Jahrgang 
1871
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Die Kirchenordnung war dieſelbe wie in den frühern Jahren. Im Sommerſemeſter wurde der Gymnaſialgottesdienſt zufolge der ſchon im vorigen Programme hervorgehobenen dankenswerthen Liberali⸗ tät des Hochwürdigſten Herrn Biſchofs in der Michaelskirche, im Winterſemeſter wieder in der nun⸗ mehr vollſtändig und geſchmackvoll reſtaurirten Nonnenkirche abgehalten. Bei der Beichte der katholiſchen Schüler leiſteten wie früher Herr Seminarlehrer Auth und Herr Koch, Religionslehrer an der höhern Bürgerſchule, freundlichſt Aushülfe, wofür ich denſelben im Namen der Anſtalt den verbindlichſten Dank ausſpreche.

B. Chroniß.

a) Perſonalnachrichten.

1. Durch Verfügung des Königl. Provinzial⸗Schulkollegiums vom 11. April 1870(S. 1085) wurde der Kandidat des höhern Schulamts Dr. Rudolf Wirſel zur Abhaltung ſeines Probejahrs am hieſigen Gymnaſium von Oſtern 1870 ab zugelaſſen. Derſelbe konnte jedoch, da er bei der Mobilmachung der Armee als Reſerveoffizier des 39. Regiments einberufen wurde, ſeinen Vorbereitungsdienſt nur bis zu den Sommerferien fortſetzen. Er nahm an den glorreichen Thaten unſeres Heldenheeres ſo ruhmvollen Antheil, namentlich bei Speichern und vor Metz, daß Se. Majeſtät am 3. Oktober ihm die Auszeichnung des eiſernen Kreuzes verlieh. Bei der Cernirung von Metz an der Ruhr erkrankt, leiſtete er ſeit ſeiner Re⸗ konvalescenz bis jetzt bei dem Erſatzbataillon in Weſel Dienſte, und wird nun hoffentlich bald zu ſeinem andern Berufe wieder zurückkehren können.

2. Zufolge einer Miniſterial⸗Verfügung vom 13. Mai 1870(U. 12,255) wurde gleichzeitig mit der definitiven Errichtung einer einklaſſigen Vorſchule am hieſigen Gymnaſium der ſeitherige Schreiblehrer Rathmann als Gymnaſial⸗Elementarlehrer angeſtellt.

Heinrich Rathmann, Sohn des Lehrers Rathmann zu Neuſtadt(Kreis Kirchhain) im Reg.»Bez. Caſſel, wurde daſelbſt geboren am 30. Auguſt 1830. Seine Vorbildung zum Lehrfache genoß er am hieſigen Gymnaſium, welches er bis zur Ober⸗ tertia incl. beſuchte, und darauf im Lehrerſeminar hierſelbſt, aus dem er im Sommer 1851 mit dem Zeugniſſe der Reife ent⸗ laſſen wurde. Er praktizirte einige Zeit an den Schulen ſeiner Vaterſtadt, war dann an einem Privatinſtitute in Hanau thätig und wirkte, nachdem er ſich der praktiſchen Lehrerprüfung unterzogen und dieſelbe beſtanden hatte, an den Schulen zu Kämmerzell, Obernkirchen und Volkmarſen. Durch Verfügung des vorhinnigen Kurfürſtlichen Miniſteriums des Innern wurde er von Oſtern 1860 ab am hieſigen Gymnaſium mit dem Schreibunterrichte, dem Orgelſpiel in der Gymnaſialkirche und den Expeditionsgeſchäften der Anſtalt beauftragt. Dieſer Auftrag wurde ſpäter auch auf den Unterricht im Rechnen und in der Geographie für die untern Klaſſen ausgedehnt. Zufolge Miniſterial⸗Verfügung vom 13. Mai 1870 wurde er vom 1. April 1870 an als Gymnaſial⸗Elementarlehrer unter Beibehaltung der Organiſten⸗ und Expedientenſtelle bei dem hieſigen Gymnaſium definitiv angeſtellt.

3. Durch Verfügung des Königl. Provinzial⸗Schulkollegiums vom 30. Auguſt 1870(S. 2580) wurde mitgetheilt, daß der Herr Miniſter der geiſtlichen, Unterrichts⸗ ꝛc. Angelegenheiten die Penſionirung des Gymnaſiallehrers Thomas Bormann vom 1. October ab unter Anrechnung einer 30jährigen Dienſtzeit genehmigt habe. Derſelbe hat im Jahre 18391840 ſein Probejahr am hieſigen Gymnaſium abſolvirt und ſeit 1846 ununterbrochen dem Lehrerkollegium unſerer Anſtalt angehört, welches an ihm einen freundlichen und kenntnißreichen Kollegen verloren hat. Eine große Zahl von Schülern wird ihm ein treues Andenken bewahren. Möge ihm noch lange ein ungetrübter Genuß der erwünſchten Muße beſchieden ſein!

4. Zufolge Verfügung des Königl. Provinzial⸗Schulkollegiums vom 18. Juli 1870(S. 2276) wurde der an der höhern Bürgerſchule dahier auftragsweiſe beſchäftigte Schulamtskandidat Joh. Boſing zur