch Lehrerwechsel vorgekommen sind.

4. Schulfeiern. Die Geburts- und Sterbetage der in Gott ruhenden Hohen- zollernkaiser Wilhelm J. und Friedrich III. beging die Anstalt im Kreise von Lehrern und Schülern in der Aula durch würdige Gedenkfeiern, bei denen neben einer Ansprache Gesänge und Gedichte, die der Bedeutung des Tages entsprachen, zum Vortrage gelangten. Die Gedächtnisrede am 15. Juni hielt der Direktor, am 18. Oktober Herr ülfslehrer Nägler und am 9. März Herr Hülfslehrer Schneider. Den hundertjährigen Geburtstag Seiner Majestät des Hochseligen Kaisers Wilhelm I. feierten wir vor zahlreich erschienenen Gästen durch einen Festakt, der von hoher patriotischer Begeisterung getragen war. Gesangsvorträge wechselten mit Deklamationen, besonders gefielen die beiden FestspieleNornblumen und Lorbeer aus dem Daheim undNach der Schlacht am Mont Valérien von R. Rackwitz. Die Festrede des Direktors pries das Gottvertrauen, sowie den hoheitsvollen und doch schlicht-demütigen Sinn des greisen Heldenkaisers, dem es beschieden war, den heissen Traum aller Vaterlandsfreunde nach einem einigen deutschen Kaiserreiche zu erfüllen.

Den Allerhöchsten Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs hat das Realprogymnasium in herkömmlicher Weise durch einen Festaktus in der prächtig geschmückten Aula begangen. Die Feier, welche viele Freunde und Gönner der Anstalt mit ihrem Besuche beehrten, nahm einen der hohen Bedeutung des vaterländischen Fest- tages entsprechenden, würdigen Verlauf. Die Schüler leisteten auch hier durch Chor- gesänge, Deklamationen, Klavier- und Violinvorträge ihr Bestes, Herr Oberlehrer Martin würdigte in seiner Festrede die hohen Eigenschaften Seiner Majestät.

In herkömmlicher Weise fanden auch in diesem Jahre Deklamatorien, die durch Gesang- und Musikvorträge verschönt wurden, im engen Kreise der Schule statt und zwar 1) Frühlingsfeier am 23. Mai, 2) Sommerfeier am 14. August und 3) Weihnachtsſeier am 23. Dezember.