III. Ghronili der
1. Eröffnung des Schuljahres. Am 10. April begann das neue Schuljahr mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler. Der Tag iſt inſofern für die Organiſation der Schule von großer Bedeutung, als mit Genehmigung der hohen vorgeſetzten Behörden der Beſchluß des Kuratoriums, die Umwandlung der Anſtalt in eine Realſchule mit wahlfreiem Unterricht im Lateiniſchen für die drei unteren Klaſſen betreffend, zur Ausführung gelangte. Möge dieſer Schritt, der vielſeitig geäußerten Wünſchen entſpricht, für die Entwickelung der Lehranſtalt von günſtigem Erfolge begleitet ſein!
Von den im Schuljahre aufgenommenen 38 Sextanern nahmen 27 an dem Kurſus der Real⸗ ſchule teil, während 11 Schüler ſich am lateiniſchen Unterricht beteiligten.
2. Ruratorium. Die Zuſammenſetzung des Kuratoriums erfuhr im Vergleiche zum Vorjahre keine Veränderung(ſ. Seite 2).
3. Lehrerkollegium. Durch Kabinetsordre d. l. Hubertusſtock, vom 11. Oktober 1893, ge⸗ ruhten Seine Majeſtät der Kaiſer und König Allergnädigſt, den bisherigen Dirigenten als Direktor des in der Umwandlung zur Realſchule begriffenen Realprogymnaſiums zu beſtätigen.
Der Herr Unterrichtsminiſter verlieh dem Oberlehrer Meyer das Prädikat„Profeſſor“.
Oberlehrer Ewald, der ſeit Herbſt 1892 betreffs Übernahme in den Schulaufſichtsdienſt be⸗ urlaubt war, ſchied am 1. Januar 1894 aus dem Kollegium aus, da er zu dieſem Termine zum Königlichen Kreisſchulinſpektor in Saarbrücken ernannt wurde.
In ſeine Stelle trat Dr. Rauch als Oberlehrer ein, welcher bis dahin die Vertretung über⸗
nommen hatte.
Jakob Rauch, geboren am 31. Auguſt 1852 zu Hadamar, katholiſcher Konfeſſion, beſuchte das Königliche Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, welches er Oſtern 1873 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Nachdem er zunächſt 3 Jahre an der höheren Bürgerſchule zu Weſthofen in Rheinheſſen beſchäftigt ge⸗ weſen war, genügte er ſeiner Militärpflicht als Einjährig⸗Freiwilliger im Füſilier⸗Regiment Nr. 80 in Wiesbaden. Nach dreijähriger unterrichtlicher Thätigkeit am Internationalen Inſtitut nebſt Handelsſchule in Bruchſal ſowie in einer Privatſtellung in Pommern widmete er ſich von Oſtern 1883 ab auf den Univerſitäten München, Heidelberg und Marburg vornehmlich hiſtoriſch⸗geographiſchen und romaniſchen Studien. Am 15. Februar 1889 beſtand er in Marburg das Examen pro facnltate docendi. Sein pädagogiſches Probejahr legte er am Königlichen Gymnaſium in Hadamar von Oſtern 1889 bis dahin 1890 ab. Nach 2 ½jähriger Thätigkeit an der höheren Stadtſchule zu Kerpen bei Köln wurde ihm eine Vertretung am Realprogymnaſium zu Geiſenheim übertragen. Seine Ernennung zum Doktor der Philoſophie erfolgte am 21. Juli 1892 von der Univerſität Jena auf Grund der Diſſertation: Kritiſche Bemerkungen zu einigen Quellen der Geſchichte Rudolfs von Habsburg.
4. Schulfeiern. Die Geburts⸗ und Sterbetage der Hochſeligen Kaiſer Wilhelm I. und Friedrich III. wurden durch eine Anſprache, ſowie durch Vortrag von der Bedeutung der Gedenkfeier angemeſſenen Geſängen und Gedichten im Kreiſe von Lehrern und Schülern in der Aula begangen. Die Gedächt⸗ nisrede am 15. Juni hielt Oberlehrer Martin, am 18. Oktober Dr. Rauch, am 9. März Profeſſor Meyer.
Zu dem Feſtaktus, der zur Feier des Allerhöchſten Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs in der prächtig geſchmückten Aula ſtattfand, hatte ſich ein ſehr zahlreiches Publikum aus


