ins Land der Franken fahren“. Herr Studienrat Pfeifer hatte zu 5 tägiger Wanderung aufgerufen. und alle folgten ihm freudigen Herzens. War das ein frisch-fröhlicher Marsch in der Frühe des 3. Juni von Gersfeld über die Hochfläche des Himmeldunkbergs hinüber nach Bischofsheim! Noch höre ich die flotten Klänge unserer emsigen Musikkapelle, die im Frankenstädtchen sich bald beifällige Anerkennung errang. Das„Schnauferl“ bringt uns„langsam, aber sicher“ durchs liebliche Brendtal nach Neustadt an der Saale. Das Bild einer stark befestigten mittelalterlichen Stadt tritt uns hier entgegen. Noch zeugt die alte Stadtmauer und der ragende Wartturm von der einst so starken Befestigung. Jenseits der Saale steigt, in machtvollen Ruinen sich darbietend, die aus Merowingerzeiten stammende Salzburg auf. Winfried-Bonifatius, der unserer Schule den Namen gab, hat hier nach geschichtlichem Bericht eine Synode abgehalten. Wir wandeln auf den Spuren des großen Organisators germanisch-christlicher Missionsarbeit. Bald nimmt uns der wohlerhaltene Torbogen auf und läßt uns in den äußeren Burghof eintreten. Die Geister der Ritter und Burgherren empfangen uns und erzählen von ruhmvoller Vergangenheit. Hier auf dem Rasenplatz sammelten sich die Ritter zum glanzvollen Turnier. Dort, an jenen Schießscharten, la- gerten sie in gefahrvollen Kampftagen, um den anstürmenden Feind von ihren Toren zu weisen. flier im Bergfried schmachtete so mancher Gefangene und harrte der Befreiung aus der Hand der zürnenden Burgherren. Dort im Rittersaal feierten sie ihre Feste bei Wein und Lied. Doch wir dürfen nicht lange träumen von vergangenen Zeiten. Es gilt, noch vor Einbruch der Nacht an un- ser Wanderziel zu gelangen. Die Nachmittagssonne brennt heiß auf die flachwellige sandige Landschaft nieder. Einige möchten ermatten. Da weiß unser Führer zu erzählen von viel härteren Marsch- strapazen auf Rußlands endlosen Sandwegen, die deutsche Soldaten in zäher Opferfähigkeit über- wanden. Jetzt nimmt uns der Wald in seinen kühlenden Schatten auf. Doch bald lichtet er sich wieder, und vor uns liegt, von der Abendsonne vergoldet, in stillem Frieden Bildhausen, das ehemals hochbedeutsame Zisterzienserkloster. Warum wohl die„weißen“ Mönche diese welt- entlegene Einsamkeit sich zur Heimat erkoren? Aus dem Urwald wollten sie Kulturland schaffen. wollten eine Musterwirtschaft entfalten, die für die Landbewohner vorbildlich sein sollte. Im wei- ten Umkreis war das Land dem Kloster hörig geworden. Die Ruinen künden von harten Tagen, die über das Kloster hereinbrachen. Der Bauernkrieg hat hier gewütet, hat viele Kulturwerte ver- nichtet. 1803 verfiel das Kloster der Säkularisation. Die Kirche wurde niedergerissen und als Steinbruch den benachbarten Bauern überlassen. Nur die Abtswohnung und der Konventsbau sind heute noch teilweise erhalten, im letzteren besonders gut der Bibliotheksaal. Ein Caritasapostel der neuesten Zeit, Dominikus Ringeisen, erwarb das gewaltige Anwesen des einstigen Zisterzien- serklosters vor nunmehr 30 Jahren als wirtschaftlichen Rückhalt für die viel bestaunten Anstalten zu Ursberg(bei Augsburg), wo die„Aermsten der Armen“(Kretinen, Blinde u. s. w.) in der Zahl von etwa 2000 untergebracht sind— auf evangelischer Seite bilden die Bodelschwingschen An- stalten zu Bethel ein Gegenstück. Die von Ringeisen begründete Genossenschaft der St. Josefs- schwestern bewirtschaftet das 1800 Morgen große Gut Bildhausen in musterhafter Weise. Ist das ein Staunen beim Rundgang durch' die verschiedenen Betriebe! Ein Staat im Staate. Alle Hand- werke sind hier vertreten und in fortschrittlichster Weise ausgebaut. Nach Beendigung unseres Rundgangs versammeln wir uns in der Kapelle. Denn die Zeit ist unterdessen herangekom- men. in der wir uns dem Wehen des Pfingstgeistes anheimgeben wollen. Drei Exercitientage ver- benen, uis in der Stille dieser andachtsvollen Einsamkeit, mit uns selbst und unserem Gott beschäftigt..
„Einsamkeit ist Seelennahrung, In der Stille wird dem Geiste Rechten Geistes Offenbarung.“
(Dreizehnlinden).


