Jahrgang 
1869
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in den preuß. Volksſchulen zu Grunde gelegt wurde. Jede Abtheilung zählte c. 50 Schüler. Im Ganzen betheiligten ſich 195. Der Anfang wurde regelmäßig, und meiſtens auch der Schluß, mit Freiübungen gemacht. Bei dem Turnen an Geräthen wurden hauptſächlich Hanteln, Stäbe, Reck, Barren, Pferd, Springel, Schwebebaum, Schaukelringe und Klettergeräthe benutzt. An jedem Geräthe turnte eine Riege von 8 10 Mann c. 12 Minuten. Im Winter konnte wegen mangelhafter Beſchaffenheit der Turnhalle nur eine kleinere Zahl von(65) Schülern zu jenen Uebungen herangezogen werden.

Eine eigene Schwimmanſtalt für das Gymnaſium war im verfloſſenen Schuljahre nicht errichtet worden, weil das erforderliche Unterrichts⸗ und Aufſichtsperſonal von Seiten des 88. Infanterie⸗Regiments nicht überlaſſen werden konnte. Dagegen war durch die zuvorkommende Güte und Freundlichkeit des Herrn Oberſt Beyer von Karger, wofür ich den verbindlichſten Dank hiermit auch öffentlich ausſpreche, gleich⸗ wie im vorigen Jahre das Arrangement getroffen, daß vom 8. Juni ab die Schwimmanſtalt des Regiments in den Nachmittagsſtunden von 57 Uhr gegen eine geringe Vergütung für die Inſtruirenden den Schülern des Gymnaſiums zur Benutzung frei ſtand. Schwimmunterricht erhielten 20 Schüler, 101 andere betheiligten ſich am Schwimmen oder Baden.

Die Kirchenordnung war dieſelbe wie im vorigen Jahre. Bei dem Gottesdienſte am Frohnleich⸗ namsfeſte und bei der in jedem Quartal zweimal ſtattgehabten Beichte der kathol. Schüler leiſtete wie früher Herr Seminarlehrer Auth und außerdem die Herrn Prof. Dr. Reinerding und Realſchullehrer Koch bereitwillig Aushülfe, wofür ich denſelben im Namen der Anſtalt den verdienten Dank ausdrücke.

B. Chronik. a) Perſonalnachrichten.

1. In Gemäßheit des Beſchluſſes Königlicher Regierung, Abth. für Kirchen⸗ und Schulſachen, vom 19. Mai 1868(B. 5418) wurde dem Turnlehrer Friedr. Jaeneke, nachdem ſich derſelbe die erforderliche Qualifikation erworben hatte, die Ertheilung des Turnunterrichts am hieſigen Gymnaſium vom 1. Mai ab definitiv übertragen.

2. Am 16. Juni, Morgens um 1 ½ Uhr, ſtarb nach achttägigem Krankenlager der Gymnaſiallehrer Joſeph Schmittdiel.

Derſelbe war geboren zu Neuſtadt in Oberheſſen am 10. Februar 1818. Von Michaelis 1835 bis Oſtern 1839 beſuchte er das hieſige Gymnaſium und widmete ſich, nachdem er die Maturitätsprüfung beſtanden, dem Studium der Theologie hier⸗ ſelbſt, und zwar ſeit November 1840 als Alumnus des hieſigen Klerikalſeminars. Im December 1842 zum Prieſter geweiht, verſah er vom 1. Februar 1843 an zunächſt interimiſtiſch die Stelle eines Lehrers an der lateiniſchen Schule zu Fritzlar und wurde dann, nachdem er das vorgeſchriebene Examen bei der Prüfungs⸗Deputation zu Marburg beſtanden hatte, durch Aller⸗ höchſtes Reſkript vom 19. December 1844 zum Rektor der gedachten Anſtalt ernannt. In dieſer Stellung verblieb er bis Oſtern 1854, wo er von dem Kurfürſtlichen Miniſterium mit Verſehung einer Lehrerſtelle am hieſigen Gymnaſium beauftragt wurde. Durch Allerhöchſtes Reſkript vom 28. Auguſt 1856 wurde er zum ordentlichen Gymnaſiallehrer hierſelbſt ernannt und verſah dieſes Amt nicht ganz 12 Jahre mit gewiſſenhafter Pflichttreue und ſteter Liebe zu ſeinem Berufe. Während der letzten Jahre erfreute er ſich keiner feſten Geſundheit mehr und fühlte eine Abnahme ſeiner früher rüſtigen Kraft. Er erlag den Anfällen einer Rippenfellentzündung, die bereits gehoben ſchien, und ſtarb an Lungenlähmung in Folge körperlicher Schwäche und Entkräftung. Am 17. Juni geleiteten die Lehrer und Schüler des Gymnaſiums die Leiche zu ihrer Ruheſtätte, und am 17., 18. und 20. wurden von Seiten des Gymnaſiums in der Nonnenkirche feierliche Exequien für den Verſtorbenen gehalten. Requiescat in pace sanctorum!

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