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III. Spezielle Lehrpenſa des verfloſſenen Schuljahres.
Prima. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Oſtermann.
1. Religionslehre: 2 St. a) Katholiſche: Die Glaubenslehre, nach Martin's Lehrbuch II. Theil. Oberl. Hahn.— b) Evangeliſche: Symbolik, nach Schmieder. Geſchichte der chriſtlichen Kirche von Bonifacius VIII. bis zur Neuzeit, nach Kurtz. Pfr. Schäfer.
2. Deutſch: 4 St. Lektüre und Erklärung von Schillers„Wallenſtein“. Geſchichte der deutſchen Lite⸗ ratur vom 13. Jahrhundert bis auf Klopſtock. Korrektur der Aufſätze. Philoſophiſche Propädeutik: Lehre vom Begriff, Urtheil und Schluß. Der Direktor.
Themata zu den deutſchen Aufſätzen: 1) a. Iſt das Urtheil begründet, der erſte Theil der Dichtung „Wallenſtein“ habe zwar vollkommen dramatiſche Haltung, aber keine dramatiſche Handlung? b. Was bezweckt Schiller durch den erſten Theil ſeiner dramatiſchen Dichtung„Wallenſtein“, und inwiefern hat er ſeinen Zweck er⸗ reicht?— 2) a. Inhalt und Gedankengang der Horatianiſchen Ode I, 12. b. Inhalt und Gedankengang von Wal⸗ lenſteins erſtem Monologe(Wallenſtein's Tod I, 4); oder— Inhalt und Gedankengang des Dialogs zwiſchen Wallen⸗ ſtein und Guſtav Wrangel mit Berückſichtigung der Charaktere beider(ibid. I, 5).— 3) Oberſt Buttler, Charakter⸗ bild nach Schillers„Wallenſtein“.— 4) Wie zeigt ſich in dem Schickſale der Hauptperſonen in Schiller's„Wallen⸗ ſtein“ die poetiſche Gerechtigkeit?(Auch Abituriententhema).— 5) In Dir ein edler Sklave iſt, Dem Du die Freiheit ſchuldig biſt.— 6) Inwiefern heißt der Mittelſtand mit Recht der goldene?— 7) Wo hat der Menſch den Frieden zu ſuchen?(Im Anſchluß an Horaz Carm. II, 16).— 8) Aufgabe und Bedeutung der Kunſt für das Menſchen⸗ leben.— 9) Mit den Wölfen muß man heulen(Probearbeit für 1b).
3. Latein: a) 6 St. Sall. de bello Jugurth. et de Catilin. coniur. Voraus ging eine Einleitung über die Geſchichtſchreibung der Römer vor Salluſt ſowie über Leben, Charakter und Schriften des Salluſt. Die Proömien zu Jug. und Catil. wurden memorirt. Uebungen im Lateinſprechen. Wöchentlich ein Exer⸗ citium oder Extemporale(abwechſelnd) und mündliche Ueberſetzung nach Süpfle's Aufgaben, 3. Theil, woran ſich grammatiſche und ſtiliſtiſche Unterweiſungen anſchloſſen. Freie Aufſätze. Der Ordinarius.— b) 2 St. Horat. Carm. libb.—III mit Auswahl. Die Erklärung zum Theil in lateiniſcher Sprache. Ein⸗ zelne Oden wurden memorirt. Der Direktor.
Themata zu den lateiniſchen Aufſätzen: 1) a. Quibus causis Ulixes Achilli persuadere studuerit, ut pugnae rursus interesset(Hom. II. IX). b. Diomedes et Ulixes in castra Trojana speculatum missi quas res gesserint(Hom. II. X).— 2) Vergilii illud:„Tu ne cede malis, sed contra audentior ito“ toti populo Romano propositum videtur fuisse.— 3) Romanorum reges pro suo quemque ingenio de civitate Romana bene me-
1 ruisse.— 4) Demosthenes cives suos cohortatur, ut societatem ab Olynthiis oblatam ineant(Probearbeit).— 5) Demosthenis oratio Olynthiaca II accuratius disponatur.— 6) Coriolanus plane alter Themistocles.— 7) Quarum virtutum exemplar Ulixes ab Homero propositus sit(Probearbeit).— 8) Polycrates Samius quam for- tunae varietatem expertus sit(Herod. III, 38— 44; 120— 125).— 9) Quibus causis factum sit, ut bellum Ju- gurthinum prioribus annis male gestum a Romanis bene conficeretur.
4. Griechiſch: 6 St. Hom. II. X, XI, XII, XIX, XX, XXI, XXII; Demosth. oratt. Olynth. I, II, III, in Philipp. I. Wiederholung einzelner Abſchnitte der syntaxis verbi nach Berger. Exercitien nach Böhme und Extemporalien.
5. Hebräiſch:(Es fehlte diesmal die Betheiligung.)
6. Franzöſiſch: 2 St. Lektüre von: histoire de Frédéric le Grand par Paganel.(Vol. XXVII der Bibliothek ꝛc. von Dr. Ant. Goebel.) Syntax nach Knebel(Modi, Partizipia, Inverſion). Mündliche Ueberſetzungen ins Franzöſiſche nach Höchſten. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Arbeit. Dr. Dlle


