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Feſtrede die allmähliche Entwickelung der Kaiſeridee, die, nie in der deutſchen Volksſeele entſchlummert, ſchon in den erſten Dezennien unſeres Jahrhunderts kräftig Wurzeln ſchlug und inmitten des letzten Krieges verwirklicht wurde.
In herkömmlicher Weiſe fanden auch in dieſem Jahre Deklamationen und Geſangesvorträge vor verſammelten Lehrern und Schülern ſtatt und zwar: 1) Frühlingsfeier am 12. Mai, 2) Som⸗ merfeier am 14. Juni, 3) Schlußſeier am 11. Auguſt, 4) Herbſtfeier am 29. November, 5) Weih⸗ nachtsfeier am 22. Dezember und 6) Entlaſſungsfeier, die am 4. April abgehalten werden wird.
In den erſten ſchönen Tagen des Frühjahrs benutzten je 2 Klaſſen einen freien Nachmittag zu einem Spaziergang: die Sertaner und Quintaner zogen nach Marienthal, die Quartaner und Untertertianer nach Stephanshauſen, die Obertertianer und Sekundaner über Schloß Johannisberg und Schloß Vollrads nach Hallgarten und Hattenheim.— Am Gedenktage der Schlacht bei Belle⸗ Alliance beſuchte die ganze Schule den Niederwald; am Fuße des Nationaldenkmals trug der Geſang⸗ chor einige von Begeiſterung getragene patriotiſche Lieder vor, worauf der Berichterſtatter ein Hoch auf das Kaiſerhaus und das deutſche Volk ausbrachte. Nach Beſichtigung der Glanzpunkte des Niederwaldes verbrachte die Schule noch eine durch Geſang und Vorträge verſchönte Stunde am Jagdſchloß.— Die diesjährige Turnfahrt, an der ſich eine große Anzahl von Gäſten beteiligte, fand, vom herrlichſten Wetter begünſtigt, am 31. Juli nach dem idylliſch gelegenen Schlangenbad ſtatt. Am Morgen benutzten wir die Bahn nach Niederwalluf, von wo es mit einem Trommler⸗ und Pfeifercorps an der Spitze in längerem Marſche, zumeiſt auf Waldwegen, zum„Grauen Stein“ ging, in deſſen Nähe das Frühſtück eingenommen wurde. Alsdann erfolgte unter dem Geſange froher Wanderlieder der Weitermarſch über Georgenborn nach Schlangenbad, wo im Saalbau Bremſer das Mittagsmahl prächtig mundete; nach dem Kaiſertoaſt des Direktors gelangten Gedichte und Lieder ernſten und heiteren Inhalts zum Vortrag. Herrliche Wege durch Wald und Wieſengrund führten dann die muntere Schar nach Rauenthal— hier harrte unſer im Garten des Herrn Weber der Kaffee— und über Kiedrich nach Erbach; im Gaſthof zum Engel verbrachten wir noch einige gemütliche Stunden. Um 9 Uhr abends langten die Teilnehmer, denen der Tag ſicherlich in ange⸗ nehmer Erinnerung bleiben wird, wieder in der Heimat an!— Am 18. März machten die Abi⸗ turienten unter Führung ihres Ordinarius einen Ausflug nach dem Rochusberg.
5. Schulbetrieb. Der geregelte Gang des Unterrichts wurde nicht unterbrochen, indem der Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülern bis auf vereinzelte Ausnahmen ein durchaus zufrieden⸗ ſtellender war.— Herr Oberlehrer Sauerborn nahm vom 2. bis 14. April in Göttingen an dem naturwiſſenſchaftlichen Ferienkurſus für Lehrer höherer Schulen teil.— Die Pfingſtferien dauerten vom 13. bis zum 21. Mai, die Herbſtferien vom 12. Auguſt bis zum 16. September, die Weih⸗ nachtsferien vom 23. Dezember bis zum 7. Januar.— Ausgeſetzt wurde der Unterricht wegen großer Hitze am Nachmittage des 2., 23. und 24. Juli.
Am 13. Oktober beehrte Herr Provinzial⸗Schulrat Dr. Paehler die Anſtalt mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterricht bei allen Lehrern und in ſämtlichen Klaſſen bei.
6. Reifeprüfung. Nachdem vom 5. bis zum 9. Februar 7 Schüler der Unterſekunda ihre ſchriftlichen Prüfungsarbeiten angefertigt hatten, wurde am 14. März die mündliche Prüfung unter dem Vorſitze des Herrn Provinzial⸗Schulrats Dr. Paehler als Königlichen Kommiſſars und in An⸗ weſenheit des Herrn Bürgermeiſters Fiebig, der das Kuratorium vertrat, abgehalten.


