Jahrgang 
1927
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VI. Chronik der Anstalt.

1. Das Schuljahr begann am 13. April 1926 mit der Prüfung der neu aufgenommenen Schüler; tags darauf fand für die Schüler der beiden christlichen Bekenntnisse je ein feierlicher Gottesdienst statt, dann wurden die einleitenden Geschäfte erledigt und die Schulgesetze in der Aula verlesen. Der regelmäßige Unterricht begann am 14. April. Das Schuljahr schloß am 9. April 1927.

2. Der Gesundheitszustand bei den Lehrern kann als zufriedenstellend nicht bezeichnet werden. In einer ganzen Reihe von Fällen waren Beurlaubungen wegen Krankheit erforderlich. Kombinati- onen und Vertretungen waren daher in großer Zahl nötig, zumal von Ostern bis Pfingsten eine volle Lehrkraft fehlte.

3. Anfang Mai spendete Herr Generaldirektor Cremer zu Gunsten der naturwissenschaftlichen Sammlungen einen Betrag von 500 Mk., für den ich ihm auch an dieser Stelle den wärmsten Dank im Namen der Anstalt ausspreche. Einen weiteren Betrag von 50 Mk. stifteten Frau Hede Gies und andere Damen, um einem begabten Schüler der unteren Klassen den weiteren Schulbesuch zu ermög- lichen. Auch ihnen sage ich verbindlichsten Dank für ihre Gabe.

4. Der von dem ersten Direktor des reorganisierten Kurfürstlichen Gymnasiums Dr. Nikolaus Bach(1835 41) im Jahre 1836 für die damaligen Verhältnisse mustergültig angelegte Katalog sowie die bisherige Anordnung unserer ca. 10.000 Bände umfassenden Lehrerbibliothek erwiesen sich schon seit längerer Zeit als nicht weiter ausbaufähig. Es wurde daher eine völlige Neuordnung und Neu- katalogisierung nach dem Muster der Jenaer Universitätsbibliothek in 3 Zettelkatalogen(System Seerig, Frankfurt a. M.) beschlossen. Diese umfassende und verdienstvolle Aufschließungsarbeit zu leisten, hat sich der jetzige Bibliothekar Studienrat Dr. Schmitthenner dankenswerterweise erboten. Leiden hat das Provinzialschulkollegium die dazu erforderlichen, im Vergleiche zu der Bedeutung der Arbeit geringfügigen besonderen Mittel(8 900 Mk.) nicht bewilligt. Nichtsdestoweniger haben wir die Arbeit in Angriff genommen.

5. An Schulfeiern sind zu nennen: Die Gedächtnisfeier für Karl Maria v. Weber am 8. Juni, die Verfassungsfeier am 11. August, die Pestalozzifeier am 17. Februar, die Entlassung der Abiturien- ten am 7. März und die stimmungsvolle Beethovenfeier am 26. März. Den Rabanustag begingen wir diesmal mit einer Feier in unserer Aula. Im Mittelpunkt stand die Festrede des Oberstudien- rates Dr. Lübeck überRabanus Maurus in seinem Leben und Wirken; sie war umrahmt von musi kalischen Darbietungen. Den Schluß bildeten eine Reihe von nur gesprochenen Faustszenen.

6. Am 2. und 3. September besuchte unser Dezernent, Herr Geheimer Regierungs- und Ober- schulrat Dr. Gerstenberg, die Anstalt.

7. Neben Schlagball-, Handball- und Fußballwettspielen mit andern Schulen fanden am 9. Sep- tember auf dem SpielplatzBleiche die Reichsjugendwettkämpfe im Verbande der Anustalt statt. Bei allgemeiner Beteiligung ergaben sich gute Leistungen.

8. Einen schönen Erfolg erzielte die Anstalt auch bei dem Segelflugmodell-Wettbewerb der Staatlichen Hauptstelle für den naturwissenschaftlichen Unterricht in Berlin. Drei Schüler erhielten Preise und zwar Wilhelm Gondrum, Ulb, einen Geldpreis von 100 Mk., Konrad Lammeyer, UII a, und Bernhard Lammeyer, Ola, Geldpreise von je 30 Mk. Dem Leiter der Arbeiten Studienassessor Dr. Westenberger wurde von dem Preisgericht ein Freiflug Erfurt-Frankfurt zuerkannt.

9. Gelegentlich der Reichsgesundheitswoche hörten die Schüler am 21. April vormittags zwei ärztliche Vorträge in der Aula und nahmen nachmittags an einem Festzug und anschließenden Spie- len aller Fuldaer Schulen teil. Am 27. November hörten die Schüler Rezitationen des Lektors der Vortragskunst an der Universität Marburg Dr. Fritz Budde. Am 9. Februar sprach gelegentlich der Werbewoche zu Gunsten des Vereins für das Deutschtum im Auslande Herr Zetsche vor den Schülern der 3 höheren Knabenschulen Fuldas im Stadtsaal. Der Frfolg der Geldsammlung war an unserer Anstalt erfreulich; es ergab sich die Summe von 488,50 Mk.