Jahrgang 
1906
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Professor Dr. Lahmeyer verlas sodann die eingegangenen Glückwunschschreiben und -Telegramme und gedachte dabei sehr warm des Mannes, der das Fest einst angeregt habe, aber leider nicht persönlich an ihm teilnehmen könne, nämlich des nunmehr am Gymnasium an Marzellen in Köln wirkenden Direktors Dr. Wesener.

Nach einem Gesange(Wanderers Abschied) stattete sodann der Berichterstatter zunächst den Vertretern der Königlichen Staatsregierung, insbesondere Sr. Exzellenz dem Herrn Ober- präsidenten, für die dem Gymnasium ausgesprochenen Glück- und Segenswünsche, sowie für die Ordensauszeichnungen den ehrerbietigsten Dank ab und dankte auch den übrigen Rednern und Abordnungen für ihre warmen und herzlichen Ansprachen. In engem Rahmen liess er alsdann die mehr als tausendjährige Geschichte der Gelehrtenschule an dem Geiste der Ver- sammlung vorüberziehen und wies zum Schlusse auf die idealen Aufgaben, Ziele und Leitsterne des Gymnasiums hin. Die Rede klang aus in ein dreifaches Kaiserhoch, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Mit dem Gesang der Nationalhymne schloß die harmonisch verlaufene Feier.

Mittags 12 Uhr vereinigten sich die Festteilnehmer zu einem musikalischen Frühschoppen im Bürgerverein, wo Oberlehrer Schlitt-Dittrich die Begrüssungsrede hielt, und abends von 8 Uhr ab zu einem geselligen Zusammensein in den Stadtsälen, zu dem auch die Angehörigen der Schüler und Festteilnehmer eingeladen waren. Der grosse Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Oberlehrer Marxhausen entbot den Anwesenden den Willkommengruss und brachte das Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König aus, Oberlehrer Bauwens hielt einen Trinkspruch auf die Damen, Geheimrat Dr. Knorz widmete sein Glas den Frauen und Töchtern des Lehrerkollegiums. In der begeistertsten Stimmung, unter Solovorträgen und gemeinsamen Liedern verlief der Abend, an dem sich das Band zwischen Schule und Elternhaus gewiss inniger geschlungen hat. Am anderen Tage fand noch ein Ausflug des Gymnasiums nach der Ausspann und dem Jägerhause in Bronzell statt, an dem die Angehörigen und Freunde der Schüler sich ebenfalls zahlreich beteiligten. Bei der Rückkehr wurde vor dem Kaiser Friedrich-Denkmal in Fulda durch ein dreifaches Kaiserhoch das Fest geschlossen.

So verlief die Jubelfeier des Gymnasiums in erhebender und begeisternder Weise und wird sicherlich für die Teilnehmer wie für die Schule nicht bloss eine angenehme Prinnerung hinterlassen, sondern auch Nutzen und Segen weiter verbreiten. Die in grosser Anzahl anwesenden ehemaligen Schüler wurden gewiss in ihrer gegenseitigen Freundschaft wie in ihrer dank- baren Anhänglichkeit an die Schule gefestigt, den jetzigen Schülern erschloss sich das Ver- ständnis für die grosse geschichtliche Vergangenheit und ruhmbedeckte Tätigkeit der Anstalt; der ideale Sinn des Lehrerkollegiums aber erhielt durch das neubelebte Bewusstsein, an einer kulturgeschichtlich so überaus bedeutsamen Stätte zu wirken, neuen Schwung und frische Begeisterung für die grossen Aufgaben und hohen Ziele des verantwortungsvollen Lehramtes. Möge der Segen aus dem schönen Feste recht lange auf unsere Schule befruchtend weiter- wirken und ihr die hohe Aufgabe erleichtern, das ihr anvertraute ruhmreiche Erbe einer grossen Vorzeit wohl zu wahren und noch vielen späteren Geschlechtern zu überliefern!