C. Lehrpenſa des verfloſſenen Schuljahrs.
Ober⸗Vrima. Ordinarius: Direktor Dr. Goebel.
1. Religionslehre: 2 St. a) Kath.: Die Glaubenslehre, nach dem Lehrbuche von Dreher. Brei⸗ tung.— b) Evangel.: Die Hauptſachen aus der Geſchichte der Symbole. Erklärung der Conf. Au— gustana, beſonders der Artt. 1— XVI, XVIII und XX und des Evangeliums Johannis, z. T. nach dem Urtext. Pfr. Herchenröder.
2. Deutſch: 3 St. Lektüre und Erklärung einer größeren Anzahl Oden Klopſtocks; Leſſings„Emilia Galotti“, Schillers„Wallenſtein“ und Gedankenlyrik.— Lebensbilder aus der deutſchen Litteraturgeſchichte vom Beginn des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Übungen im freien Vortrage. Korrektur der Aufſätze. Dr. Haas.
Themata für die Aufſätze: 1) Die beiden Eleonoren in Goethes„Torquato Taſſo“.— 2) Verdient
Horaz ſchweren Tadel wegen der Vergötterung des Auguſtus?— 3) Hôchvart twingt den kurzen man, Daz er
muoz üf den zéhen gân.(Klaſſenarbeit.)— 4) a) Welche Folgen für den Gang der Handlung in„Emilia Galotti“
hat des Prinzen Gang zur Meſſe bei den Dominikanern?— b) Lädt Emilia Galotti eine tragiſche Schuld auf ſich?
— Welche?— 5) Des Helden Namen iſt in Erz und Marmorſtein So wohl nicht aufbewahrt als in des Dichters
Liede.(Abiturientenaufſatz.)— 6) Inwiefern kann„Wallenſteins Lager“ als Expoſition der ganzen Wallenſtein⸗CTrilogie
angeſehen werden?— 7) Worin hat es ſeinen Grund, daß wir dem Max Piccolomini vorherrſchend unſere Sympathie
zuwenden?— 8) Woraus erklärt ſich die Sehnſucht der Deutſchen nach Italien?(Klaſſenarbeit.)— 9) Kann man
mit Recht ſagen, daß Friedrich II. vorzugsweiſe den ſchleſiſchen Kriegen den Beinamen„der Große“ verdankt?(Abi⸗ turientenaufſatz.)
3. Latein: a) 4 St. Taciti Agricola. Ciceronis oratio pro Milone. Alle 14 Tage eine Überſetz⸗ ung ins Lateiniſche im Anſchluß an Geleſenes abwechſelnd als Klaſſen- und als Hausarbeit, daneben alle 6 Wochen eine überſetzung ins Deutſche als Klaſſenarbeit. Bei Gelegenheit dieſer ſchriftlichen Übungen grammatiſche und ſtiliſtiſche Wiederholungen. Prof. Dr. Koerber.— b) 2 St. Horat. Epod. lib., carm. lib. I und II; Epistul. lib. I(mit Auswahl). Einzelne Gedichte wurden memoriert. Der Direktor.
4. Griechiſch: 6 St. Homer. Iliad. lib. II—IX; Demosth. oratt. Olynth. I, II, III und Philipp. I; Sophocles' Ajas. Auswendiglernen geeigneter Stellen. Schriftliche Üüberſetzungen aus dem Griechiſchen, teils aus dem Schriftſteller, teils nach Diktaten. Der Direktor.
5. Hebräiſch: 2 St. Wiederholung der Formenlehre und der Syntax nach Voſen. Analyſe und Üüberſetzung von Genes. capp. 1— 12, 47— 50; Numeri 11— 18. Schriftliche Übungen aus Genes. c. 24. Breitung.
6. Franzöſiſch: 2 St. Lektüre von Molièére, L'avare, II— V; im Winterhalbjahr: Lamartine, La mort de Louis XVI(Vol. 23 und 4 der Bibliothek ꝛc. von Dr. A. Goebel) und Victor Hugo's Ge⸗ dichte(nach der Ausg. von Velhagen und Klaſing). Alle 14 Tage eine Üüberſetzung aus dem Franzöſiſchen ins Deutſche. Dr. Haas.


