Jahrgang 
1886
Einzelbild herunterladen

17

Nach Beendigung des Schulaktus vereinigte ſich ein großer Teil der Feſtgenoſſen zum gemütlichen Frühſchoppen auf derBellevue.

Abends fand zum Beſchluß der Feier in den reich dekorierten Sälen derHarmonie ein von Freunden und früheren Schülern der Anſtalt ſehr zahlreich beſuchter ſolenner Feſtkommers ſtatt, an welchem auch den Schülern der Prima und Oberſekunda bis 11 ½ Uhr teilzunehmen geſtattet war. Der älteſte der noch lebenden Abiturienten vom J. 1836, Herr Amtsgerichtsrat Maier aus Würzburg, neben dem Herr Oberbürgermeiſter Rang als adlatus fungierte, führte das Präſidium und eröffnete die Reihe der offiziellen Trinkſprüche mit dem Toaſt auf Se. Majeſtät den Kaiſer. Den zweiten Toaſt brachte der Unterzeichnete auf die Gäſte aus, ins⸗ beſondere auf die aus der Ferne herbeigeeilten. Ihm erwiderte Herr Oberſchulrat Direktor Dr. Weismann aus Coburg, welcher 20 Jahre an der hieſ. Anſtalt als Lehrer gewirkt hat(bis 1866), mit einem Hoch auf das Fuldaer Gymnaſium und das Lehrerkollegium. Herr Prorektor Prof. Gegenbaur toaſtete in Form eines längeren geſchichtlichen Rückblicks auf die Stadt Fulda und Herr Oberbürgermeiſter Rang in humor⸗ voller, zündender Rede auf das innige Band zwiſchen der Stadt Fulda und dem Gymnaſium. Es folgte noch eine lange Reihe von Toaſten ernſten wie launigen Inhalts, ſo des Herrn Oberſchulrat Dr. Weismann auf die Gründer der Wohlthäterſtiftung, des Herrn Hofapotheker Rullmann, des Herrn Rechtsanwalt Otto Weismann aus Coburg, des Herrn Prof. Dr. Melde, welcher die Glückwünſche der Univerſität Marburg im Auftrage ihres zeitigen Rektors überbrachte und auf die Beziehungen des Gymnaſiums zu derſelbeneinen urkräftigen Salamander rieb, des Herrn Rabbinen Dr. Cahn ac. ꝛc. Inmitten der vorerwähnten Toaſte, die ſelbſtverſtändlich mit ausgewählten Liedern unter Muſikbegleitung abwechſelten, bereiteten die von Schülern der Anſtalt unter Leitung des Turnlehrers Jaeneke dargeſtellten Pyramiden und lebenden Bilder, welche mit ſeltener Präziſion und turneriſcher Sicherheit ausgeführt wurden, eine ebenſo große als angenehme über⸗ raſchung. Erſt als der Morgen graute, trennten ſich die letzten und ausdauerndſten der Feſtgenoſſen. Obwohl wegen der ſchlechten Witterung die von dem hieſigen Rhönclub auf den 22. projektierte Partie in die Rhön aufgegeben reſp. abbeſtellt worden war, ließ ſich ein Teil der Gäſte nicht abhalten, den in Ausſicht genommenen Ausflug nach Schloß Biberſtein und auf die Milſeburg dennoch auszuführen, u. a. auch der Senior und Alterspräſident, Herr Amtsgerichtsrat Maier.

Damit endete die ſchöne und erhebende Feier, welche allen Feſtteilnehmern unvergeßlich ſein wird. Aber ſie wird auch in den Annalen des Gymnaſiums durch alle Zukunft unvergeſſen bleiben; denn in der Jubiläums⸗Stiftung für wohlbegabte, aber unbemittelte Schüler iſt ihm zum dauernden Andenken an dieſen Tag ein monumentum aere perennius, wie wir hoffen dürfen, zu teil geworden. Der im vorigen Programme enthaltenen Bitte und Anregung zur Gründung einer ſolchen iſt ſo bereitwillig entſprochen wor⸗ den, daß der Erfolg unſere Erwartungen weit übertroffen hat. In dankbarer Erinnerung an die früher ſeitens der Anſtalt genoſſenen Wohlthaten und Unterſtützungen, die es ihnen möglich gemacht die Bahn einzuſchlagen, welche ſie zu bevorzugter Lebensſtellung geführt hat, haben viele das ſchöne Liebeswerk mit edler Freigebigkeit gefördert. Aber auch von andern hat dasſelbe reichliche Gunſt erfahren, und es ſind von den verſchiedenſten Seiten, von Gönnern und Freunden, von Lehrern wie Schülern der Anſtalt, frühern und jetzigen, einheimiſchen und auswärtigen, ſo zahlreiche und anſehnliche Gaben eingegangen, daß die Jubiläums⸗Stiftung als eine recht ſtattliche ins Leben treten konnte(ſ. u. VI.). Ich ſpreche dafür im Namen der Anſtalt allen edlen Gebern auch hier nochmals den wärmſten Dank aus und wünſche, daß Gott ihre Wohlthat reichlich ſegnen möge.

3